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Bittersüßes Biathlon-Gold bei Olympia: "Ich habe nur an ihn gedacht"

Einer der ergreifendsten Olympiasiege

Johan-Olav Botn gewinnt Gold und widmet die Medaille seinem kürzlich verstorbenen Freund. Es ist einer der ergreifendsten Olympiasiege.
Die DSV-Mixed-Staffel sorgt gleich im ersten Biathlonrennen bei den Olympischen Winterspielen für eine Medaille! Doch wer steckt wirklich hinter dem Erfolg? SPORT1-Reporterin Sophie Affeldt verrät, wer als heimlicher Held der deutschen Biathlon-Staffel gelten könnte.
Johan-Olav Botn gewinnt Gold und widmet die Medaille seinem kürzlich verstorbenen Freund. Es ist einer der ergreifendsten Olympiasiege.

Im Ziel reckte Johan-Olav Botn den Zeigefinger in die Höhe, blickte kurz gen Himmel und schrie alle seine Emotionen aus sich heraus: „Für Sivert Guttorm Bakken.“

Im Augenblick seines größten sportlichen Erfolges dachte der neue Biathlon-Olympiasieger an seinen vor nicht einmal zwei Monaten verstorbenen Freund.

Biathlon-Star fand Teamkollegen tot im Hotelzimmer

Am 23. Dezember hatte Botn in Antholz seinen norwegischen Mannschaftskollegen Sivert Guttorm Bakken tot im Zimmer des Teamhotels aufgefunden. Nun gewann Botn eben dort – allen Umständen zum Trotz – das Einzelrennen.

„Um ehrlich zu sein, habe ich auf der letzten Runde kaum an mich selbst gedacht, meine Gefühle für Sievert kamen direkt nach dem letzten Schießen. Es war unser gemeinsamer Traum, Olympiasieger zu werden. Ich habe nur an ihn gedacht und ich hoffe, er ist stolz auf mich“, sagte Botn nach dem Rennen im ZDF.

Olympiasieger kämpft mit den Tränen

Auch bei der Siegerehrung war ihm die Ergriffenheit deutlich anzumerken. Botn schloss immer wieder die Augen, kämpfte mit den Tränen. „Da sind sehr viele Emotionen im Spiel, die jetzt herauskommen“, sagte Philipp Nawrath, der als Fünfter eine Medaille verpasste, auf SPORT1-Nachfrage und lobte Botns „absolut starke, tadellose Leistung“.

Die war umso beeindruckender, weil Botn in den Wochen vor Olympia auch körperlich angeschlagen war. Seit Weihnachten habe er kaum trainiert, ließ unter anderem den Weltcup in Oberhof aus.

Herrmann-Wick zollt Respekt

„Ich weiß ehrlicherweise nicht, wie ich das geschafft habe. Es hat alles funktioniert und war im Flow“, sagte Botn und wunderte sich selbst über seine Leistung.

Auch ZDF-Expertin Denise Herrmann-Wick zeigte sich beeindruckt. „Das muss unglaublich für ihn sein. Mental so die Kurve wiederzukriegen, ist sehr beeindruckend. Er war perfekt auf das Rennen vorbereitet“, sagte die Olympiasiegerin von 2022 in Peking: „Man hat ihm vor dem letzten Schießen einfach nur gegönnt, dass alles gutgeht. Er ist ein verdienter Olympiasieger.“