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Norwegischer Biathlet meutert gegen das eigene Team: "Fühle mich betrogen!"

Norwegischer Biathlet meutert

Martin Uldal ist von seinem Verband nicht für den Sprint und die Verfolgung nominiert - und versteht die Welt nicht mehr. Er attackiert die Verantwortlichen öffentlich und fühlt sich „betrogen“.
Die DSV-Mixed-Staffel sorgt gleich im ersten Biathlonrennen bei den Olympischen Winterspielen für eine Medaille! Doch wer steckt wirklich hinter dem Erfolg? SPORT1-Reporterin Sophie Affeldt verrät, wer als heimlicher Held der deutschen Biathlon-Staffel gelten könnte.
Martin Uldal ist von seinem Verband nicht für den Sprint und die Verfolgung nominiert - und versteht die Welt nicht mehr. Er attackiert die Verantwortlichen öffentlich und fühlt sich „betrogen“.

Es brodelt mächtig bei der Biathlon-Großmacht Norwegen: Nach den massiven Irritationen um das aufsehenerregende private TV-Geständnis von Sturla Holm Lägreid nach dem Einzel meutert nun ein Kollege.

Martin Uldal, nicht nominiert für den Sprint am Freitag und die Verfolgung am Sonntag, beklagt öffentlich, dass er sich verschaukelt fühlt. Und wieder spielt auch Lägreid eine tragende Rolle.

Olympia: Norweger Uldal fühlt sich „betrogen“

„Ich denke, das ist einfach nicht in Ordnung. Ich fühle mich ziemlich unfair behandelt und finde, dass das auf eine ziemlich schlechte Art und Weise gemacht wird. Ich finde, ich habe einen Platz in diesem Sprintteam verdient“, wird Uldal vom norwegischen Boulevard-Medium Verdens Gang zitiert. Er fühle sich „betrogen“.

Die norwegischen Verantwortlichen vergaben die vier Tickets an Johan-Olav Botn, Johannes Dale-Skjevdal, Vetle Sjastad Christiansen sowie Lägreid. Ausgerechnet Gesamtweltcupsieger Lägreid war erklärtermaßen ein Wackelkandidat, weil er in diesem Winter lange nicht recht in Schwung gekommen war und kein einziges Weltcup-Podium erreicht hatte.

Anders sah es bei Uldal aus, der in dieser Saison drei Podestplätze in Einzeldisziplinen gesammelt hatte - je einen davon im Sprint und der Verfolgung.

Einzel-Bronze ebnet Lägreid den Weg in Sprint und Verfolgung

Nationaltrainer Per-Arne Botnan begründete im Gespräch mit dem norwegischen Sender NRK nun, dass Lägreids dritter Platz im Einzel der wesentliche Faktor für seine Nominierung gewesen sei: „Wir haben eine klare Botschaft gesendet, dass Sturla, wenn er Kandidat sein will, das Podium erreichen muss. Das hat er geschafft. Am Ende ging es um Sturla oder Martin und die Wahl fiel auf Sturla, einen Medaillengewinner.“

Uldal, aktuell auf Platz 13 im Gesamtweltcup (Botn 4, Skjevdal 6, Christiansen 9, Lägreid 11), überzeugt die Begründung nicht.

„Die Gespräche und Botschaften, die es vor den Olympischen Spielen gegeben hatte, haben mir den Eindruck vermittelt, dass ich, wenn es so laufen würde wie jetzt, dabei sein würde“, murrt er bei NRK. Seine Nicht-Nominierung sei aus seiner Sicht „ärgerlich und verrückt“. Es sei „sehr falsch, dass das eine Rennen über die Normaldistanz so stark gewichtet wird“.

Coach Botnan wies die Kritik zurück: Er verstehe, dass Uldal „enttäuscht“ sei, von Ungerechtigkeit könne aber keine Rede sein. Auch den Vorwurf falscher Kommunikation könne er nicht verstehen - er werde bei Gelegenheit das Gespräch mit Uldal suchen.

Legenden verstehen Uldals Frust - aber auch den Coach

Auch die prominenten norwegischen Expertinnen und Experten nahmen Botnan gegen Uldals Vorwürfe in Schutz.

„Es ist schwer, jemanden abzulehnen, der bereits Medaillen bei den Olympischen Spielen gewonnen hat”, äußerte die ehemalige Top-Biathletin Marte Olsbu Roiseland Verständnis für die Nominierung: „Aber ich verstehe auch, dass Martin enttäuscht ist. Er hatte Podestplätze in diesen Disziplinen.“

Auch Roiselands Weggefährtin Tiril Eckhoff betonte, dass die Entscheidung zwischen Lägreid und Uldal schlicht undankbar gewesen sei: „Ich habe Mitleid mit ihm. Einer musste den schwarzen Peter bekommen und jetzt war es eben Martin. Sport ist brutal.“