Der perfekte sportliche Abschluss blieb Franziska Preuß mit Platz 28 im letzten Rennen ihrer aktiven Laufbahn zwar verwehrt, dennoch darf dies den Blick auf ihre Karriere nicht trüben - das zeigt nicht zuletzt der riesige Applaus, mit dem Preuß in Antholz verabschiedet wurde.
Olympia 2026: Preuß-Vermächtnis ist größer als jede Medaille | Kommentar
Was Preuß‘ Vermächtnis so groß macht
Natürlich hätte sich so eine Olympia-Einzelmedaille nett gemacht neben der großen Kristallkugel für den Gesamtweltcupsieg und dem WM-Verfolgungs-Gold aus der vergangenen Saison – doch es bleibt der einzige kleine Makel in einer sonst überaus erfolgreichen Karriere. Und sind es nicht genau diese Makel, die einen menschlich werden lassen?
Genau das zeichnete Preuß in ihrer Karriere immer aus und machte sie für viele Menschen nahbar. Preuß war keine Überfliegerin wie ein Johannes Thingnes Bö oder ein Ausnahmetalent wie Magdalena Neuner. Ihre Karriere war kein Durchmarsch, sondern ein stetiges Auf und Ab – geprägt von gesundheitlichen Rückschlägen, die ihr auch bei den Saisonhöhepunkten immer wieder einen Strich durch die Rechnung machten.
Preuß wird oft ausgebremst - doch gibt nie auf
Wer Fan von Franziska Preuß war, lernte, mit Leid umzugehen. Doch er konnte sich auch eines sicher sein: Sie lässt sich nicht unterkriegen. Und wie als Belohnung dafür kam dieser vergangene Winter – diese eine Saison, in der plötzlich alles zusammenpasste. Der Gesamtweltcupsieg, gesichert in der letzten Runde des letzten Rennens, war mehr als ein sportlicher Triumph, er war auch eine Botschaft.
Niemals aufzugeben, egal, wie oft einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird – dies ist das Vermächtnis, welches Preuß in dem Sport hinterlässt. Die 31-Jährige zog am Ende sogar Stärke aus all den Rückschlägen und ist damit nicht nur Leistungsträgerin, sondern nach dem Rücktritt von Denise Herrmann-Wick auch zu einer Art Schutzschild für den deutschen Nachwuchs um Selina Grotian und Julia Tannheimer geworden, indem sie die größte Aufmerksamkeit oft auf sich zog.
Sportlich, so fair muss man sein, hat Preuß dennoch nicht so riesige Spuren wie Bö, Martin Fourcade, Neuner oder Laura Dahlmeier hinterlassen. Zu selten konnte sie dafür in den Einzelrennen bei Großereignissen, auch aufgrund häufiger gesundheitlicher Probleme, ihre Topleistungen abrufen.
Daher waren diese Winterspiele auf gewisse Weise als Abschluss sogar passend. Denn wieder einmal hatte sie auf dem Weg zu Olympia Rückschläge erlebt, unter anderem eine Hand-OP in der Saison-Vorbereitung.
Preuß zeigt auch abseits der Strecke wahre Größe
Den Menschen Franziska Preuß veränderten Pech oder Misserfolge aber genauso wenig wie ihre Erfolge. Sie ist sich immer treu geblieben, bescheiden, aufrichtig. So wird sie auch ihren Kolleginnen in Erinnerung bleiben.
Nicht umsonst sprechen diese oft zuerst über ihre Persönlichkeit, wenn sie beschreiben, was Preuß ausmacht. Und nicht umsonst nennt Lou Jeanmonnot die Deutsche inzwischen ihre Freundin – trotz des so harten Zweikampfs im vergangenen Jahr, der in einem Sturz der Französin auf der letzten Runde in Oslo endete.
Doch die Momente nach Überquerung der Ziellinie zeigten auch besser als alle anderen, was Preuß ausmachte. Statt ausgiebig über die Erfüllung des großen Traums zu jubeln, suchte ihr Blick sofort Jeanmonnot, um diese zu trösten und sich sogar zu entschuldigen, obwohl sie keine Schuld traf.
Das zeichnete Preuß stets aus und ist mehr wert als Medaillen, die sie gewann – oder eben auch verpasste.