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Die Krönung eines einzigartigen Lebenswerks

Die Krönung eines Lebenswerks

Mit insgesamt 50 Weltcupsiegen, dreimal olympischem Gold, zwei WM-Titeln und einem Gesamtweltcupsieg gehört Alberto Tomba zu den größten Skifahrern aller Zeiten. Bei den diesjährigen Winterspielen wird ihm eine besondere Ehre zuteil.
Die Olympischen Winterspiele 2026 finden in Mailand und Cortina statt. Aber auch andere Orte in Italien werden zum Schauplatz der Wettkämpfe. Hier gibt's alle Austragungsorte im Überblick.
Mit insgesamt 50 Weltcupsiegen, dreimal olympischem Gold, zwei WM-Titeln und einem Gesamtweltcupsieg gehört Alberto Tomba zu den größten Skifahrern aller Zeiten. Bei den diesjährigen Winterspielen wird ihm eine besondere Ehre zuteil.

Lange war spekuliert worden, wem diese traditionsreiche und große Ehre gebühren würde. Am Mittwoch dann drangen erstmals konkrete Namen nach außen. Die italienischen Ski-Legenden Alberto Tomba und Deborah Compagnoni werden bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele Mailand und Cortina am Freitag die olympischen Feuer entzünden. Zuerst berichtete darüber die Gazzetta dello Sport.

Demnach soll Tomba das Feuer bei der offiziellen Zeremonie in Mailand entfachen, während Compagnoni die zweite Flamme auf der Piazza Dibona im Herzen von Cortina d’Ampezzo entzündet. Beide zählen mit jeweils drei olympischen Goldmedaillen zu den erfolgreichsten und populärsten Wintersportlern, die Italien hervorgebracht hat. Vor allem Tomba gilt bis heute als eine der schillerndsten Persönlichkeiten des alpinen Skirennsports.

In den späten 1980er- und 1990er-Jahren prägte Tomba insbesondere Slalom und Riesenslalom wie kaum ein anderer. Mit seiner charismatischen Ausstrahlung, einer ebenso aggressiven wie eleganten Fahrweise und einem Gespür für den großen Auftritt gewann er drei olympische Titel, zwei Weltmeisterschaften und insgesamt 50 Weltcuprennen. Doch wer ist dieser Mann, der den Beinamen „Tomba la Bomba“ erhielt – und nun die Olympischen Winterspiele in seinem Heimatland eröffnen darf?

Ski-Ikone Tomba kommt aus dem Flachland

Tomba wurde am 19. Dezember 1966 geboren und stammt aus der Nähe von Bologna – einer Stadt, die eher für ihre Pastasauce als für alpine Hänge bekannt ist. Dennoch entdeckte er seine Leidenschaft für den Skisport früh. Seine Familie verbrachte viel Zeit in den Bergen, vor allem im Norden des Landes, in den Dolomiten, wo Tomba das Skifahren erlernte. Bereits als Kind zeigte er außergewöhnliches Talent, das ihn rasch in die Nachwuchskader des italienischen Skiverbands führte.

Schon als Jugendlicher fiel Tomba durch eine explosive Fahrweise und bemerkenswerte technische Präzision auf – Vorboten einer Karriere, die ihn später zu einem der prägenden Skirennläufer seiner Generation machen sollte. Sein Weltcupdebüt gab er am 17. Dezember 1985 im Alter von nur 18 Jahren. Es dauerte nicht lange, bis er mit seinem kompromisslosen Stil und seiner Dominanz in den technischen Disziplinen Slalom und Riesenslalom an die Spitze der internationalen Konkurrenz vorstieß.

Den ersten Weltcupsieg feierte Tomba am 27. November 1987 im Riesenslalom von Sestriere. In derselben Saison gelang ihm schließlich der endgültige Durchbruch. Bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary gewann er Gold im Slalom und im Riesenslalom – und stieg quasi über Nacht zum Superstar auf. Sein unkonventionelles Auftreten, gepaart mit beeindruckender Überlegenheit auf der Piste, machte ihn rasch zu einer der auffälligsten Figuren im alpinen Rennsport.

Tomba wurde Affäre mit Katarina Witt angeheftet

In den folgenden Jahren sammelte Tomba Titel um Titel. Drei olympische Gold- und zwei Silbermedaillen, zwei Weltmeistertitel, acht Disziplinen-Siege im Weltcup sowie ein Gesamtweltcupsieg stehen in seiner Vita – letzteren sicherte er sich allein durch elf Saisonsiege in den Slalomrennen. Insgesamt gewann Tomba 35 Weltcuprennen im Slalom und 15 im Riesenslalom, hinzu kommen 26 zweite und zwölf dritte Plätze. Bis heute ist er der einzige Skirennläufer, der in zwölf aufeinanderfolgenden Jahren mindestens einen Weltcupsieg feiern konnte.

Seine Karriere beendete Tomba im März 1998. In seiner letzten Saison konnte er aber nicht mehr an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen, Verletzungen bremsten ihn aus, der Anschluss an die nachrückende Generation fiel zunehmend schwerer. An seinem Vermächtnis änderte das jedoch nichts. Unter allen italienischen Olympiasiegern der vergangenen 100 Jahre wurde „Tomba, la Bomba“ später zum Athleten des Jahrhunderts gewählt. Bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin durfte er bei der Eröffnungsfeier bereits einmal die olympische Fackel ins Stadion tragen.

In einem Interview mit dem britischen Telegraph erklärte der heute 59-Jährige einst, er würde an seiner Laufbahn nichts ändern – auch wenn er wegen mancher Eskapaden und öffentlich diskutierter Affären, unter anderem mit der früheren Eiskunstläuferin Katarina Witt, lange als Lebemann und Showman wahrgenommen wurde. „Jede Erfahrung, ob gut oder schlecht, ist eine Lektion, die einen zu dem macht, was man ist“, sagte Tomba. „Wenn das Leben ein Haus ist, dann ist jeder einzelne Stein wichtig.“

Ski-Legende probierte sich als Schauspieler

Auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere blieb Tomba dem Skisport eng verbunden. International setzte sich der Italiener für die Werte des Sports ein, unterstützte die Organisation von Nachwuchsrennen und engagierte sich als Botschafter im olympischen Umfeld. Als Repräsentant spielte er zudem eine wichtige Rolle bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2006 nach Turin und war auch in die Bewerbung für die Olympia 2026 eingebunden.

Weniger erfolgreich verlief dagegen der Versuch, sein Showtalent abseits der Skipisten unter Beweis zu stellen. Im Jahr 2000 übernahm Tomba an der Seite von Michelle Hunziker im Film „Alex, der Widder“ eine Hauptrolle als Personenschützer – das Projekt entwickelte sich jedoch zu einem Misserfolg. In den folgenden Jahren war er nur noch vereinzelt in Gastrollen italienischer Fernsehserien zu sehen, meist in der Rolle seiner selbst. Seinen bislang letzten TV-Auftritt hatte Tomba 2018 in der Sendung „Che tempo che fa“.

Ungeachtet dessen wird Tomba in Italien bis heute verehrt. „Ich genieße das durchaus. Ich gebe viele Autogramme, die Leute wollen Fotos. Für sie ist Tomba wie ein Gott. Auch in Ländern, in denen sie mich zum ersten Mal sehen, werde ich wie ein großer Schauspieler empfangen“, sagte das frühere Slalom-Ass einmal der Kleinen Zeitung. Am Freitag rückt er erneut ins Rampenlicht – mit einem Auftritt, der sinnbildlich für seine außergewöhnliche Karriere steht.