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Olympia 2026: Erst unter Schummelverdacht - jetzt Gold

Erst Schummelverdacht - jetzt Gold

Die norwegische Skispringerin Anna-Odine Ström stand noch vor wenigen Wochen unter Schummelverdacht - und ist jetzt überraschend Olympiasiegerin.
Nika Prevc galt vor den Olympischen Spielen als haushohe Favoritin im Skispringen. Am Ende musste sich die Dominatorin jedoch geschlagen geben – eine andere Athletin sicherte sich die Goldmedaille.
Die norwegische Skispringerin Anna-Odine Ström stand noch vor wenigen Wochen unter Schummelverdacht - und ist jetzt überraschend Olympiasiegerin.

Von der Garmischer „Sohlensünderin“ zu Predazzos Gold-Queen in nicht einmal sechs Wochen: Anna-Odine Ström stand am Fuße der grell beleuchteten Olympiaschanze, winkte ihren Eltern zu und konnte ihre wundersame Wandlung kaum begreifen.

„Das ist noch nicht wirklich angekommen“, sagte die norwegische Skispringerin nach ihrem Triumph am Samstagabend.

Disqualifikation wegen Sockensohle: Ströms rätselhafter Garmisch-Fall

Eine harte Zeit lag hinter der 27-Jährigen: An Silvester war Ström beim Weltcup in Garmisch-Partenkirchen disqualifiziert worden - und das wegen durchaus verdächtiger Umstände.

In einem ihrer Socken war eine zusätzliche Sohle gefunden worden, was Norwegens Verband mit einer medizinischen Notwendigkeit begründete. Ström leide unter einer Hüftschiefstellung, das betreffende Attest schoben die Norweger eilig hinterher.

Die Disqualifikation blieb, der Verdacht, dass da mehr als ein Versehen hinterstecke, auch. Schließlich lag da der krachende Anzugskandal rund um Norwegens Männern nur ein Dreivierteljahr zurück. Und nun schon wieder die „Schummel-Skandinavier“?

Hannawald: „Wollen die uns alle verarschen?“

Im SPORT1-Interview wurde auch Ex-Skispringer Sven Hannawald damals mehr als deutlich: „Die Ström-Geschichte macht mich auch fassungslos - wie manche dann weiter mit der Welt des Skispringens umgehen.“

Hannawald führte weiter aus: „Wenn es von einem Sturz ist, kein Thema. Wenn der Arzt es vielleicht doch schon damals gesehen hat, dass das ein Problem ist, auch kein Thema. Aber dann geht man doch offiziell zur FIS und beantragt das, damit die Sohle nicht versteckt werden muss in den Socken, sondern normal im Schuh liegt.“

Für den TV-Experten ist das Verstecken im Strumpf kein gutes Zeichen: „Danach kannst du dir alle möglichen Ausreden einfallen lassen. Den Arzt kann ich anrufen und sagen: Guck mal, meine Springerin ist Mitte November gestürzt. Mach mir mal bitte ein Attest und datiere die Diagnose nachträglich so, dass es passt. Also wollen die uns alle verarschen?“

Olympia-Triumph in Predazzo: Ström schlägt Überfliegerin

Ström jedenfalls beteuerte ihre Unbedarftheit, der Vorfall blieb folgenlos. Und nun springt sie in Predazzo in der Form ihres Lebens, schlug gar die meistens unschlagbare Nika Prevc.

„Ich habe sehr hart gearbeitet. Und dass meine Eltern das hier miterleben dürfen, ist unglaublich“, sagte Ström.

Norwegen-Chef strahlt nach überstandener Anzugaffäre

Mit breitestem Grinsen verfolgte Jan Erik Aalbu die Siegerehrung. Ihm bedeute dies sehr viel, sagte Norwegens Skisprungchef, der die Anzugaffäre nur sehr knapp im Amt überstanden hatte.

„Es war ein Riesenspaß heute, aber sehr nervenaufreibend“, sagte er im norwegischen Fernsehen.

Erfolge aber machen nicht weniger verdächtig. Das weiß auch Aalbu, das war ihm an diesem Abend aber herzlich egal. Zumal Ström problemlos die Materialkontrolle überstand.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)