Gemeinsam stiegen Remco Evenepoel und Florian Lipowitz am Sonntagmorgen in den Teambus Richtung Etappenstart in Tarragona (ab 13:55 Uhr im LIVETICKER). Diesmal musste der belgische Olympiasieger nicht auf seinen deutschen Kollegen warten. Dies hatte Evenepoel allerdings auch am Vortag im Teamzeitfahren der Tour de France in Barcelona nicht getan. Vorerst schienen die Rollen bei Red Bull-Bora-hansgrohe danach verteilt: Remco vorne, Lipo im Schatten des Stars – doch das kann dem ruhigen Ulmer nur recht sein.
Tour de France: "Keine Ahnung, was mit Florian passiert ist"
Gemischte Gefühle um Lipowitz
„Es ist immer hart, in eine Tour reinzukommen. Die Tage davor sind immer stressig“, sagte Lipowitz nach einem Auftakt, der ihm zwar etwas frühzeitigen Rückstand, aber auch wertvolle Erkenntnisse brachte: „Ich bin happy. Jetzt kann die Tour starten.“ Fahren Sie weiter – hier ist nichts passiert! Wirklich?
Tour de France: Lipowitz mit leichter Hypothek
35 Sekunden lag der Tourdritte des Vorjahres am ersten Abend dieser langen Rundfahrt hinter Auftaktsieger Jonas Vingegaard, 27 hinter Titelverteidiger Tadej Pogacar, 16 Sekunden büßte er auf Evenepoel ein. Das ist einerseits nicht tragisch – 2025 hatte sich Lipowitz auf der ersten Etappe 39 Sekunden Rückstand eingehandelt und lag nach Etappe fünf 2:31 Minuten hinter Gelb zurück. Andererseits ist der Rückstand nun „etwas mehr, als wir erhofft haben“, sagte Red-Bull-Teamchef Ralph Denk.
Auch Evenepoel wunderte sich nach dem Zeitfahren, in dem er seinen „Co-Kapitän“ am letzten Anstieg abhängte: „Keine Ahnung, was mit Florian passiert ist.“ Wenngleich RB-Sportdirektor Klaas Lodewyck, Evenepoels Vertrauter, darauf verwies, dass Lipowitz‘ Zeitverlust „einkalkuliert“ war.
Evenepoel: „Haben das Maximum herausgeholt“
Als Evenepoel sprach, war er von einer Horde internationaler Journalisten umzingelt, für seinen Teamkollegen interessierten sich vornehmlich deutsche Medien. Lipowitz kann aus einer Position relativer Ruhe agieren, Starzugang Evenepoel zieht den Rummel an. Und auch deshalb war er es, der nach dem Auftakt eher enttäuscht sein musste. Der weltbeste Zeitfahrer war angetreten, erstmals Gelb zu holen – davon blieb er als Tagesfünfter recht weit entfernt. Lipowitz indes kann darauf setzen, dass er auf den kommenden langen Anstiegen Vorteile haben sollte.
„Wir haben das Maximum als Team herausgeholt“, sagte Evenepoel. Aber: Es deutete sich dabei an, dass das Agieren mit zwei gleichwertigen Kapitänen – das Projekt „Lipopoel“ oder „Evenewitz“ – erwartet kompliziert werden kann.
Red Bull-Bora-hansgrohe überzeugt als Team noch nicht
Auffällig war, dass sich Evenepoel den Großteil seines Zeitverlusts auf den ersten flachen Kilometern einhandelte. Über zehn Sekunden lag der RB-Zug bei der ersten Zwischenzeit hinter Vingegaards Visma-Team zurück. Obwohl Mastermind Dan Bigham ein Dreivierteljahr taktisch getüftelt hatte, wirkte das Oktett nicht perfekt abgestimmt. Das musste dem höchst ehrgeizigen Evenepoel missfallen, dies gefiel auch Denk nicht.
„Die mannschaftliche Homogenität hätte ein Stück weit besser sein können“, sagte der Teamchef. Ein altes Problem seiner Equipe, die taktisch oftmals nicht so stringent agiert wie Visma oder UAE (Pogacar). So fuhr bei der 2025er-Tour der im Gesamtklassement chancenlose RB-Star Primoz Roglic in der Schlusswoche plötzlich gegen den ums Podest kämpfenden Lipowitz.
„Es sind noch lange drei Tour-Wochen“, sagte Lipowitz nun ganz unaufgeregt. Er besitzt die Fähigkeit, in heiklen Situationen wie mit Roglic ruhig und bei sich zu bleiben. Wie der durchaus aufbrausende Evenepoel damit umgeht, ist eine der spannenden Fragen dieser langen Wochen.