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Ullrich noch stolz auf diesen Coup

Ullrich noch stolz auf diesen Coup

Am 15. Juli 1997 holt sich Jan Ullrich sein erstes Gelbes Trikot bei der Tour. Zwölf Tage später folgt der Gesamtsieg - der Radsport-Kaiser ist geboren.
Jan Ullrich stürmt am 15. Juli 1997 ins Gelbe Trikot
Jan Ullrich stürmt am 15. Juli 1997 ins Gelbe Trikot
© Getty Images
SID
von SID
16.07.2020 | 09:29 Uhr

Nur kurz geht Jan Ullrich aus dem Sattel, beschleunigt mit einigen kräftigen Tritten, dann zieht er davon. Elegant, mit seinem unvergleichlich ästhetischen Stil. Meter um Meter legt der 23-Jährige zwischen sich und seine Konkurrenten, klettert seinem ersten Gelben Trikot und dem großen Triumph bei der Tour de France entgegen.

Germany's Marcel Kittel looks on during the signature ceremony prior to the start of the 138,5km 1st stage of the 77th Paris-Nice cycling race between Saint-Germain-en-Laye and Saint-Germain-en-Laye in Saint-Germain-en-Laye on March 10, 2019. (Photo by Anne-Christine POUJOULAT / AFP)        (Photo credit should read ANNE-CHRISTINE POUJOULAT/AFP/Getty Images)
Marcel Kittel verkündete am Freitag seinen Rücktritt
Germany's John Degenkolb celebrates as he crosses the finish line to win the ninth stage of the 105th edition of the Tour de France cycling race between Arras and Roubaix, northern France, on July 15, 2018. (Photo by Philippe LOPEZ / AFP)        (Photo credit should read PHILIPPE LOPEZ/AFP/Getty Images)
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"Jan Ullrich erstürmt Andorra Arcalis", wird es danach an diesem 15. Juli 1997 heißen. Der Radsport-Kaiser war geboren.

Eben an diesem 15. Juli in den Pyrenäen begann der unwirkliche Hype um das Jahrhunderttalent. Bei seinem Telekom-Kapitän Bjarne Riis und Teamchef Walter Godefroot hatte er sich zuvor noch das Okay für seine Attacke geholt. Und was für eine Attacke das ist! Ullrich lässt seine Konkurrenten wie seinen Kapitän stehen, hat im Ziel 1:08 Minuten Vorsprung auf die Verfolger Marco Pantani und Richard Virenque, 3:23 Minuten auf den schwer geschlagenen Riis.

Ullrich holt Gesamtsieg bei Tour de France

Zwölf Tage später erreicht Ullrich die Avenue des Champs Elysees in Paris schließlich mit einem Vorsprung von 9:09 Minuten auf Virenque. Nicht einmal Lance Armstrong, mit dem sich Ullrich später über Jahre duellierte, hatte je einen solchen Abstand auf den Zweiten. "Es war fast wie 1954, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde", erinnerte sich Reporter-Legende Herbert Watterott in der ARD.

Auch wenn die Umstände des Triumphs längst einen Schatten geworfen haben, auch wenn Ullrich 2006 nach Aufdeckung der Fuentes-Affäre die Tour wie ein geprügelter Hund verlassen musste, infolgedessen im Februar 2007 seine Laufbahn beendete: Für Ullrich bleibt der Gesamtsieg bei der Frankreich-Rundfahrt das prägende Erlebnis seiner Laufbahn, der historische Erfolg definiert auch sein Selbstwertgefühl.

"Ich bin immer noch stolz darauf", sagte er, der in den vergangenen Jahren zumeist Negativ-Schlagzeilen wegen seines selbstzerstörerischen Lebenswandels machte. Radsport-Deutschland aber wird sich an Ullrich als den jungen Helden von Arcalis erinnern.