Ob ihm dieser Beistand willkommen ist?
Tour de France: Skandal-Legende verteidigt Vingegaard - und lästert über Pogacar
Skandal-Legende verteidigt Vingegaard
Nachdem die außerirdisch anmutenden Leistungen von Tour-de-France-Leader Jonas Vingegaard neben viel Ehrfurcht auch Doping-Argwohn ausgelöst haben, bekommt er nun ausgerechnet von Richard Virenque Unterstützung.
Jenem Virenque, der 1998 im Zentrum des riesigen Doping-Skandals um sein Team Festina stand, das die legendäre Radsport-Rundfahrt damals an den Rand des Abbruchs geführt hatte.
„Hätte es die Diskussion auch um Pogacar gegeben?“
Im Gespräch mit dem französischen Radsport-Medium Cyclism Actu äußert sich der frühere Rivale Jan Ullrichs und Lance Armstrongs zu der auch aus dem Inneren der Szene geführten Diskussion, ob Vingegaards Leistungen - speziell sein unglaubliches Zeitfahren und die Performance auf der Königsetappe nach Courchevel - auf sauberem Wege zu erzielen sind.
Der 53-Jährige tut diese Debatte im Wesentlichen als Neidkampagne ab und meint: „Hätte Pogacar diese Leistung vollbracht, hätte es dann auch so viele Verdächtigungen gegeben? Man stellt sich die Frage.“
Dass es auch gegen Pogacar - speziell in seinen Siegerjahren - auch schon Argwohn gab und weiter gibt, lässt Virenque außen vor. Den Klassenunterschied im Zeitfahren - in dem Pogacar auch deutlich besser war als der Rest der Konkurrenz - erklärt Virenque damit, dass Vingegaard in der Disziplin eben „sehr stark“ und „sehr konzentriert“ sei.
Die Konzentration habe er bei Pogacar vermisst: Virenque habe durch Social-Media-Videos den Eindruck gewonnen, dass Pogacar seinen Job womöglich zu leicht genommen hätte: „Er hat mit seinen Teamkollegen den Clown gemacht. Das ist schön anzuschauen. Aber vielleicht ist es das, was ihm zum Sieg gefehlt hat.“
Vingegaard gelobt, sauber zu sein
Vingegaard selbst hatte in den vergangenen Tagen mehrfach versichert, sauber zu sein und erklärt: „Ich kann es mit der Hand auf dem Herzen sagen: Ich nehme nichts und ich werde nichts nehmen, was ich nicht meiner zweijährigen Tochter geben würde.“
Im selben Atemzug äußerte er Verständnis für die Diskussion: „Ich verstehe, dass es schwer ist, dem Radsport zu vertrauen, wenn man bedenkt, was in der Vergangenheit passiert ist.“
Virenque hat dazu nicht wenig beigetragen.
Richard Virenque stand 1998 im Zentrum des Festina-Skandals
Der 1997 hinter Jan Ullrich zweitplatzierte Franzose wurde 1998 mit seinem Festina-Team von der Tour ausgeschlossen, nachdem ein Festina-Masseur bei einer Zollkontrolle mit großen Mengen des Blutbeschleunigers Epo und Steroiden erwischt wurde. Der Skandal weitete sich später auf weitere Teams aus.
Virenque, mit sieben Bergtrikot-Gewinnen Rekordkletterer der Tour, leugnete seine persönliche Verstrickung zwei Jahre lang, drohte mit Verleumdungsklagen und gestand erst 2000 vor Gericht, gedopt zu haben. Nach einer siebenmonatigen Sperre fuhr er erfolgreich weiter.
Der schlechten Ruf, den Virenque und die gesamte Szene sich damals erwarb, drückte sich auch aus in einem TV-Sketch, der gerade wieder in den sozialen Medien die Runde macht: Die Satire-Sendung „Les Guignols de l‘Info“ des französischen Bezahlsenders Canal+ nahm in den früheren Nuller-Jahren Virenque, Armstrong und den früh verstorbenen Marco Pantani aufs Korn und zeigte in einem ironischen Sketch unter anderem, wie Virenque einen Wohnwagen zieht - und wie ein den Tod symbolisierendes Skelett als Konkurrent mitfährt.
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere war er bis 2018 TV-Experte für das französischsprachige Eurosport - ehe er ging, als ihm die Gage gekürzt werden sollte. Virenque war 2006 auch Sieger bei Je suis une célébrité, sortez-moi de là!, der französischen Version des Dschungelcamps.