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Die tragischen Anfänge einer Legende

Eine Tennis-Ikone wird 60

Stefan Edberg ist als einer der besten Tennisspieler seiner Zeit und großer Rivale Boris Beckers in Erinnerung geblieben. Als junger Spieler prägte ihn ein tragischer Vorfall.
Stefan Edberg küsst die Trophäe beim Wimbledon-Finale 1988 gegen seinen Rivalen Boris Becker
Stefan Edberg küsst die Trophäe beim Wimbledon-Finale 1988 gegen seinen Rivalen Boris Becker
© IMAGO/Colorsport
Stefan Edberg ist als einer der besten Tennisspieler seiner Zeit und großer Rivale Boris Beckers in Erinnerung geblieben. Als junger Spieler prägte ihn ein tragischer Vorfall.

Drei Jahre lang machten Boris Becker und er Wimbledon unter sich aus. Er gewann sechs Grand-Slam-Titel, führte sein Land ganze viermal zum Gewinn des Davis Cup – und blieb in Erinnerung als einer der größten Tennisspieler seiner Generation.

Stefan Edberg wird am heutigen Montag 60 Jahre alt. Der Name der schwedischen Legende steht für große Erfolge und denkwürdige Matches. Oft vergessen ist dabei ein tragisches Kapitel, das seine frühe Karriere überschattete.

Edberg, geboren am 19. Januar 1966 in der Hafen- und Touristenstadt Västervik an der schwedischen Ostküste, tat sich schon in jungen Jahren als Ausnahmetalent seines Sports hervor.

Mit 14 wurde der Serve-and-Volleyspezialist erstmals Junioren-Europameister, mit 17 gewann er als bis heute einziger Spieler überhaupt den Grand Slam der Junioren, also alle vier Juniorenkonkurrenzen der Major-Turniere.

Tragisches Ereignis überschattet Karrierebeginn

In Wimbledon besiegte Edberg in Runde 1 seinen späteren Rivalen Becker, bei den US Open vollendete Edberg die historische Errungenschaft. Bei besagtem Turnier kam es allerdings auch zu einer Tragödie, die Edberg zwischenzeitlich bewogen haben soll, seine Karriere frühzeitig zu beenden.

Bei einem Match Edbergs traf der Jungstar mit einem Aufschlag versehentlich den Linienrichter Dick Wertheim in der Leistengegend.

Der 60 Jahre alte Unparteiische fiel deswegen unglücklich aus dem damals für Linienrichter noch üblichen Stuhl, schlug mit dem Kopf auf dem Hartplatzboden auf. Er starb wenige Tage später an den Folgen seiner Verletzungen.

Der tödliche Unall nahm den jungen Edberg – obwohl offensichtlich schuldlos - sichtlich mit, Berichten zufolge dachte er an Rücktritt. Letztlich jedoch ließ der aufstrebende Shootingstar sich nicht von seinem Weg abbringen.

Olympischer Erfolg und Davis-Cup-Triumph

Im Jahr 1984 gewann Edberg das olympische Showturnier in Los Angeles und gewann zusammen mit Mats Wilander, Henrik Sundström und Doppelpartner Anders Jarryd erstmals den Davis Cup mit Schweden.

Wenige Monate später folgte bei den Australian Open 1985 der große Durchbruch: Der 19 Jahre alte Edberg gewann das Turnier nach einer denkwürdigen Fünf-Satz-Schlacht im Halbfinale gegen Ivan Lendl und einem Final-Triumph über Landsmann Wilander.

Am Ende des Jahres rundete ein weiterer Davis-Cup-Sieg Edbergs Breakout-Jahr ab: Im entscheidenden fünften Spiel gegen Deutschland rang er den tragisch früh verstorbenen Michael Westphal nieder.

Wimbledon-Trilogie gegen Boris Becker

In besonderer Erinnerung sind aus deutscher Sicht die Jahre 1988 bis 1990, in denen Edberg dreimal in Folge das Wimbledon-Finale gegen Boris Becker bestritt – einmal mit dem besseren Ende für Becker, zweimal für Edberg. Die berühmte Trilogie lebte auch von den persönlichen Gegensätzen des impulsiven Becker und des introvertierten Edberg.

In seiner 1996 beendeten Karriere gewann Edberg insgesamt 41 Einzeltitel, darunter sechs Major-Trophäen, je zwei in Melbourne (1985, 1987), Wimbledon (1988, 1990) und bei den US Open (1991 und 1992). Insgesamt 72 Wochen lang führte Edberg die ATP-Weltrangliste an und erhielt auch diverse Auszeichnungen für sein Fairplay-Verhalten. 2004 wurde er für seine Verdienste um den Sport in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.

Von Januar 2014 bis Dezember 2015 betrat Edberg als „Supercoach“ des wesensverwandten Roger Federer nochmal auf die größere Bühne. Danach zog er sich wieder weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Der zweifache Familienvater Edberg, der nach seiner Karriere eine Vermögensverwaltung aufbaute, lebt mit seiner langjährigen Ehefrau Annette auf einem Bauernhof in der Nähe der Stadt Växjö.