Hätte es geklappt, wäre er als rotzfreches Genie gefeiert worden - so allerdings ...
Wimbledon: Fokina erklärt sich nach Aufschlag-Fauxpas - "Hatte die Hosen voll"
Tennis-Gespött erklärt sich
Am Ende eines dramatischen, fünf Sätze langen Drittrunden-Duells in Wimbledon hatte sich der Spanier Alejandro Davidovich Fokina am Samstagabend gegen Holger Rune zum Gespött der Tennis-Welt gemacht.
„Mein Gott, das war einer der erschütterndsten Hirnfürze, die ich je auf einem Tennisplatz gesehen habe“, sprach bei Twitter der US-Journalist Ben Rothenberg vielen aus der Seele.
Was war passiert?
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Fokina von allen guten Geistern verlassen
Fokina vergab im fünften Satz des epischen Spiels zwei Matchbälle, der Match-Tiebreak musste die Entscheidung herbeiführen. Auch dort hatte Fokina zwischenzeitlich ein Polster, führte 8:5, nachdem er Rune in einem der spektakulärsten Ballwechsel des Turniers mit einem irrwitzigen Lob auf die Grundlinie geschockt hatte.
Der Däne aber kämpfte sich zurück, es stand 8:8, ehe sich Fokina - schon oft als zwischen Genie und Wahnsinn pendelnd - von allen guten Geistern verlassen zeigte.
Der 24-Jährige entschied sich für einen Trick-Aufschlag, servierte von unten - und es ging komplett in die Hose: Rune erlief sich den Ball, feuerte ihn mit einem Vorhandcross unerreichbar zurück.
Rune ließ sich dann das Match nicht mehr nehmen, gewann letztlich 6:3, 4:6, 3:6, 6:4, 7:6.
Fokina erklärt sich: „Hatte Hosen voll“
Fokina erklärte seinen Fauxpas hinterher wortreich wie kleinlaut: „Ich hatte die Hosen voll. Ich habe gezittert. Das ist eine weitere Lehre, die ich mitnehme. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich tapfer aufgetreten wäre.“
Verständnis bekam der Andalusier immerhin von der spanische Sport-Tageszeitung AS: „Es war ein grausames Finale für Alejandro, einen großartigen Tennisspieler, der manchmal daran scheitert, dass er nur mühevoll mit Druck umgehen kann“
Schon Wimbledon 2022 endete für Fokina kurios
Fans, Experten und anscheinend auch Fokinas Box hatten sich zuvor dagegen völlig entgeistert gezeigt, dass er in einem so kritischen Moment des Spiels eine so riskante Aufschlagvariante wählte. Diverse Kommentatoren merkten an, so etwas noch nie in einer solchen Situation gesehen zu haben.
„Ich kann nicht glauben, was Fokina da beim Stand von 8:8 gemacht hat“, meinte auch Brad Gilbert, der ehemalige Erfolgstrainer von Andre Agassi und Andy Roddick.
Sieger Rune wies derweil im Interview nach dem Spiel darauf hin, dass Fokinas Geistesblitz auch hätte funktionieren könne: „Ich hatte das nicht erwartet und musste schnell vorne sein.“ Generell zeigte sich Rune glücklich, den irren Schlagabtausch überstanden zu haben: „Es war eines der spaßigsten Matches, das ich je gespielt habe“, merkte er unter dem Jubel des Publikums an.
Fokina ist derweil schon zum zweiten Mal in Folge kurios in Wimbledon gescheitert: Im vergangenen Jahr verlor er in Runde 2 gegen den Tschechen Jiri Vesely ebenfalls im Match-Tiebreak - als er wütend den Ball wegschlug, nachdem er sich den Matchball eingehandelt hatte und dafür eine Punktstrafe kassierte. Und auch schon in Runde 1 hätte Fokina fast seinem Sieg gegen Hubert Hurkacz verspielt, als er beim eigenen Matchball einen Trickschlag wagte.
Runes nächster Gegner ist der Sieger des Spiels zwischen dem US-Amerikaner Frances Tiafoe und Grigor Dimitrow aus Bulgarien am Sonntag.