Alexander Zverev lächelte entschlossen, dann holte er sich die Glückwünsche seines starken Gegners am Netz ab: Der Weltranglistendritte kommt auf der Jagd nach seinem ersten Grand-Slam-Titel immer besser in Schwung.
Australian Open: Zverev-Interview nimmt seltsame Wendung
Zverev-Interview nimmt seltsame Wendung
Auf seinem Weg ins Achtelfinale der Australian Open ließ sich Zverev auch vom ersten gesetzten Kontrahenten in diesem Jahr nicht aufhalten. Er schlug den Briten Cameron Norrie dank der bisher besten Turnierleistung mit 7:5, 4:6, 6:3, 6:1. Insgesamt schlug Zverev starke 52 Winner.
„Ich wurde vor eine echte Aufgabe gestellt, ich bin glücklich mit dem Sieg und glücklich, weitergekommen zu sein“, sagte Zverev im launigen Interview nach dem Match. „Ich habe die Vorhand heute gut getroffen. Das ist der Schlag, der mich gewinnen oder verlieren lässt. Wenn ich ihn so treffe und selbstbewusst damit bin, ist das immer sehr wichtig.“
Verrücktes Zverev-Interview nach dem Match
Danach wurde das Interview mit der österreichischen Ex-Spielerin Barbara Schett richtig kurios. Diese wollte von Zverev wissen, ob ihn sein Bruder Mischa, der wie Norrie Linkshänder ist, auf das Match vorbereitet habe. Das verneinte Alexander Zverev, da dieser nicht mehr mit ihm spielen wolle.
Auf Schetts Nachfrage, was der Grund dafür sei, entgegnete Zverev, sie solle den am Rand des Courts sitzenden Mischa Zverev einfach fragen. Schett saß dieser zu weit weg, weshalb Zverev sich ihr Mikro schnappte und zu seinem Bruder rannte. In Richtung von Schett fügte er noch scherzhaft hinzu: „Du bist für heute fertig. Du kannst jetzt heimgehen.“
Unter dem Gelächter des Publikums fragte er seinen Bruder: „Warum hasst du es, mit mir Tennis zu spielen?“ Mischa Zverev antworte: „Weil ich deinen Rhythmus zerstöre. Ich verschlage zu viele Bälle.“ Sein jüngerer Bruder fand, dass das womöglich sogar vom Vorteil wäre, was Mischa Zverev anzweifelte: „Und wenn nicht? Dann ist es meine Schuld.“
Alexander Zverev witzelte daraufhin, dass dieser bei einer Niederlage ohnehin schuld sei, woraufhin sein Bruder zustimmte: „Da hast du recht. Es ist eine Lose-Lose-Situation für mich.“ Das Publikum hatte großen Spaß an dem ungewöhnlichen Interview der Brüder.
Danach holte sich Schett Alexander Zverev aber noch einmal zurück in die Mitte des Courts und erinnerte ihn an eine Wette, die er getätigt hätte. Demnach rasiert sich Zverev die Haare ab, falls er die Australian Open gewinnen sollte. Der Hamburger wollte sich daran zunächst nicht erinnern, sagte dann aber, er mache es, wenn Schett es ebenfalls tut.
Diesen Deal wollte die 49-Jährige nicht annehmen, aber sie würden über das Thema nochmal sprechen - womöglich dürfe Zverev über die Friseur Schetts zumindest mitbestimmen.
Australian Open: Das ist Zverevs nächster Gegner
Vor dem kuriosen Interview verwandelte Zverev auf seinem Lieblingscourt der Anlage im Melbourne Park nach 2:46 Stunden den Matchball mit einem Ass und genoss den Applaus der Zuschauer in der John Cain Arena.
Er zog zum siebten Mal in die Runde der besten 16 in Melbourne ein - seinem bisherigen Co-Rekordhalter Boris Becker gelang das in dessen Karriere nur sechsmal.
In sein Achtelfinalduell mit Francisco Cerúndolo wird der Vorjahresfinalist am Sonntag erneut als Favorit gehen.
Gegen den Argentinier hat Zverev jedoch eine negative Bilanz von 2:3 - die beiden Duelle auf Hartplatz gingen allerdings an den deutschen Topspieler, wenngleich er dabei einmal von einer Aufgabe profitierte.
Knöchel bereitet Zverev wenig Probleme
Kurz nach 19 Uhr Ortszeit hatte Zverev die Arena zuvor mit konzentrierter Miene und dicken Kopfhörern auf den Ohren betreten. Und nach einem ruckeligen Beginn inklusive Break des Briten spielte er einen guten ersten Satz.
Der einzige verbliebene deutsche Profi im Turnier war in den entscheidenden Momenten zur Stelle und zog dem Linkshänder mit einem späten Break den Zahn. Der Knöchel, der beim Zweitrundenerfolg gegen Alexandre Müller aus Frankreich noch gezickt hatte, er schien Zverev diesmal nicht zu beeinflussen.
„Er ist ein super Spieler, kann ein sehr hohes Niveau spielen“, hatte Zverev zuvor gewarnt. Und Norrie gab ihm im Anschluss recht. Zverev ließ in den ersten beiden Sätzen zwar nur zwei Breakbälle zu, doch beide nutzte der einstige Wimbledon-Halbfinalist Norrie. Den zweiten davon zum 1:1-Satz-Ausgleich.
Zverev droht Angstgegner Medvedev
Zverev, der sich eigentlich nicht viel vorzuwerfen hatte, schaffte es also wie schon in den beiden Runden zuvor nicht, ohne Satzverlust durchzukommen. Er ließ sich dadurch aber nicht nervös machen.
Ein schnelles Break brachte ihn im dritten Satz zurück auf Kurs. Es blieb jedoch eine umkämpfte Partie „auf gutem Niveau“, wie Becker am Eurosport-Mikrofon befand.
Ein kleines Kuriosum hatte das Match dann auch noch zu bieten. Immer wieder musste das Spiel kurz unterbrochen werden und Handtücher zum Einsatz kommen - um Vogelkot vom Court zu entfernen.
Zverev nutzte die kleinen Pausen, um sich zu fokussieren und marschierte anschließend durch zum verdienten Sieg.
Sollte Zverev auch sein nächstes Match gewinnen, bahnt sich ein Duell mit seinem Angstgegner Daniil Medvedev im Viertelfinale an. Der Russe überstand am Freitag auch einen 0:2-Rückstand gegen Fabian Marozsan; er ist damit weiter auf „Kollisionskurs“ mit dem Hamburger.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)