Gottfried von Cramm war dabei, der legendäre deutsche Tennis-Baron. Auch Fred Perry, der spätere Grand-Slam-Seriensieger aus England – der seinen Namen später mit einer ikonischen Modemarke verewigte.
Mit seinem Tod verlor das Tennis den Letzten einer legendären Ära
Der Letzte einer legendären Ära
Beim Wimbledon-Turnier 1931 mischten viele prominente Namen mit, an die man sich bis heute erinnert. Am Ende schrieb ein junger Mann aus den USA Geschichte – in mehr als einer Hinsicht.
Sidney Wood, heute vor 17 Jahren im stolzen Alter von 97 Jahren verstorben, war der zweitjüngste Gewinner des Traditionsturniers, ehe ihn ein gewisser Boris Becker 1985 um einen Platz nach hinten schob.
Die Umstände, unter denen Wood damals gewann, sind jedoch eine Kuriosität, die bis heute einmalig sind.
Der jüngste Wimbledon-Teilnehmer überhaupt
Wood, geboren am 1. November 1911 in der Stadt Black Rock in Connecticut, feierte schon an seinem 14. Geburtstag im Jahr 1925 einen großen Tennis-Durchbruch: Er gewann das Turnier der Arizona State University, mit dem er die Startberechtigung für die French Open (damals: French Championship) und für Wimbledon erwarb.
Im Jahr 1927 löste der damals 15-Jährige das Wimbledon-Ticket ein: Er verlor in drei Sätzen gegen René Lacoste – noch eine Tennis- und Modeikone -, blieb aber in Erinnerung als jüngster männlicher Teilnehmer überhaupt.
Aus dem jungen Top-Talent entwickelte sich ein Topspieler der dreißiger Jahre, der 1931 – wiederum in Wimbledon – seine Krönung erfuhr. Allerdings eine Krönung mit Beigeschmack.
Sidney Wood gewann Wimbledon-Finale 1931 kampflos
Mit einem Halbfinalsieg über den späteren Dreimal-Champion Perry zog Wood damals ins Endspiel im All England Club ein. Es fand allerdings nie statt: Gegner und Landsmann konnte das Match wegen einer Knöchelverletzung nicht bestreiten.
Wood wurde zum ersten und einzigen Spieler der Geschichte, der ein Wimbledon-Finale kampflos gewann. Wood ärgerte sich über die Fußnote seines größten Triumphs: „Frank hatte spielen wollen, aber er durfte nicht. Es war eine Beleidigung Wimbledons und der Zuschauer“, sagte er später. Wood war vom Davis-Cup-Komitee seines Landes zum Rückzug gedrängt worden – und hatte nachgegeben.
Der kampflose Wimbledon-Sieg blieb Woods einziger Major-Erfolg. 1935 erreichte er noch das Finale der US Open, unterlag dort aber Wilmer Allison.
Emotionaler Moment zum Jahrtausendwechsel
Nach seiner Karriere machte sich Wood als Tüftler einen Namen. Er entwickelte einen synthetischen Belag für Indoor-Hallen, der in den Siebzigern bei diversen US-Großturnieren verwendet wurde.
1964 wurde er in die Hall of Fame des Tennis berufen und im Jahr 2000 führte er in Wimbledon die Parade der Champions zum Jahrtausendwechsel an, als damals ältester noch lebender Sieger.
Wood, Vater von vier Kindern – eines kam 1961 bei einem Autounfall ums Leben -, starb am 10. Januar 2009. Er war der letzte Vertreter einer mythischen Ära mit Perry, „Big“ Bill Tilden, den vier Musketieren (Lacoste, Henri Cochet, Jean Borotra, Jacques Brugnon) und Suzanne Lenglen, dem früh verstorbenen ersten weiblichen Tennis-Weltstar.