Jannik Sinner konnte nicht mehr. Der große Turnierfavorit der French Open wankte bedenklich auf dem Court Philippe-Chatrier, geschüttelt von schweren körperlichen Problemen in der gnadenlosen Hitze.
French Open: Hitze-Drama! Sinner-Sensation perfekt
Hitze-Drama! Sinner-Sensation perfekt
„Mir ist sehr schwindelig“, sagte der Weltranglistenerste aus Südtirol, der wenig später seinen großen Traum vom ersten Titelgewinn in Paris schon in der zweiten Runde aufgeben musste – für Alexander Zverev verändert sich damit alles.
Sinners unglaubliche Serie endet krachend
Sinner schleppte sich lange nur noch über den Platz und verlor sein Duell gegen den Argentinier Juan Manuel Cerúndolo schließlich mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6. Damit endete seine Serie von 30 Siegen in Folge so unerwartet wie krachend.
„Ich habe mich schon nicht wohl gefühlt, als ich heute Morgen aufgewacht bin. Ich habe versucht die Punkte kurzzuhalten und habe die Bälle gut getroffen. Aber dann bin ich gegen eine Wand gelaufen“, sagte Sinner eine Stunde nach seinem Schock-Aus: „Ich hatte keine Energie mehr. Es war ein schwerer Moment, aber das ist Sport.“ Natürlich sei der K.o. für ihn schwer zu akzeptieren, „vor allem in der Position, in der ich war.“
„Niemand ist ein Roboter. Niemand ist so gebaut, dass er niemals versagt. Heute ist es nun mal so gelaufen“, fuhr Sinner fort: „Ich habe einfach keinen Ausweg gesehen, was mir normalerweise nicht passiert. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so schwach gefühlt habe.“
Becker reagiert auf Sinner-K.o.
Der sechsmalige Grand-Slam-Champion Boris Becker sagte bei Eurosport: „Das hatte keiner auf dem Zettel. Das ist die Sensation, vielleicht sogar die des Jahres. (…) Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.“
Zverev, der zum Zeitpunkt von Sinners Match ursprünglich eine Einheit auf dem Trainingsgelände Jean Bouin eingeplant hatte, ist damit plötzlich der höchstgesetzte Spieler im Turnier und hat eine Riesenchance auf seinen ersten Grand-Slam-Triumph.
Schlägt jetzt Zverevs Stunde?
„Dritte Runde – ich hoffe, wir haben noch vier vor uns“, hatte Zverev am Abend zuvor gesagt, als ihm nach seinem phasenweise glänzenden 6:4, 6:2, 6:2-Sieg gegen den zum Ende angeschlagenen Tschechen Tomas Machac ein kleiner Anstecker von den Veranstaltern überreicht worden war. Sein Glaube daran, aus Paris auch den Siegerpokal mitbringen zu können, dürfte durch Sinners dramatisches Aus massiv gewachsen sein.
Jan-Lennard Struff schied am Donnerstag unterdessen mit einem 5:7, 6:7 (1:7), 2:6 gegen den portugiesischen Qualifikanten Jaime Faria aus.
Ratlosigkeit in Sinners Box
Grand-Slam-Tennis kann brutal sein, das erlebte Sinner im ersten Match des Tages auf dem Hauptplatz auf schmerzlichste Weise. Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder bei hohen Temperaturen mit seinem Körper zu kämpfen gehabt. Gegen Cerúndolo sah es bei 33 Grad im Schatten zunächst lange so aus, als würden diese Sinner diesmal nichts anhaben können. Doch plötzlich, beim Stand von 5:1 im dritten Satz, ging dann nichts mehr.
In Sinners Box herrschte Ratlosigkeit, im vierten Satz musste sich der Italiener beinahe auf dem Court übergeben. Immer wieder stützte er sich zudem auf seinem Schläger ab und versuchte, Rat in seiner Box einzuholen.
Es half nichts: Nach drei Stunden war auch der vierte Satz verloren. Auch danach hoffte Sinner, der mit dem Ziel Vollendung des Karriere-Slams ins Turnier gegangen ist, weiter unverdrossen auf Besserung. Doch die trat nicht ein.
French Open: Plötzlich ist Zverev der große Favorit
Zverev, der in dieser Saison immer wieder deutlich von Sinner ausgebremst worden war, hatte tags zuvor völlig problemlos seine zweite Aufgabe gemeistert. „Ich bin zufrieden, wo ich gerade stehe und muss an mein Spiel glauben“, sagte der 29-Jährige nach dem nächsten Signal an die Konkurrenz – und ahnte natürlich nicht, was da kommen würde.
Nun trifft er am Freitag auf den Franzosen Quentin Halys – und das urplötzlich als Favorit auf den Titelgewinn am Eiffelturm.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)