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Über 100 Mio. für Bayern-Flop Sanches?

Über 100 Mio. für Bayern-Flop Sanches?

Die FIFA legt einen Transfermarkt-Report für das vergangene Jahrzehnt vor. Es handelt sich um astronomische Zahlen, die eine klare Richtung vorgeben.
Trotz der Corona Pandemie sind die europäischen Topklubs mit großen Summen auf dem Transfermarkt tätig. Ist das moralisch vertretbar?
Lukas von Hoyer
von Lukas von Hoyer
am 1. Sept

Es ist ein spektakulärer Transfer-Sommer, der mit dem Deadline-Day am Dienstag sein Ende nahm. (NEWS: Alles zum Transfermarkt im SPORT1-Transferticker)

Die FIFA nutzt den Moment, um auf die vergangenen zehn Jahre auf dem Transfermarkt zurückzublicken.

In einem Transfer-Report hat der Fußball-Weltverband auf fast 100 Seiten alle Zahlen rund um die irre Entwicklung im modernen Profi-Fußball zusammengefasst.

Der Transferschluss mitten in der Saison stößt auf viele unterschiedliche Meinungen. Macht der Deadline Day zu diesem Zeitpunkt Sinn?
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"Vor Saisonstart sollte das Transferfenster geschlossen sein"

Das Ergebnis: astronomische Zahlen, die eine oder andere Überraschung und für Fußball-Romantiker ein flaues Gefühl im Magen.

Fast 50 Milliarden US-Dollar flossen in Spieler-Transfers

Die erste atemberaubende Zahl: Fast 50 Milliarden US-Dollar (48,5) flossen laut der FIFA von 2011 bis 2020 in Transfersummen. Das Maximum wurde im Jahr 2019 erreicht, als 7,35 Milliarden Dollar umgesetzt wurden. 8.264 Klubs aus der ganzen Welt waren an diesen Summen beteiligt, insgesamt kam es zu 133.225 Transfers.

Der komplette Report der FIFA beruht auf den Daten des Transfer Matching Systems (TMS) der FIFA, bei dem alle Transfers offiziell registriert werden. Eingeführt wurde das System im Oktober 2020.

Vor zehn Jahren wurden demnach noch 2,85 Milliarden US-Dollar in einem Jahr ausgegeben. Die Summe nahm kontinuierlich zu, bis sie im Jahr 2020 etwas durch die Corona-Pandemie ausgebremst wurde. 5,63 Milliarden Dollar ist aber noch immer eine stolze Zahl. Wie das Transferfenster im Sommer 2021 zeigte, ist von Demut ohnehin wenig zu spüren. Eine Steigerung in den nächsten Jahren ist vielmehr zu erwarten.

66.789 Spieler waren im von der FIFA betrachteten Zeitraum an den Transfers im Profi-Fußball beteiligt. Beeindruckend: 15.128 der Akteure sind Brasilianer - mit Abstand Platz eins auf der Liste der Nationalitäten. Auf Rang zwei folgt Brasiliens Nachbarland Argentinien mit 7.444 Akteuren, die an Transfers beteiligt waren. Briten (5.523) und Franzosen (5.027) folgen. 1.916 deutsche Spieler waren Anlass für Transfers im Profi-Fußball.

Die atemberaubenden Rekordtransfers

Nachdem am Deadline-Day ein Transfer von Kylian Mbappé zu Real Madrid platzte, wurde auch die Ablösesumme-Grenze von 200 Millionen zumindest vorerst nicht wieder geknackt. Das geschah bislang nur einmal im Profi-Fußball: als Neymar im Jahr 2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain wechselte.

Im letzten Jahrzehnt sorgten noch deutlich mehr Transfers für Aufsehen. Auf den Rängen dahinter finden sich beispielsweise Eden Hazard, der für 115 Millionen Euro vom FC Chelsea zu Real Madrid wechselte, Philippe Coutinho (für 135 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Barcelona) und Ousmane Dembélé (ebenfalls für 135 Millionen Euro von Borussia Dortmund zu Barca).

Renato Sanches zum FC Bayern für über 100 Millionen?

Die FIFA zählt insgesamt 14 Transfers auf, bei denen mehr als 100 Millionen US-Dollar an Ablöse geflossen sind. Dazu gehören auch der Wechsel von Kai Havertz im Sommer 2020 und der Transfer von Renato Sanches von Benfica Lissabon zum FC Bayern im Jahr 2016.

Das verwirrt im ersten Moment, da die Bayern für den Portugiesen nur rund 35 Millionen Euro gezahlt haben sollen - und Chelsea für Havertz 80 Millionen Euro.

Der Grund liegt darin, dass von der FIFA sowohl fixe Beträge als auch Summen, die nur unter bestimmten Bedingungen fällig werden (wie etwa erfolgsabhängige Boni), erfasst werden. Dadurch wirken die Zahlen etwas verfälscht.

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Deutschland auf Rang vier

Im Report sind auch Zahlungen an Berater und Vermittler enthalten, welche seit Jahren für große Diskussionen im Profi-Fußball sorgen.

Die Provisionen überstiegen im vergangenen Jahrzehnt deutlich die Grenze von einer Milliarden - es wurden sogar 3,5 Milliarden US-Dollar gezahlt. Im Jahr 2011 lag dieser Wert noch bei 131,1 Millionen US-Dollar, vor zwei Jahren erreichte er ein Rekord-Hoch von 640,5 Millionen Dollar.

Interessant ist auch der Blick auf die einzelnen Länder. Die deutschen Profi-Klubs gaben im vergangenen Jahrzehnt rund 4,35 Milliarden US-Dollar für Spieler aus. Das ist der vierthöchste Wert hinter Italien (rund 5,5 Milliarden US-Dollar), Spanien (etwa 6,7 Milliarden) und England mit rund 12,4 Milliarden US-Dollar.

Im Gegenzug nahmen deutsche Klubs etwas mehr als 3,42 Milliarden US-Dollar ein - ein Minus von mehr als 900 Millionen Dollar.