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Wie Doncic mit seinem Ex-Coach brach

Wie Doncic mit seinem Ex-Coach brach

Drei Jahre lang war Rick Carlisle der Coach von Luka Doncic bei den Dallas Mavericks. Große Zuneigung konnte der Meistercoach von Dirk Nowitzki bei seinem Star aber nicht wecken - ganz im Gegenteil.
Bei der knappen 118-121 Niederlage der Dallas Mavericks gegen die Portland Trail Blazers hat Superstar Luka Doncic einen Rekord von Dirk Nowitzki gebrochen.
Manuel Habermeier
Manuel Habermeier
von Manuel Habermeier

„Er hat eine Meisterschaft nach Dallas gebracht und jeder respektiert ihn!“

Mit diesen Worten bedachte Luka Doncic seinen Ex-Trainer Rick Carlisle nach einem Sieg in Memphis am 8. Dezember. Drei Tage später ging es für die Dallas Mavericks zu den Indiana Pacers, wo der ehemalige Mavs-Meistercoach nun an der Seitenlinie die Verantwortung hat.

Allerdings kam es nicht zum Wiedersehen der früheren Weggefährten, da der Headcoach tags zuvor positiv auf Corona getestet wurde und sich deshalb in Isolation begeben musste. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)

Insgeheim dürfte Doncic dem verpassten Aufeinandertreffen keine Träne nachgeweint haben. Zu weit hatte sich der Slowene in der dreijährigen Zusammenarbeit von seinem Ex-Coach entfernt.

Start von Luka Doncic unter schlechten Vorzeichen

Schon der Start des neuen Mavs-Superstars stand unter keinem guten Stern. Nachdem sich das Team um Dirk Nowitzki im Draft 2018 an Position drei für den 19-Jährigen von Real Madrid entschieden hatte, hatte sich dieser in Dallas schnell mit Dennis Smith jr. angefreundet.

Die beiden wurden unzertrennlich und zierten auch gemeinsam Plakatwände im Großraum Dallas, um für die Heimspiele der Mavericks zu werben. Allerdings plante Carlisle von Beginn an, das Duo auseinanderzureißen, wie Insider, die in den Vorgang involviert waren, ESPN bestätigten.

Dennis Smith Jr. (Bild) kam ein Jahr vor Luka Doncic zu den Dallas Mavericks
Dennis Smith Jr. (Bild) kam ein Jahr vor Luka Doncic zu den Dallas Mavericks

Der Grund dafür: Die Mavs sahen in Doncic den Ballverteiler der Zukunft, der sein Potenzial nur ausschöpfen könnte, wenn er die unumstrittene Nummer eins auf dieser Position wäre.

Dazu bezweifelte der Meistercoach von 2011, dass Smith ein guter NBA-Spieler werden könne - vor allem sein Sprungwurf wurde als zu schwach angesehen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)

Doncic und Carlisle: Es passt einfach nicht

Sportlich kann man diese Einschätzung akzeptieren. Allerdings hat sich Carlisle dem Vernehmen nach fragwürdiger Methoden bedient, um diese Entscheidung durchzusetzen.

So soll er während einer Mannschaftssitzung Smith beschuldigt haben, eifersüchtig auf Doncic zu sein. Die Spieler empfanden dies laut Aussage mehrerer Akteure als unfair, da sich Smith redlich bemühte, mit Doncic zusammenzuspielen.

Die Beziehung zwischen Doncic und Carlisle soll dieser Vorfall nachhaltig beschädigt haben. Der Slowene empfand es als Versuch, ihn gegen seinen Freund und Teamkollegen auszuspielen. Es wurde der Anfang vom Ende der Beziehung zwischen Doncic und Carlisle.

Auch einen anderen engen Vertrauten von Doncic hatte der Coach gekränkt. Der ehemalige Mavs-Center Salah Mejri wurde im Januar 2018 im Spiel gegen die Washington Wizards mit zwei schnellen technischen Fouls rausgeworfen.

Statt seinen Spieler jedoch zu verteidigen, schrie ihm Carlisle entgegen: „Du hast zwei verdammte Punkte! Verpiss dich von hier!“

Zwar entschuldigte er sich später für dieses Verhalten, das zudem vor der Ankunft von Doncic in Dallas stattfand. Mejri und Doncic kannten sich jedoch aus einer gemeinsamen Zeit bei Real Madrid. Dort wurde der Center in Doncics Rookiesaison zu einer Art großer Bruder.

Nowitzki-Meistercoach eckt mit seiner Art an

Das Problem: Zwar erklärte der Coach im Nachhinein, dass er in dieser Situation „emotional, unangebracht und unprofessionell“ gehandelt habe. Mannschaftsangehörige sahen das Verhalten jedoch nicht als untypisch für Carlisle.

Zudem bestätigten zahlreiche Mavericks-Mitarbeiter im Trainerstab und andere Angestellte bei ESPN, dass sie sich vom Verhalten des Headcoachs eingeschüchtert und respektlos behandelt fühlten, da er sehr aggressiv und fordernd sein könne.

Zu Doncic versuchte der Trainerroutinier jedoch von Beginn an, eine gute Beziehung aufzubauen. Um die Bedeutung des angehenden Superstars für die Dallas Mavericks wusste er früh.

Rick Carlisle ist seit 11 Jahren Trainer bei den Dallas Mavericks. Im Interview schwärmt er von Superstar Dirk Nowitzki.
05:20
Hört Nowitzki jetzt auf? Das sagt sein Coach

So verteidigte er Doncic unter anderem, als dieser mit etwa 118 Kilogramm Körpergewicht nach der Sommerpause in das Trainingslager kam und machte den durch die Pandemie durcheinandergewirbelten Spielplan verantwortlich. Durch den früheren Start sei es zu Problemen in der Off-Season-Vorbereitung gekommen.

Aber zu diesem Zeitpunkt war es schon zum Bruch zwischen Doncic und Carlisle gekommen. „Es ging nicht wirklich darum, wie Rick (Carlisle, Anm. d. Red.) Luka (Doncic, Anm. d. Red.) behandelt hat. Luka hasste es, wie Rick andere Leute behandelt hat“, erklärte ein Spieler der Mavericks aus der Saison 2018/19 die Situation.

Doncic äußert sich nie negativ in der Öffentlichkeit

Hoch anzurechnen ist dem Slowenen, dass er sich öffentlich nie negativ über seinen Coach äußerte. „Wenn wir reden, reden wir. Es wird nicht in den Medien sein“, sagte Doncic nach einer knappen Niederlage in Milwaukee in der vergangenen Saison. (DATEN: Alle Tabellen der NBA)

Aber auf dem Platz ließ er seinen Gefühlen bisweilen freien Lauf. Zu Beginn der Saison 2020/21 brüllte er dem Headcoach, der ihn vom Feld genommen hatte, auf dem Weg zur Bank zu: „Wer hat das Sagen - du oder Bob (Haralabos Voulgaris, ehemaliger Mavs-Funktionär; Anm. d. Red.)?“ Damit stellte er Carlisles Autorität öffentlich in Frage.

Im ersten Playoff-Spiel der vergangenen Saison sollte Doncic nach drei Fouls vom Feld - die Gesten des Superstars, der auf dem Parkett bleiben wollte, ignorierte der Coach geflissentlich.

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00:31
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Erneut bellte er Carlisle auf dem Weg zur Bank an und ballte die Finger zusammen, als wenn er etwas zerdrücken wollte. Auf der Bank wetterte er noch weiter in Richtung des Trainers. Bezeichnend: Auf der Mavs-Bank reagierte niemand auf die Beschimpfung. Zu sehr hatten sich Spieler und Staff schon daran gewöhnt.

Carlisle selbst versuchte, das Geschehene mit Humor wegzulächeln. Er habe ein selektives Gehör, dass es ihm erlaube, Doncics Brüllereien während der Spiele nicht mehr zu hören.

Ein Bruch, der nicht mehr zu kitten ist

So kam es zu der paradoxen Situation, dass Doncic unter Carlisle sportlich immer mehr aufblühte und zum Rookie des Jahres gewählt wurde, sowie noch vor seinem 23. Geburtstag zwei All-Star-Nominierungen bekam - das gelang zuvor nur Kevin Durant.

Zwischenmenschlich wurde die Situation aber immer unerträglicher. Im Sommer wollte Carlisle noch nach Slowenien reisen, wo sich Doncic mit der Nationalmannschaft auf die Olympia-Qualifikation vorbereitete. Auf Doncics Wunsch jedoch wurde das Treffen abgesagt.

Zwar forderte der Mavs-Superstar nie die Ablösung des Trainers - ein Privileg, das sich schon mehrere Superstars in der NBA herausgenommen haben - aber Carlisle erkannte auch selbst die Zeichen der Zeit und verabschiedete sich freiwillig.

„Es war ein Privileg, drei Jahre lang Zeuge von Lukas Genialität zu sein. Er macht und wird auch weiterhin jede Nacht erstaunliche Dinge tun“, verabschiedete er sich, wie er drei Jahre lang gehandelt hatte: mit warmen Worten für den Spieler, den er mit seiner Art immer weiter von sich weggestoßen hatte.

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