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NBA: Immer mehr Offensivspektakel! Kann die Liga keine Defense mehr?

Kann die NBA keine Defense mehr?

In der NBA geht es in die heiße Playoff-Phase und die Fans dürfen sich auf ordentlich Offensivspektakel freuen - zumindest, wenn es wie in der Regular Season läuft. In keinem Spiel hat dort ein Team weniger als 80 Punkte erzielt.
Erst kürzlich wurde Steph Curry von der Sports Illustrated zum Sportler des Jahres gekürt, nun wird die Echtheit seiner Würfe während der viralen Dankesrede angezweifelt.
Manuel Habermeier
In der NBA geht es in die heiße Playoff-Phase und die Fans dürfen sich auf ordentlich Offensivspektakel freuen - zumindest, wenn es wie in der Regular Season läuft. In keinem Spiel hat dort ein Team weniger als 80 Punkte erzielt.

Zählt in der NBA nur noch das Offensivspektakel?

Wirft man einen Blick auf die zurückliegende Regular Season, könnte man zu dem Ergebnis kommen. Oder noch schlimmer: Vielleicht kann die NBA gar keine Defense mehr.

Erstmals seit der Saison 1969/70 erzielte kein einziges Team weniger als 80 Punkte in einem Spiel. Am nächsten dran, waren die Portland Trail Blazers. Diesen gelang in Woche 24 das Kunststück bei der Niederlage gegen die Sacramento Kings, genau 80 Punkte auf die Anzeigentafel zu bringen.

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Luka Doncic‘ Aussage scheint sich also zu bewahrheiten. „Es ist einfacher, in der NBA zu punkten als in Europa“, stellte der mittlerweile zum Superstar avancierte Slowene in seiner Rookie-Saison fest. Zwar gebe es in der NBA beeindruckende Defensivspieler, „aber die Mannschaftsverteidigung in Europa ist offensichtlich beeindruckender“.

Damit greift der Star der Dallas Mavericks eine alte Vorstellung auf, dass in Europa Team-Basketball gespielt wird, während in der NBA vor allem der einzelne Spieler im Vordergrund steht.

Aber diese Erklärung für die offensive Explosion der vergangenen Jahre würde nicht nur zu kurz greifen, sie wäre auch schlichtweg falsch.

Die NBA will mehr Spektakel

Vielmehr ist das aktuelle Offensivspektakel auf eine bewusste Entscheidung der Liga selbst zurückzuführen. „Ich habe 2003 im NBA-Finale gespielt, also vor 20 Jahren in diesem Juni, und die Endergebnisse waren 72-65, und es war hässlich“, erinnerte sich Steve Kerr, Trainer der Golden State Warriors, vor wenigen Wochen an seine eigene Zeit als Spieler. Die Liga habe auf diese Phase reagiert und durch Regeländerungen für mehr Freiheit auf dem Court gesorgt.

Eine wichtige Veränderung war die zur Saison 2004/05 eingeführte Hand-Check-Regel. Während es dem Verteidiger zuvor erlaubt war, seine Hände auf den Offensivspieler zu legen, wurde dies nun verboten - außer in Korbnähe. In der Folge bekamen Spieler, die außerhalb der Zone agierten, mehr Raum - den sie zu nutzen wissen.

Gerade Kerrs Warriors sind das beste Beispiel dafür. Ein Steph Curry kann von so ziemlich jedem Punkt in der gegnerischen Hälfte den Wurf suchen. Durch die Hand-Check-Regel ist er dabei kaum noch zu verteidigen, selbst wenn er gedoppelt wird. Damit hat der 35-Jährige eine Revolution in der NBA eingeleitet.

Im Gegensatz zu früher ist der Dreier nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. In der abgelaufenen Regular Season nahmen die Warriors die meisten Dreier pro Spiel - 43,2. Am Ende der Liste stehen die Chicago Bulls, die 28,9 Versuche pro Spiel von jenseits der Linie unternahmen.

Jaylen Brown: „Verteidigung wird eine verlorene Kunst.“

In der Spielzeit 2003/04, bevor die Hand-Check-Regel eingeführt wurde, waren die Seattle SuperSonics die Dreier-Könige mit 23,6 Versuchen - über fünf Würfe weniger als das schlechteste Team in dieser Saison. Die Utah Jazz unternahmen sogar nur 9,6 Versuche - ein fast schon lächerlich geringer Wert aus heutiger Sicht. Zwar war der Wert nach dieser Regeländerung nicht sprunghaft angestiegen, die Entwicklung hatte dort jedoch ihren Ausgangspunkt.

„Die NBA hat die Regeln wirklich auf den Offensivspieler ausgerichtet. Sie sehen wie die Offensivspieler in so vielen verschiedenen Situationen Vorteile erlangen“, stellte Kerr daher fest und fügt hinzu: „Ich denke, es ist fast unmöglich geworden, in vielen Fällen in der Verteidigung zu spielen.“

Mit dieser Meinung steht der 57-Jährige nicht allein da. „Wegen der Regeln können die Verteidiger nicht physisch spielen, um Stopps zu bekommen, oder es ist jetzt ein Foul“, erklärte Chauncey Billups, Headcoach der Portland Trail Blazers, während der Saison. Jaylen Brown, Forward der Boston Celtics, ging sogar noch weiter: „Leider wird die Verteidigung eine verlorene Kunst.“

Die Spieler werden immer besser

Doch auch hier liegt nur ein Teil der Wahrheit. Eine maßgebliche Rolle spielen die zunehmenden Fähigkeiten der Spieler gepaart mit noch mehr Athletik. Selbst die sogenannten Big Man stehen heute nicht mehr nur unter dem Korb, sondern sind auf dem kompletten Spielfeld zu finden. Shaquille O‘Neal, einer der größten Center aller Zeiten, warf in seiner kompletten Karriere einen (!) erfolgreichen Dreier - am 16. Februar 1996 im Trikot der Orlando Magic gegen die Milwaukee Bucks.

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Nikola Jokic, MVP der vergangenen zwei Jahre und erneut für den Titel nominiert, kommt auf drei Dreierversuche pro Spiel, wobei der Center der Denver Nuggets eine Trefferquote von 34,8 Prozent aufweist.

Diese Fähigkeiten erlauben es den Spielern, Angriffe schneller abzuschließen, weswegen es generell zu mehr Offensivaktionen pro Spiel kommt, und mehr Angriffe bedeuten zwangsläufig auch mehr Punkte.

Alles in allem kann man den NBA-Spielern also nicht vorwerfen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, zu verteidigen. Vielmehr sind die Ergebnisse das Produkt der heutigen NBA, die immer mehr auf Spektakel setzt.

Eine aussterbende Kunst, wie von Brown befürchtet, wird die Verteidigung jedoch nicht werden.

Allerdings muss diese sich ebenfalls neu erfinden - am besten schon in den bevorstehenden Playoffs, will man um den Titel mitspielen.