Er sitzt da. Ganz allein. In sich gekehrt. Und spricht mit sich selbst.
Super Bowl 2017: Chris Hogan von New England Patriots im Interview
SPORT1 trifft Super-Bowl-Helden
Bei all dem Trubel nach dem sensationellen 34:28-Comebacksieg der New England Patriots gegen die Atlanta Falcons im Super Bowl LI in Houston ist er auf seinem Stuhl in der Umkleidekabine der Pats kaum zu verstehen.
Vorne übergebeugt sitzt Chris Hogan auch eine halbe Stunde nach dem finalen Overtime-Touchdown durch James White einfach nur da und murmelt vor sich hin.
"Bitte weckt mich nicht auf. Weckt mich einfach nicht auf. Oder vielleicht doch. Weckt mich auf, damit ich verstehe, dass es kein Traum ist. Nein quatsch. Ich will das der Traum noch ganz lange weitergeht."
Daneben lässt es Teamkollege Danny Amendola richtig krachen, schreit Freude raus und seinen guten Kumpel Hogan an. "Baby, jetzt wird so richtig gefeiert. Das wird der Wahnsinn heute."
Das scheint Hogan endlich ein wenig aus seiner Traum-Dauerschleife zu holen, und SPORT1 hat kurz die Möglichkeit, mit Hogan über seine Cinderella-Saison und das verrückteste Comeback der Super-Bowl-Geschichte zu sprechen.
SPORT1: Mr. Hogan, haben Sie so ein verrücktes Spiel schon mal erlebt?
Chris Hogan: Nein noch nie. Aber diese Mannschaft hat über die gesamte Saison nie aufgegeben, egal welche Rückschläge sie hinnehmen musste. Selbst als wir mit 3:21 hinten lagen wussten wir, dass wir noch nicht aus dem Rennen sind. Wir haben zu uns gesagt: 'Lasst uns einfach unseren Job machen, dann wird das eine wirklich verrückte Geschichte'.
SPORT1: Sie haben zu keinem Zeitpunkt zumindest mal kurz gezweifelt?
Hogan: Nein, gar nicht. Ich habe immer an den Sieg geglaubt, da wir ein großartiges Team sind.
SPORT1: Wie war die Stimmung zur Halbzeit in der Kabine?
Hogan: Wir waren alle ganz ruhig. Tom (Brady, Anm. d. Red.) hat uns an unsere Stärken erinnert und dass wir keine verrückten Sachen machen müssen. Tom ist einfach ein unglaublicher Spieler. Er hat zu keinem Zeitpunkt im Spiel sein Selbstvertrauen verloren.
SPORT1: Als Sie hier gerade allein auf dem Stuhl saßen, waren Sie sich nicht ganz sicher, ob Sie jemand aufwecken soll oder nicht. Was darf es denn jetzt sein, träumen oder wach sein?
Hogan: Ich will weiter träumen, auf jeden Fall. Das mit dem Aufwecken darf ruhig noch etwas dauern. Hoffentlich dauert der Traum mein ganzes Leben.
SPORT1: Ihr Kumpel Danny Amendola hat bereits eine Super-Bowl-Feier hinter sich. Nimmt er Sie unter seine Party-Fittiche?
Hogan: Hoffentlich, aber ich denke mit diesem Team kann nicht viel schiefgehen. Ich freue mich, mit diesen Jungs zu feiern.
SPORT1: Einer der Schlüsselmomente in diesem verrückten Spiel war der Catch von Julian Edelman. Wie haben Sie diese Szene erlebt?
Hogan: Ich hatte auf dem Feld einen sehr guten Blick auf die Szene. Ich war mir sofort sicher, dass er den Ball gefangen hat. Julian ist unser Go-to-Receiver, deswegen habe ich mir auch keine Sorgen gemacht, als der Catch noch einmal von der Schiedsrichter-Crew überprüft wurde. Solche Aktionen sind bei ihm keine Seltenheit.
SPORT1: Vor dem Super Bowl habe ich mit Danny Amendola über Sie gesprochen. Er meinte, Ihre einzige Schwäche, ist ihr grauenhafter Haarschnitt und Sie müssen schnell was dagegen tun...
Hogan (lacht): Der Kerl ist doch nur neidisch auf meine Frisur. Wenn ihm das so wichtig ist, dann kann ich ihm gerne einen neuen Haarschnitt verpassen.