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NFL: Eine Genugtuung der besonderen Art

Eine Genugtuung der besonderen Art

Vor einem Jahr entlassen die Rams Receiver Cooper Kupp. Mit den Seahawks wirft er nun ausgerechnet sein Ex-Team aus den NFL-Playoffs.
Im Duell zwischen den Seattle Seahawks und den Los Angeles Rams wird das letzte Super-Bowl-Ticket vergeben. Das NFC Championship Game wird zum spektakulären Schlagabtausch.
Vor einem Jahr entlassen die Rams Receiver Cooper Kupp. Mit den Seahawks wirft er nun ausgerechnet sein Ex-Team aus den NFL-Playoffs.

„Ich dachte eigentlich, dass es hier in L.A. beginnen und auch enden würde. Ich bin nicht einverstanden mit der Entscheidung. Aber wenn ich eins in meiner Zeit in der NFL gelernt habe, dann, dass manche Dinge nicht in meiner Kontrolle liegen. Vielmehr geht es darum, wie man damit umgeht.“

Knapp ein Jahr ist es her, es war der 4. Februar 2025, als Cooper Kupp jene Worte in den sozialen Netzwerken veröffentlichte – verbunden mit einem Video seiner besten Momente aus seiner Zeit bei den Los Angeles Rams.

Im NFL Draft 2017 hatte die Franchise den Wide Receiver in der dritten Runde an Position 69 ausgewählt. Mit einer Karriere bei nur einem NFL-Team wurde es aber nichts, obwohl alles so vielversprechend aussah.

Cooper Kupp: Triple-Crown und Super-Bowl-Sieger

Kupp galt als einer der stärksten Passempfänger in der besten Football-Liga der Welt – mit dem maximalen Erfolg. Im Februar 2022 gewann er mit den Rams das Endspiel der NFL. 23:20 schlug die Franchise aus L.A. die Cincinnati Bengals, Kupp wurde dabei zum Most Valuable Player des Super Bowls gewählt.

Doch damit nicht genug: In jener Saison sicherte er sich auch die sogenannte Triple Crown. Eine nicht allzu häufige Auszeichnung für einen Receiver, dem es gelingt, in einer Saison die Liga in Sachen Receptions, Receiving Yards und Receiving Touchdowns anzuführen.

Super-Bowl-Sieg, MVP und Triple Crown – mehr geht in der Karriere eines NFL-Receivers eigentlich nicht.

Rams wollten Kupp nicht mehr haben

Drei Jahre später war von den glorreichen Zeiten aber kaum noch etwas mehr zu spüren. Hinter Puka Nacua fiel Kupp in der Vorsaison auf den Posten des zweiten Receivers zurück, dazu kam sein hochdotierter Vertrag. Weil ein Trade zu einem anderen Team fehlschlug, wurde er letztlich entlassen.

Doch das Kapitel NFL war für den inzwischen 32-Jährigen deshalb noch lange nicht zu Ende: Kupp heuerte im März 2025 bei den Seattle Seahawks an und unterzeichnete einen Dreijahresvertrag über 45 Millionen US-Dollar.

Mit 47 Receptions für 593 Yards und zwei Touchdowns kam er in der zurückliegenden Regular Season zwar bei weitem nicht mehr auf die Werte früherer Jahre, übernahm bei seinem neuen Arbeitgeber aber auch eine andere Rolle: Hinter Jaxon Smith-Njigba ist Kupp zwar nur Receiver Nummer zwei, dafür aber Mentor und Anführer Nummer eins.

Kupp als Anführer in Seattle

„Er ist für uns ein echter Anführer, weil er nicht nur in den Spielen, sondern auch im Training und auf dem Gelände jeden Tag sein Bestes gibt“, lobte Seahawks-Quarterback Sam Darnold. „Ich habe das Gefühl, dass ich das immer sage, wenn ich über ihn spreche, aber es ist wahr. Er ist ein großartiger Anführer und jemand, der einfach jeden Tag seinen Job macht.“

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Dass Anführer Kupp schließlich im bisher wichtigsten Spiel der gesamten Saison eine bedeutende Leistung zeigte, verwunderte Darnold mitnichten. Im Conference Championship Game der NFC schlugen die Seahawks die Rams mit 31:27 und sicherten sich ihren Platz im Super Bowl.

Touchdown gegen sein Ex-Team

Den entscheidenden, letzten Touchdown der Seahawks fing dabei Kupp – und das ausgerechnet gegen das Team, welches ihn im Jahr zuvor nicht mehr haben wollte.

„Es ist unglaublich“, jubelte er nach der Partie in einem TV-Interview: „Diese Geschichte. Sie hätte nicht besser geschrieben sein können. Ich habe in meinem Leben oft darüber nachgedacht, warum Dinge passieren und warum sie so gelaufen sind, wie sie gelaufen sind.“

Und weiter: „Wir hatten das Gefühl, dass wir nach dem Warum fragen mussten. Wir fanden Frieden, indem wir fragten, was Gott für uns vorgesehen hatte. Dass es so gekommen ist, der Frieden, den wir hier mit diesen Jungs und diesen Trainern haben, ist einfach eine unglaubliche Erfahrung.“

Erst von den Rams entlassen, hatte er ein Jahr später nun entscheidenden Anteil daran, dass es die Rams nicht in den Super Bowl schafften – eine Geschichte, die auch seinen Head Coach Mike Macdonald begeistert.

„Was sagt ihr dazu? Coop gegen seine Ex-Team im Kampf um die Meisterschaft in der NFC – und er erzielt einen Touchdown“, sagte der Cheftrainer im Anschluss gegenüber Journalisten. „Vor dem Spiel gab es ein paar Gerüchte, wie: ‚Wie cool wäre es, wenn Coop heute einen Touchdown erzielen würde?‘ Und das hat er getan. Wir lieben ihn. Er ist der Beste.“

Kupp wuchs einst als Seahawks-Fan auf

Was die Geschichte noch spezieller macht: Kupp wuchs einst nur zwei Stunden von Seattle entfernt als Seahawks-Fan auf. Nach zwei Touchdowns bei Auswärtsspielen war sein Gang in die Endzone gegen sein Ex-Team sein erster Touchdown als Seahawks-Spieler im heimischen Lumen Field.

Doch es war nicht alleine sein Touchdown, der die Seahawks entscheidend weiterbrachte. Bei einem dritten Versuch mit noch neun zu gehenden Yards entkam Kupp nach einem unglücklichen Catch noch dem gegnerischen Tackle, gewann zwölf Yards für ein neues First Down und hielt den Drive am Leben. Später blockte der Passempfänger unter anderem geschickt für seine Mitspieler.

Smith-Njigba schwärmt von seinem Teamkollegen

„Ich freue mich riesig für ihn“, jubelte Receiver-Kollege Smith-Njigba: „Ohne Cooper und das, was er auf und neben dem Spielfeld leistet, wären wir nicht das Team, das wir sind. Er ist ein echter Anführer, ein echter Kämpfer, und es ist mir eine Ehre, neben ihm zu spielen. Er hat mein Spiel verbessert. Ich kann ihm gar nicht genug danken.“

Der 23-Jährige führte über Kupp aus: „Ich wusste, dass er in der entscheidenden Situation liefern würde. Das liegt einfach an seiner Vorbereitung. Er ist bereit für diesen Moment. Spielzug für Spielzug ist er voll konzentriert, sowohl im Laufspiel als auch im Passspiel. Einen Spieler wie Coop zu haben, auf den wir uns verlassen können, hebt dieses Team einfach auf ein neues Level.“

Übrigens: Die Rams waren nach dem Spielende zwar tief enttäuscht, für Kupp freuten sie sich aber dennoch. So filmten TV-Kameras unter anderem Rams-Receiver Puka Nacua und Quarterback Matthew Stafford bei innigen Umarmungen mit ihrem ehemaligen Mitspieler.

Für den 32-Jährigen dürfte sich damit ein Kreis geschlossen haben.