„Ich mag die Leidenschaft, die wir beim jungen Tim Stützle sehen“, sagte der Kommentator von Sportsnet NOW bei der Liveübertragung des NHL-Spiels zwischen den Ottawa Senators und den Edmonton Oilers.
NHL: Tim Stützle feiert Durchbruch nach Tor und Schlägerei, Coach Smith lobt
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Stützle lief da gerade mit einem Cut über dem Auge vom Eis. Der deutsche Eishockey-Crack war von seiner ersten Schlägerei gezeichnet, welche er in der besten Eishockey-Liga der Welt führte. Gegen William Lagesson zog er zwar den Kürzeren, aber irgendwie war doch Stützle der Held. Dass er es mit dem erfahrenen Oilers-Profi aufgenommen hat, sehen viele als weiteren Schritt in seiner Entwicklung.
Der 20-Jährige ist damit in seinem zweiten Jahr so richtig in der NHL angekommen. Das zeigte auch die Reaktion seines Coaches.
Coach Smith: „Wir haben einen echten Eishockeyspieler“
Trainer D.J. Smith war nach der Partie bemüht immer wieder zu betonen, dass er Stützle eigentlich nicht in einen Kampf verwickelt sehen will. Allerdings war er dennoch schwer beeindruckt.
„Ganz ehrlich: Er braucht keine Schlägerei. Aber er gerät in einen Kampf, kommt zurück und macht, was er kann. Wir haben einen echten Eishockeyspieler in unseren Reihen.“
Stützle war nach dem Fight kurz in der Kabine verschwunden, wo der Cut versorgt und mit einigen Stichen genäht wurde. Fünf Minuten später war er wieder auf dem Eis und sorgte in der Overtime mit einer überragenden Einzelaktion für den Sieg.
37,6 Sekunden vor dem Ende der Verlängerung traf der einstige Profi der Adler Mannheim aus spitzem Winkel, er setzte einen perfekten Schuss unter die Latte. Damit ist er laut Sportsnet der erste Spieler der Senators, der in einem Spiel das entscheidende Tor in der Overtime erzielte und sich auch einen Kampf lieferte.
„Es war vielleicht ein bisschen dumm, da in einen Kampf zu gehen, vor allem so spät im Spiel. Aber ich bin da etwas aggressiv geworden und habe versucht, für mich selbst einzustehen“, berichtete Stützle selbst nach dem Sieg, in welchem er sein achtes Saisontor erzielte.
Er fuhr fort: „Wir haben uns gegenseitig geschubst und einer von uns hat dann die Handschuhe fallen lassen, ich weiß gar nicht mehr, wer zuerst. Da dachte ich dann: Okay, vielleicht müssen wir da jetzt durch.“
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Wann war eigentlich der letzte Kampf des 20-Jährigen? „Vielleicht als ich 15 war oder so. Aber ich hatte immer noch mein komplettes Visier auf, also war es nicht wirklich ein Kampf. Es hat Spaß gemacht, den ersten hinter mich zu bringen“, antworte Stützle mit einem Lachen auf diese Frage.
„Leider wird Connor McDavid nie so gut sein wie Tim Stützle“
Nach der Partie hatte der junge Stürmer dann auch noch lobende Worte für den Gegner übrig.
„Das ganze Team hat mit viel Selbstvertrauen gespielt. Wir haben wahrscheinlich gegen die zwei besten Spieler der Welt gespielt heute.“ Damit meinte er seinen Landsmann Leon Draisaitl und den Kanadier Connor McDavid.
So mancher Eishockey-Fan glaubt spätestens nach der Performance gegen die Oilers, dass Stützle einmal in die Fußstapfen der NHL-Stars treten könnte. Und vielleicht sogar noch mehr. „Leider wird Connor McDavid nie so gut sein wie Tim Stützle“, schrieb ein Fan auf Twitter.
„Jedes einzelne Spiel geht Stützle einen weiteren Schritt“, twitterte ein anderer Fan.
Stützle hat sich als Two-Way-Player, also einem Stürmer, der auch verteidigen kann, längst einen Namen in der NHL gemacht. Nach diesem denkwürdigen Spiel ist er vielleicht noch kein Star, ein Publikumsliebling aber auf jeden Fall.
Auch bei seinem Team hat er bereits einige Privilegien, wie sein Coach erklärte: „Am Ende des Tages macht er so viele gute Spielzüge, dass man ihm etwas Freiraum geben muss.“
Smith fuhr fort: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir jedem die gleichen Freiheiten geben. Timmy versucht, einen Spieler an der blauen Linie 10 Mal zu schlagen, er schlägt ihn wahrscheinlich sieben Mal. Also geben wir ihm ein bisschen mehr Freiraum.“
Bloß kämpfen soll er eben nicht zu oft, wenn es nach dem Coach geht.