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Deutschlands neuer NHL-Superstar

Deutschlands neuer NHL-Superstar

Moritz Seider ist der erste Deutsche, der es aus den neuen Bundesländern in die NHL geschafft hat. Dort ist er bei den Detroit Red Wings mittlerweile unverzichtbar und zählt zu den besten Verteidigern der Liga.
Der Deutsche Moritz Seider spielt in der NHL für die Detroit Red Wings und ist dort mittlerweile sogar Co-Kapitän. Der Weg des 24-Jährigen führt steil nach oben.
Moritz Seider ist der erste Deutsche, der es aus den neuen Bundesländern in die NHL geschafft hat. Dort ist er bei den Detroit Red Wings mittlerweile unverzichtbar und zählt zu den besten Verteidigern der Liga.

Die große Eishockey-Karriere von Moritz Seider begann einst mit einem kleinen Zettel. In seinem Spind im Kindergarten fand er eine Notiz des EHC Erfurt für ein „Eishockey-Schnuppertraining”.

Seider war damals gerade fünf Jahre alt, aber bereits begeisterter Schlittschuhläufer. „Wir konnten in den Wintermonaten im Kindergarten aufs Eis gehen, und da hab’ ich großen Gefallen dran gefunden. Es hat viel Spaß gemacht, auf so einer Eisschnelllaufbahn bisschen umherzulaufen”, erinnert er sich im Gespräch mit SPORT1.

Zusammen mit Mutter Sabine folgte er der Einladung zum Schnuppertraining in die in Erfurt nur als „Kartoffelhalle” bekannte Trainings- und Spielstätte des EHC. Dort griff Seider zu Schläger und Puck und war sofort angetan. Körperintensiver Sport, der Teamgedanke, reichlich Action - das gefiel ihm.

Allerdings stellte er seine Eltern mit seinem neuen Hobby vor Probleme. „Die hatten gar keine Ahnung von dem Sport, haben sich dann erstmal ein Regelwerk gekauft”, so Seider. Mittlerweile seien Kay und Sabine Seider seine „größten Fans”. Und auch das Eishockey-Regelwerk gibt es noch. Es wurde irgendwann an die Oma vererbt.

Moritz Seider spricht über sein erstes Traumziel

Seiders Traum: irgendwann einmal für die Erfurt Black Dragons zu spielen, in der Oberliga. Denn er habe damals „natürlich keine Ahnung” gehabt, „was es in der Welt noch so gibt”, sagt er und schmunzelt. Andere Kinder in seiner Generation mögen von klein auf von der NHL geträumt und Idole wie den Kanadier Sidney Crosby oder Alexander Owetschkin aus Russland gehabt haben. Seider hingegen schaute zu Oliver Otte auf. Der Stürmer spielte von 2001 bis 2017 für die Black Dragons - und Seider wollte irgendwann mal so werden wie er.

Das hat nicht geklappt. Denn Otte ist nie Eishockey-Profi geworden, arbeitet mittlerweile als Polizist und guckt sich nun mit seinem Kind die NHL-Spiele von Seider im Trikot der Detroit Red Wings an. „Wir schreiben uns hin und wieder immer noch. Ist schon eine verrückte Welt, die sich da gedreht hat”, findet Seider.

Mit 14 Jahren verließ er Erfurt und die Kartoffelhalle und wechselte ins Nachwuchs-Leistungszentrum der Adler Mannheim. Rückblickend spricht Seider von „einem tollen Schritt”, denn in der Kurpfalz sei er „schnell erwachsen geworden“. Die Jungadler waren einst bereits das Sprungbrett für Leon Draisaitl nach Nordamerika. Als 16-Jähriger debütierte Seider für Mannheim in der Deutschen Eishockey-Liga, knapp zwölf Monate später feierte er mit dem Team im Frühjahr 2019 den Gewinn der Deutschen Meisterschaft.

Wenige Wochen später entschieden sich die Detroit Red Wings beim Talentebasar Draft bereits an sechster Stelle für ihn. So früh war noch nie ein deutscher Verteidiger von einem NHL-Team gezogen worden. Und dieser Schritt von Red Wings-Manager Steve Yzerman hatte für ein Raunen im Publikum gesorgt. Denn Seider war für die Experten in Nordamerika nahezu unbekannt.

Im Gegensatz zu Draisaitl hatte er nie in einer kanadischen Juniorenliga gespielt - und auch nicht an einem US-College. Wer also war dieser 1,93 Meter große Lockenkopf? Was kann der? Kann der überhaupt was? „Mir ist klar, dass unsere Fans nicht viel über ihn wissen. Aber sie sollen mal im Internet googeln und sich seine Spiele angucken. Ich denke, sie werden angenehm überrascht sein”, betonte Yzerman damals.

Moritz Seider: „Motown” liebt „Mo”

Seine Worte haben sich längst bewahrheitet. Seit 2021 spielt Seider für die Red Wings in der NHL. Er ist somit der Erste, der in den neuen Bundesländern mit dem Eishockey begonnen und es in die globale Elite-Liga seines Sports geschafft hat. In seiner Premieren-Saison wurde Seider zum „Rookie des Jahres” gewählt - als erster Deutscher der NHL-Geschichte. In „Motown”, wie Detroit aufgrund der ansässigen Autoindustrie auch genannt wird, lieben sie ihren “Mo” Seider längst.

Der Mann mit der Rückennummer 53 ist zwar erst 24 Jahre alt, aber dennoch bereits der wichtigste Verteidiger im Team - und sogar einer der besten Abwehrspieler der gesamten Liga. Im berühmten Podcast „Spittin Chiclets” der beiden ehemaligen NHL-Profis Paul Bissonnette und Ryan Whitney wurde Seider Ende Dezember als “Superstar defenseman” bezeichnet, der ein Kandidat für die Norris Trophy sei. Diese Trophäe ist die alljährliche Auszeichnung für den besten NHL-Verteidiger.

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Moritz Seider: Kindheitstraum Olympia

Seider gilt als kompromisslos in der Defensive. Mit seinen 193 Zentimetern an Körpergröße ist er nicht zu übersehen und strahlt eine gewisse Aura aus. Obwohl sein Gesicht noch etwas Jugendliches hat, etwas Braves und Unschuldiges, prügelt sich Seider auch schon mal. Er verfügt zudem über eine exzellente Schlittschuhtechnik, einen knallharten Schuss und ist somit auch in der Offensive eine Bereicherung.

In wenigen Wochen wird Seider sein Olympia-Debüt geben. Nachdem die NHL es ihren Profis 2018 und 2022 noch jeweils untersagt hatte, an den Winterspielen teilzunehmen, werden die Superstars nun in Mailand dabei sein. Für ihn gehe damit „ein absoluter Kindheitstraum” in Erfüllung, sagt Seider.

Er wird erstmals seit der WM 2019 wieder mit Leon Draisaitl zusammen für Deutschland spielen. Mit Tim Stützle, JJ Peterka, Philipp Grubauer und Nico Sturm kommen vier weitere NHL-Profis hinzu.

Berühmte Freundin Anna Seidel

Was für diese wohl talentierte deutsche Mannschaft deshalb in Mailand möglich ist? Seider weiß es nicht. Denn Nationalteams wie Kanada, USA, Schweden oder Finnland spielen ausschließlich mit NHL-Akteuren.

“Das wird sehr schwer, so ehrlich muss man sein”, betont er. Auf der Tribüne wird ihm jemand die Daumen drücken, die bei den vergangenen drei Winterspielen noch als Aktive dabei war: seine Freundin, Anna Seidel.

Die ehemalige Shorttrackerin hatte vor knapp zwei Jahren ihre Karriere beendet, lebt mittlerweile mit Seider in Detroit. „Sie ist mein Fels in der Brandung“, sagt Seider: „Ich freue mich, wenn sie in Mailand ist und das Ganze mal als Zuschauerin betrachten kann.”