So erklärt Grozer sein Comeback

So erklärt Grozer sein Comeback

Deutschland reaktiviert für die EM Ex-Spieler Georg Grozer. Bei SPORT1 erklärt der Volleyball-Star sein Comeback und blickt auf das Turnier voraus.
Georg Grozer kehrt zur deutschen Volleyball-Nationalmannschaft zurück
Georg Grozer kehrt zur deutschen Volleyball-Nationalmannschaft zurück
© Imago
Alexandra Müller
von A. Müller
am 16. Juli

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Starspieler Georg Grozer kehrt für die anstehende EM-Endrunde in vier Ländern (1. bis 19. September) zur deutschen Nationalmannschaft zurück. Der 36-Jährige ist Teil des 17 Spieler starken Kaders von Bundestrainer Andrea Giani, die sich ab dem 21. Juli in Kienbaum auf die EM vorbereitet.

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Ursprünglich hatte der 175-malige Nationalspieler seine DVV-Karriere im Januar 2020 nach der verpassten Olympia-Qualifikation für Tokio beendet.

Im Interview mit SPORT1 verrät Grozer, was ihn zu einem Comeback bewogen hat, in welcher Rolle er sich im DVV-Team sieht und wie er die deutschen Chancen bei der EM einschätzt.

Grozer erklärt DVV-Comeback

SPORT1: Herr Grozer, Sie haben vor 1,5 Jahren ihre DVV-Karriere beendet. Nun wurden Sie für die EM-Runde reaktiviert. Wie kam es dazu?

Georg Grozer: Bei der Volleyball Nations League 2021 habe ich den Jungs zugeschaut und dann kam das Kribbeln zurück. Dann habe ich kurz spaßeshalber über eine Rückkehr gesprochen und schon ging es los. Sie haben mich gefragt, ob ich das wirklich ernst meine. Und ich sagte: 'Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent'. Dann kam es zu Gesprächen und ich habe positives Feedback erhalten. Natürlich bekommt man dann noch mehr Laune. Jetzt habe ich noch einmal die Chance, an einer EM teilzunehmen. Es ging alles ziemlich schnell. Vielleicht war es auch ein Fehler bzw. aus der emotionalen Enttäuschung heraus, dass ich aufgehört habe. Ich fühle mich noch jung und habe keine Schmerzen. Wenn dann noch von der Mannschaft so ein positives Feedback ausgeht – warum dann nicht?

SPORT1: Noch im Oktober hatten Sie im Gespräch mit der Sport Bild einen Rücktritt vom Rücktritt ausgeschlossen. Woher der Sinneswandel?

Grozer: Man darf nicht vergessen, dass meine Kinder der größte Grund für meinen Rücktritt damals waren. Ich wollte mehr Zeit mit ihnen verbringen. Irgendwo muss man dann einen passenden Zeitrahmen finden. Meine Kinder sind seitdem älter geworden und verstehen heute besser, was ich beruflich mache. Meine ältere Tochter ist selbst in der Nationalmannschaft, die Kleine spielt auch Volleyball. Sie denken jetzt ganz anders und das erleichtert mir auch die Entscheidung.

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SPORT1: Fühlen Sie sich fit genug für die anstehenden Aufgaben?

Grozer: Wenn ich das Gefühl hätte, nicht gut genug oder unfit zu sein, würde ich es nicht machen. Ich habe die Unterstützung meiner Familie im Rücken. Und wenn Andrea Giani (Bundestrainer; Anm. d. Red) sich auch darüber freut und der Meinung ist, dass ich der Mannschaft helfen kann, dann gerne. Jetzt muss ich aber erst einmal mit den Jungs trainieren. Ich trainiere jetzt schon fleißig und ab August stoße ich zur Mannschaft. Ich muss sehen, ob ich bis zum 1. September so weit bin, dass ich der Mannschaft helfen kann. In einem Monat wird sich zeigen, ob es reicht, um die EM zu spielen. Aber ich fühle mich physisch gut.

Grozer: "Bin der Älteste und Erfahrenste"

SPORT1: Sie stoßen erst im August zum zweiten Teil der EM-Vorbereitung zum Team, während der Rest des Teams schon am 21. Juli beginnt. Warum?

Grozer: Es war einfach vorher schon mit der Familie Urlaub geplant. Ich habe gesagt, wenn es dem Team und den Trainern passt, dass ich am 3. August einsteige, dann würde ich es gerne machen. Sie haben das akzeptiert und freuen sich. Man muss es aber nicht an die große Glocke hängen, dass ich vielleicht bei der EM dabei bin. Das ist noch nicht sicher. Aktuell sind die Jungs noch fitter. Aber letztes Mal habe ich es auch geschafft, vielleicht klappt es diesmal auch.

SPORT1: Was verspricht sich das Trainerteam von Ihrer Rückkehr? In welcher Rolle sollen Sie fungieren?

Grozer: Ich bin der Älteste und Erfahrenste. Lukas Kampa wird nach seiner Operation im zweiten Teil der Vorbereitung zum Team stoßen. Mit der Routine und dem Ehrgeiz, den ich habe, kann ich die Mannschaft unterstützen. Ich versuche, meine Rolle auszufüllen.

SPORT1: Was trauen Sie dem deutschen Team bei der EM zu?

Grozer: Alles! Wir haben eine gute Truppe und talentierte Leute. Es fehlten oftmals nur Kleinigkeiten. Ich sehe Potenzial für eine Medaille. Die Jungs haben sich weiterentwickelt. Das muss man im richtigen Moment einsetzen können. Ich hoffe, dass wir das bei der EM schaffen.

EM-Chancen: "Ich traue den Jungs alles zu"

SPORT1: Deutschland trifft in der Vorrunde auf Estland, Lettland, Frankreich, die Slowakei und Kroatien. Wie sind diese Gegner einzuschätzen?

Grozer: Unsere Gruppe ist machbar. Die Franzosen sind stark. Aber wir haben sie auch schon geschlagen. Es gibt viele gute Mannschaften in Europa. Aber man darf auch nicht vergessen, dass davor noch die Olympischen Spiele stattfinden. Viele werden dort Vollgas geben. Es kann eine sehr interessante EM werden. Ich traue den Jungs alles zu. (NEWS: Alles zu den Olympischen Spielen)

SPORT1: Wird das endgültig der letzte Auftritt im DVV-Trikot sein oder wollen Sie wieder langfristig einsteigen?

Grozer: Ich werde nicht mehr von einem letzten Einsatz sprechen. Man sieht ja, was passieren kann. Es kommt auch darauf an, was der Körper noch schafft. Und man muss sehen, wann die Turniere stattfinden und ob ich das mit der Familie vereinbaren kann. Ich freue mich, dass es mir gut geht und ich das Niveau halten kann. So lange wie ich kann, werde ich sicherlich helfen wollen. Mein Herz schlägt für Volleyball.