„Franzi Preuß war ja auch so eine Kandidatin“

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„Franzi Preuß war ja auch so eine Kandidatin“

Anna Gandler gestaltet die Vorbereitung auf die neue Weltcup-Saison individuell. Die Biathletin erklärt bei SPORT1 die Hintergründe ihrer Entscheidung und verrät ihre Ziele.

Hinter Anna Gandler liegt ein einsamer Sommer – zumindest mit Blick auf ihre Vorbereitung. Nach der Olympia-Saison 2025/26 entschied sich die Biathletin dazu, unabhängig vom österreichischen Nationalteam zu trainieren und ihren eigenen Weg zu gehen.

„Ich habe schon lange darüber nachgedacht und lange überlegt, ob es das Richtige ist. Aber jetzt im Nachhinein habe ich es eigentlich nie bereut“, sagte die 25-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

Der Wunsch, ihr Training stärker an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, begleitete Gandler schon länger. „Letztes Jahr ist es mit meinem früheren Trainer Reinhard Gösweiner etwas konkreter geworden“, erklärte sie. Mit ihrer Entscheidung reiht sie sich in eine Entwicklung ein, bei der Athletinnen und Athleten zunehmend auf individuelle Trainingskonzepte setzen. Anfang Oktober teilte der DSV mit, dass Vanessa Voigt die letzten Vorbereitungswochen vor dem Winter individuell bestreiten wird.

Am Ende waren mehrere Aspekte ausschlaggebend für das „Auslandsjahr“ in Frankreich, wie es Gandler selbst nennt. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch der Trainerwechsel im österreichischen Team.

Trainerwechsel beim ÖSV: Wolfgang Pichler übernimmt

Nach dem Abschied von Gösweiner übernahm Wolfgang Pichler das österreichische Damen-Team. Der erfahrene Trainer arbeitete im Laufe seiner Karriere unter anderem für Schweden, Russland sowie zuletzt Bulgarien und war an zahlreichen Erfolgen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften beteiligt.

Vor allem in Schweden, wo er mehr als 20 Jahre in unterschiedlichen Funktionen tätig war, hat seine Arbeit große Spuren hinterlassen. So führte er Biathlon-Stars wie Magdalena Forsberg, Helena Ekholm oder Hanna Öberg zu ihren größten Erfolgen.

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„Mit der Verpflichtung von Wolfgang Pichler ist es uns gelungen, einen der größten Biathlon-Fachmänner nach Österreich zu holen“, sagte Christoph Sumann, Sportlicher Leiter Biathlon beim ÖSV. „Seine Expertise ist unbestritten und ich bin mir sicher, dass das gesamte Team von seiner jahrelangen Erfahrung profitieren wird“, führte Sumann weiter aus.

Trainer-Legende Wolfgang Pichler übernahm das ÖSV-Frauen-Team von Reinhard Gösweiner
Trainer-Legende Wolfgang Pichler übernahm das ÖSV-Frauen-Team von Reinhard GösweinerTrainer-Legende Wolfgang Pichler übernahm das ÖSV-Frauen-Team von Reinhard Gösweiner© IMAGO / Nordphoto

Gandler entschied sich hingegen bewusst gegen die langjährige Erfolgsgeschichte Pichlers. „Es sind viele Umstellungen im Team gewesen, wo ich mir einfach nicht sicher war, ob es das Richtige für mich ist“, erklärte sie mit Blick auf die Veränderungen.

Ein weiterer Grund für die Entscheidung war die langjährige Beziehung mit dem französischen Biathlon-Profi Émilien Claude. Bislang musste einer von beiden regelmäßig weite Reisen auf sich nehmen, um Zeit miteinander verbringen zu können.

Das kostete „sehr viel Energie“ und es blieb weniger Zeit für die Regeneration. Stattdessen wurde der Körper neben dem Training einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt. Für Gandler schien nach der Olympia-Saison 2025/26 deshalb der richtige Zeitpunkt gekommen, um den Versuch eines individuellen Trainingsjahres zu wagen.

Anna Gandler folgt „Norweger- und Franzosen-Philosophie“

Mit ihrem Ansatz folgte Gandler laut eigener Aussage der „Norweger- und Franzosen-Philosophie“, die für eine stärkere individuelle Trainingsgestaltung steht. Und das mit Erfolg: In der vergangenen Saison dominierten die französischen und norwegischen Teams die Gesamtwertung – sowohl bei den Damen als auch bei den Herren.

Ein Erfolgsgeheimnis, von dem sich auch die Österreicherin viel verspricht. „Jeder Mensch ist total individuell. Man muss uns Mädels im Team einmal anschauen: Jede ist ein bisschen unterschiedlich und ein Programm für zehn Mädels finde ich persönlich nicht das Richtige“, erteilte sie dem bisherigen Trainingsalltag eine Absage.

Statt auf die Erfahrung des Biathlon-Fachmanns Pichler und einen gemeinsamen Trainingsplan zu setzen, richtete sich die 25-Jährige im Sommer nach ihren eigenen Bedürfnissen und setzte individuelle Schwerpunkte. Besonders angetan war sie von der französischen Infrastruktur. Im Gespräch mit der International Biathlon Union (IBU) lobte sie vor allem die Trainingsbedingungen: „Die Rollerskistrecke, der Schießstand und der Kraftraum sind innerhalb von fünf Minuten erreichbar. Das spart viel Zeit und macht den Trainingsprozess viel effizienter.“

Vor allem die Einheiten auf Rollerski scheinen Gandler Spaß bereitet zu haben. „Man kann dort (Frankreich, Anm. d. Red.) stundenlang auf fast menschenleeren Straßen Rollerski fahren“, schwärmte sie. In Österreich sei dies hingegen nicht erlaubt.

Biathlon-Star Gandler betont: „Ohne Verband geht es nicht“

Trotz ihres individuellen Wegs betonte Gandler bei SPORT1 die Wichtigkeit des österreichischen Verbands: „Ohne Verband geht es nicht.“ Vielmehr ging es darum, aus der Sommervorbereitung das Maximum für sich herauszuholen.

Mit den Teamkolleginnen in Österreich blieb sie dennoch weiterhin in Kontakt, auch wenn dieser gegen Ende der Vorbereitung etwas weniger intensiv ausfiel. „Jetzt stoße ich wieder aufs Team und werde echt herzlich empfangen“, sagte Gandler.

Gerade mit Blick auf mögliche gemeinsame Staffel-Rennen ist eine gute Teamdynamik entscheidend. Schließlich müssen sich ihr individueller Weg und eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Kolleginnen keineswegs ausschließen.

Grund zum Jubeln: Anna Gandler wird beim City Biathlon in Dresden Zweite
Grund zum Jubeln: Anna Gandler wird beim City Biathlon in Dresden ZweiteGrund zum Jubeln: Anna Gandler wird beim City Biathlon in Dresden Zweite© IMAGO / Eibner

Gesundheit und sportliche Form machen Gandler Mut

Eine Garantie, dass sich ihre individuelle Vorbereitung in den Ergebnissen der kommenden Saison auszahlen wird, hat sie natürlich nicht. Gandler blickt ihrer Entscheidung dennoch frei von Zweifeln entgegen: „Ich kann mir nichts vorwerfen“, erklärte sie: „Ich habe auf meinen Körper gehört, nach meinem Gefühl trainiert und alles gegeben.“

Insbesondere die gesundheitliche Verfassung hatte die Biathletin in der Vergangenheit immer wieder ausgebremst und zurückgeworfen. Neben häufigen Infekten plagten Gandler zusätzlich Schlafstörungen. „Ich glaube, es gibt einfach Typen, die haben ein schwächeres Immunsystem, wird vielleicht auch in der Genetik liegen. Zum Beispiel Franzi Preuß war ja auch so eine Kandidatin“, sagte Gandler, die aber in diesem Sommer bis auf „einen Ausrutscher“ ohne Krankheit durch die Vorbereitung gekommen ist.

Auch sportlich konnte Gandler zuletzt positive Signale senden. Bei den Sommermeisterschaften in Österreich gewann sie den Einzel-Wettbewerb über 12,5 Kilometer. Beim City Biathlon in Dresden stellte sie ihre starke Form erneut unter Beweis und wurde Zweite. Beim Loop One Festival gelang ihr am Samstag der Final-Einzug, ehe sie das erneute Finale am Sonntag um 0,2 Sekunden verpasste.

Die Form ist also offensichtlich da, mit Blick auf die anstehende Saison verfolgt sie deshalb klare Ziele: das Podium – und vor allem wieder mehr Spaß am Biathlon: „Letztes Jahr habe ich mir oft ein bisschen zu viel Druck gemacht. Ich möchte nach jedem Rennen mit einem Lachen rausgehen und sagen können: Heute habe ich alles gegeben.“

Beim ersten Weltcup in Kontiolahti Ende November wird es dann den ersten Fingerzeig geben, ob Gandler mit ihrem individuellen Weg auch sportlich den nächsten Schritt machen kann.