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Biathlon-WM: Nach zehn Jahren ist sie endlich erlöst

Eine Erlösung nach zehn Jahren

Franziska Preuß hat im WM-Sprint Gold verpasst, aber die Freude über einen nach 3624 Tagen gebrochenen Fluch ist ungleich größer. Deutschlands Top-Biathletin geht den Rest der WM nun befreit an.
Franziska Preuß bejubelt ihre erste WM-Einzelmedaille seit zehn Jahren
Franziska Preuß bejubelt ihre erste WM-Einzelmedaille seit zehn Jahren
© IMAGO/GEPA pictures
Franziska Preuß hat im WM-Sprint Gold verpasst, aber die Freude über einen nach 3624 Tagen gebrochenen Fluch ist ungleich größer. Deutschlands Top-Biathletin geht den Rest der WM nun befreit an.

Franziska Preuß saugte bei der Siegerehrung jeden Moment mit einem breiten Grinsen auf.

Auch wenn die deutsche Top-Biathletin danach erstmal auf größere Feierlichkeiten verzichtete, genoss sie ihren silbernen Tag in vollen Zügen.

„Ich war echt emotional“, sagte die 30-Jährige. Dass es am Ende nicht zu Gold reichte: ein kleiner Wermutstropfen. Aber wer die Geschichte von Franziska Preuß kennt, kann erahnen, dass die Freude über die erste WM-Einzelmedaille seit zehn Jahren um ein Vielfaches größer war.

„Ich bin durch viele harte Tage gegangen wegen Biathlon“, sagte Preuß: „Dass es jetzt so aufgeht wieder, ist nicht selbstverständlich. Wenn es einer zu schätzen weiß, dann ich, weil ich einfach die Kehrseite kenne wie keine andere.“

Preuß streift Makel der Unvollendeten ab

Preuß weiß, wovon sie spricht: 3624 Tage ist es mittlerweile her, dass sie bei der WM 2015 in Kontiolahti Silber im Massenstart holte.

20 Jahre war Preuß damals alt, ein Jahr jünger als Laura Dahlmeier, mit der Preuß damals in der Staffel Gold holte.

Während Dahlmeier sich in den Jahren darauf zur Dominatorin ihres Sports aufschwang und dann früh abtrat, haftete Preuß viele Jahre lang der Ruf der tragischen Heldin, der vom Pech verfolgten Unvollendeten an. Immer wieder wurde die letzte noch aktive deutsche Weltmeisterin von gesundheitliche Probleme weit zurückgeworfen, immer wieder lief bei Großereignissen - wenn sie antreten konnte - etwas gegen sie.

„Schon gemerkt, dass ich einen kleinen Rucksack habe“

Dass sich nun nach zehn Jahren der Kreis endlich geschlossen habe, bedeute ihr „echt viel“, führte Preuß aus. Sie habe „schon gemerkt, dass ich einen kleinen Rucksack dabei habe“.

Der sei nun „leichter geworden. Ich wollte es mir einfach selber beweisen, dass ich es auch beim Höhepunkt aufs Treppchen schaffen kann.“ Nach zahlreichen Platzierungen unter den besten zehn bei Weltmeisterschaften sei sie mit der Taktik „Top oder Flop“ reingegangen: „Dass es so gut geklappt hat, freut mich total.“

Wegen der um 9,8 Sekunden verpassten Goldmedaille dürfe Preuß „keine Zeit darauf verwenden, sich zu grämen“, so Sportdirektor Felix Bitterling: „Bei einer Weltmeisterschaft auf den Punkt fit zu sein, Platz zwei, das ist traumhaft. Die Ausgangsposition im Verfolger ist ebenso gut. Ein toller Tag.“ Wenn man wisse, was die Bayerin „die letzten Jahre durchgemacht hat“, sei es noch höher einzuschätzen, sagte Frauen-Bundestrainer Sverre Olsbu Röiseland: „Die ganze Saison ist unglaublich.“

Nächste Chance in der Verfolgung

Und bei der WM bleiben ja noch ein paar weitere Medaillenchancen. Sie gehe es am Sonntag (12.05 Uhr LIVETICKER) im Verfolger „wieder voll fokussiert an“, kündigte Preuß an.

Sie habe „zum Glück ihr Ziel gleich zum Start schon erreicht mit einer Einzelmedaille. Ich hoffe, dass man dann mit mehr Gelassenheit am Start ist. Aber wenn der Tag da ist, mag man trotzdem so gut es geht performen.“

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)