Mangelnde Selbstkritik kann man den meisten Biathleten definitiv nicht vorwerfen. Läuft ein Rennen nicht nach Plan, ist die Stimmung schon mal ordentlich im Keller.
Biathlon-Star wütet nach Debakel: "Keine verdammte Sache gelernt"
Biathlon-Debakel: „Zeit, aufzuhören“
Die Reaktion des Norwegers Endre Strömsheim nach dem Kurz-Einzel von Nove Mesto am Donnerstag steht beispielhaft dafür. „Alles hat sich komplett aufgelöst. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich habe keine verdammte Sache gelernt“, ärgerte er sich im Interview mit dem Sender NRK maßlos über sich selbst.
Strömsheim hatte bis zum letzten Schießen eigentlich ein akzeptables Rennen hingelegt und lag zwischenzeitlich auf dem zehnten Platz. Dann ließ er beim abschließenden Stehendschießen allerdings alle fünf Scheiben stehen und kam als 84. ins Ziel.
„Das war total fremd. So was darf nicht passieren und ist auch noch nie passiert. Und es wird auch nicht noch einmal passieren. Ich spüre, dass alles nun schon eine ganze Weile falsch läuft. Es ist Zeit, aufzuhören“, ließ er seiner Wut freien Lauf.
Biathlon: Strömsheim plant lediglich Saisonende
Wörtlich darf man den Norweger dabei allerdings nicht nehmen: Über ein Karriereende denkt Strömsheim tatsächlich nicht nach. Vielmehr geht es darum, den Weltcup-Winter zu beenden und über das nächste Jahr nachzudenken.
„Dieses Jahr ist alles zur Hölle gegangen. Ob es Krankheiten waren, das Schießen oder meine Form. Vielleicht macht es keinen Sinn mehr, mit dem Kopf noch weiter gegen die Wand zu rennen“, erklärte er.
Strömsheim war mit großen Ambitionen in die Saison gestartet, jedoch wurde er nach den Plätzen 58, 52 und 38 beim Weltcup-Auftakt in Östersund in den IBU-Cup versetzt. In Nove Mesto bekam er nochmal die Chance, weil ein Großteil der Olympia-Starter im Trainingslager verweilt.
Samuelsson mächtig sauer: „Schlechtestes Rennen meiner Karriere“
Im Gegensatz zu Strömsheim wird der Schwede Sebastian Samuelsson bei den Olympischen Spielen dabei sein und absolviert als Drittplatzierter im Gesamt-Weltcup auch eine gute Saison. Beim Kurz-Einzel in Nove Mesto erwischte aber auch er einen absolut gebrauchten Tag. Nach unfassbaren acht Schießfehlern belegte Samuelsson nur Platz 73.
Das Resultat schmeckte dem Schweden mal so gar nicht. „Das war vielleicht das schlechteste Rennen meiner Karriere“, zeigte er sich im Gespräch mit dem Sender SVT selbstkritisch. „Es ist wirklich traurig. Ich will mehr zeigen als das“, machte Samuelsson seine Ambitionen deutlich.
Tatsächlich war der Schwede nur zweimal noch schlechter unterwegs. Beim Sprint von Hochfilzen 2017 belegte er Platz 77, beim Sprint von Östersund 2019 Rang 79.
Das Weltcup-Wochenende von Nove Mesto (im LIVETICKER) ist das letzte vor Beginn der Olympischen Winterspiele. Die finalen Rennen sind am Sonntag die jeweiligen Massenstarts der Biathleten (15.15 Uhr) – mit Samuelsson, aber ohne Strömsheim – und Biathletinnen (18.15 Uhr).