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Deutsche Biathlon-Hoffnung warnt: "Immer grenzwertiger"

Deutsche Biathlon-Hoffnung warnt

Selina Grotian spricht im SPORT1-Gespräch über die erste Saison ohne Aushängeschild Franziska Preuß - und sorgt sich ein wenig um die Zukunft des Biathlons.
Selina Grotian blickt auf die Olympischen Winterspiele zurück - und zeigt sich mit Blick auf einige Aspekte enttäuscht. Zudem hofft der DSV-Star in Zukunft wieder auf bessere Ergebnisse des Deutschen Biathlon-Teams.
Jakob Lüers, Madita Jehle
Selina Grotian spricht im SPORT1-Gespräch über die erste Saison ohne Aushängeschild Franziska Preuß - und sorgt sich ein wenig um die Zukunft des Biathlons.

Auch in diesem Jahr lief Biathletin Selina Grotian bei Wings4life (nächster Lauf 9. Mai 2027) mit, einem Wohltätigkeitslauf für den guten Zweck. Bei SPORT1 begibt sie sich auf Ursachenforschung zum schwachen Abschneiden des deutschen Biathlon-Teams in der vergangenen Saison und verrät, warum sie dennoch optimistisch für die Zukunft ist.

SPORT1: Frau Grotian, auch dieses Jahr haben Sie an Wings4life teilgenommen und sind immerhin stolze 23,15 Kilometer gelaufen. Gehört Laufen auch zu Ihren Kernkompetenzen?

Selina Grotian: Ich mag es, laufen zu gehen, aber eine gute Läuferin bin ich leider nicht. Ich glaube, ich habe da nicht so die Statur dafür. Aber es macht mir sehr viel Spaß. Letztes Jahr bin ich 30 Kilometer gelaufen, aber da taten mir dann die Beine ziemlich weh.

SPORT1: Ein kleiner Rückblick zunächst noch: An den Olympischen Spielen teilzunehmen, gilt allgemein als der Traum eines jeden Sportlers. Sie haben sich die Spiele 2026 aber sicher anders vorgestellt. Was hatten Sie für Erwartungen?

Grotian: Dass man einfach ein bisschen mehr Kontakt zu anderen Sportarten hat. Ich habe mir vorgestellt, dass man die Olympischen Ringe mehr spürt, mehr sieht oder dass es ein Feeling ist. Ich habe es mir magischer vorgestellt. Aber das war einfach nicht da. Wir waren in Antholz, das war alles sehr abgeschieden. Und auch nicht so, dass man gemerkt hat, dass man bei Olympia war. Es war doch alles recht normal – wie ein normaler Weltcup.

Grotian über enttäuschende Biathlon-Saison

SPORT1: Können die deutschen Biathlon-Fans denn trotz der enttäuschenden Saison 2025/26 zuversichtlich in die Zukunft schauen?

Grotian: Auf jeden Fall war das ein Ausrutscher. Man merkt schon, dass die Spitze immer enger wird bei uns. Es ist einfach Wahnsinn, was die anderen Nationen leisten. Man muss wirklich am Schießstand souverän bleiben und die Null bringen, um vorne mitmischen zu können. Ich glaube, dass wir auf die nächsten Jahre mit Zuversicht blicken können und dass da auch sehr viel Nachwuchs kommt. Ich bin guter Dinge, dass es in den nächsten Jahren wieder anders wird.

Grotian: „Wir haben nicht die Breite“

SPORT1: Eine große Herausforderung. Und das ohne Franziska Preuß

Grotian: Es bleibt alles so, wie es war. Jetzt sind wir alle auf einem Niveau. Es ist keiner, der krass heraussticht wie die Franzi letzte Saison. Ich bin sehr zuversichtlich, was die Teamstimmung angeht. Die Franzi wird uns sehr fehlen, das wird man sehr merken. Aber groß anders als letztes Jahr wird es nicht (…). Man hatte eine Person, die einen ein bisschen abschirmt von der ganzen Öffentlichkeit. Jetzt sind die Augen auf uns alle gerichtet, und davor waren die Augen eigentlich immer nur auf die Franzi gerichtet, was für uns ganz gut war, weil wir so ein bisschen im Schatten performen konnten.

 SPORT1: Gibt es ein Nachwuchsproblem im Biathlon?

Grotian: Ich glaube, dass wir einfach nicht die Breite haben. In Skandinavien ist es gang und gäbe, dass man von klein auf auf Skier gestellt wird. Und das ist bei uns einfach sehr schwierig – jetzt auch klimamäßig. Der Schnee ist einfach nicht so da wie früher. Wir haben einfach nicht so die Breite, um viele Leute zum Sport motivieren zu können.“  

SPORT1: Sind die Schneeverhältnisse und das Klima eine große Bedrohung für die Zukunft des Wintersports?

Grotian: Es wird sich in den nächsten Jahren einiges ändern. Man hat es jetzt schon gesehen – es gibt viele Roller-Events. Es wird einfach sehr schwierig werden, immer mehr in Deutschland durchzuführen. Wir hatten jetzt immer Glück mit dem Schnee in Oberhof und Ruhpolding, aber man merkt schon: Es wird immer grenzwertiger, immer schwieriger, dass die guten Bedingungen bleiben und auch bis zum Schluss gut bleiben. Aber ich glaube, dass wir jetzt in Deutschland nicht groß andere Probleme haben als in anderen Ländern. In Deutschland haben wir keinen Nachteil, das ist überall auf der Welt so. Trotzdem wird es eine Herausforderung in den nächsten Jahren.

SPORT1: Dabei ist der Sport natürlich auch auf den Biathlon-Nachwuchs angewiesen. Haben Sie Tipps für junge Biathletinnen?

Grotian: Einfach immer den eigenen Weg gehen. Auf sein Körpergefühl hören – das hat mir sehr viel gebracht. Und einfach immer die Motivation, den Spaß und die Freude am Sport beibehalten. Sich Ziele setzen, immer weiterarbeiten.