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Rennabbruch nach Sturz von Vonn

Rennabbruch nach Sturz von Vonn

Sorgen um US-Star Lindsey Vonn – und das kurz vor Olympia. Das Ski-Ass kommt bei der Abfahrt von Crans-Montana schwer zu Fall und rauscht ins Fangnetz. Das Rennen wird abgebrochen.
Lindsey Vonn stürzte bei der Abfahrt in Crans-Montana
Lindsey Vonn stürzte bei der Abfahrt in Crans-Montana
© Screenshot ZDF
Sorgen um US-Star Lindsey Vonn – und das kurz vor Olympia. Das Ski-Ass kommt bei der Abfahrt von Crans-Montana schwer zu Fall und rauscht ins Fangnetz. Das Rennen wird abgebrochen.

Die letzte Weltcup-Abfahrt vor den Olympischen Spielen in Crans-Montana ist für einige Athletinnen zum Sturz-Horror geworden. Mittendrin im Chaos: Lindsey Vonn.

Nachdem bereits Nina Ortlieb und Marte Monsen zu Fall gekommen waren, erwischte es mit der Startnummer sechs die US-Amerikanerin.

Noch bevor die Kameras die Fahrt des Ski-Superstars einfangen konnten, fand sich Vonn im Fangzaun wieder. Sofort eilten mehrere Betreuer zur 41-Jährigen, die sich zunächst nicht aus dem Zaun befreien konnte.

Vonns Olympia-Traum in Gefahr?

„Ein schwieriger Moment. Das ganze Projekt mit dem Comeback, dem Plan bei Olympia Gold zu holen, ist da infrage gestellt. Die hat jetzt zwei Jahre alles dafür getan, zurückzukommen“, meinte ZDF-Experte Marco Büchel.

Vonn hatte bereits im oberen Strecken-Abteil nach einem Sprung die Balance verloren. „Sie hat den Schwerpunkt weit hinten, bekommt zu viel Druck auf den Innenski, dann katapultiert es sie raus und sie lehnt sich nach hinten“, beschrieb Büchel den Moment, der zum Sturz führte.

Der Helikopter machte sich bereits startbereit, jedoch konnte Vonn dann doch noch selbstständig aufstehen und nach ersten medizinischen Tests den Hang herunterfahren.

Vonn-Trainer bleibt „positiv“

„Die gute Nachricht: Lindsey Vonn steht und rutscht ins Ziel. Das heißt, es ist wohl nichts Schlimmeres passiert“, meinte ZDF-Moderatorin Amelie Stiefvatter, als die Kameras Vonn bei der langsamen Abfahrt einfingen.

Vonns Trainer, der frühere Weltklasse-Abfahrer Aksel Lund Svindal, sagte im ORF: „Wir sind nicht ganz sicher, sie wird jetzt untersucht.“ Die 41-Jährige habe „ein bisschen Schmerzen im linken Fuß und linken Knie“ gehabt, „aber ich bleibe positiv“, ergänzte der Norweger.

Vonn ist mit einer Teil-Prothese im Kniegelenk unterwegs, weshalb Stürze besonders kritisch sind.

Im Zielbereich wurde die Speed-Spezialistin von den klatschenden Zuschauern empfangen, denen sie zuwinkte, ehe sie den Auslauf verließ und von ihrer Teamkollegin Jacqueline Wiles umarmt wurde. Später wurde sie mit dem Helikopter vom Zielraum in eine Klinik geflogen, wo genauere Untersuchungen anstehen.

Rennabbruch: Kritik von Büchel

Vonn blieb die letzte Athletin, die an den Start gehen durfte. Im Anschluss wurde das Rennen wegen der schweren Sicht- und Streckenbedingungen abgebrochen. Die drei Stürze bei den ersten sechs Athletinnen dürften ihren Teil dazu beigetragen haben.

Büchel zeigte für den Abbruch kein Verständnis. „Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn man sagt, die Sicht ist nicht gut genug. Die Sicht ist flach, aber man hat keinen Nebel“, beschrieb er den Stand der Dinge.

„Man will hier nichts mehr riskieren, das kann ich menschlich nachvollziehen. Wir haben aber auch die Athletinnen am Start gehört. Die waren perplex und überrascht und haben gesagt: ‚Das ist ein Witz‘“, hielt er fest.

Ortlieb stürzt mit der Nummer eins

Die Abfahrt von Crans-Montana stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Nina Ortlieb verlor an der gleichen Stelle wie später Vonn die Kontrolle und fiel in den Fangzaun. Die Österreicherin, die sich in ihrer Karriere schon 23 Operationen unterziehen musste, verletzte sich glücklicherweise aber nicht ernsthaft und konnte eigenständig ins Ziel fahren.

„Gott sei Dank geht es mir gut. Nach dem ersten Empfinden merke ich gar nichts. Vielleicht ein blauer Fleck am Kinn, sonst geht es mir gut. Da habe ich viel Glück gehabt“, zeigte sie sich im Interview mit dem ZDF erleichtert.

„Der Neuschnee war kein Problem, eher, dass es gestern geschneit hat. Die Piste ist kompakt und hart, aber auch unruhig. Da muss man gut stehen, sonst erwischt es einen gleich. Gerade im Zielhang ist es unruhig und muss auf der Ideallinie fahren“, machte sie die Problematik deutlich.

Schwerer Sturz von Monsen: Helm öffnet sich

Genau der von Ortlieb besagte Schlussteil wurde nur wenige Minuten später Marte Monsen zum Verhängnis. Die Norwegerin raste frontal auf das letzte Tor zu und bekam die Kurve nicht rechtzeitig, wodurch sie bei voller Fahrt in den Fangzaun krachte.

Während sich die Athletin im Zaun mehrfach drehte und überschlug, lösten sich die Ski und sogar ihr Helm. Monsen blieb mit blutigem Gesicht im Zielraum liegen und hielt sich beide Hände an den Kopf.

Die 26-Jährige musste von den Medizinern betreut und mit dem Schlitten abtransportiert werden. Zwar winkte sie dem Publikum zu, jedoch konnte eine schwerwiegendere Verletzung zunächst nicht ausgeschlossen werden.

Offen blieb derweil die Frage, warum sich der Helm vom Kopf gelöst hatte. Dies darf eigentlich auf keinen Fall passieren.

„Das ist mir immer ein Rätsel, wie der Helm abgehen kann. Der Verschluss sollte auf gar keinen Fall von selbst aufgehen“, wunderte sich Büchel.

Maier sieht Sturzfestival zwiegespalten

DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier machte im Interview mit dem ZDF sowohl die schwere Strecke als auch die Fehler der Athletinnen für die Stürze verantwortlich.

„Crans-Montana ist immer schwierig. Es ist eine Abfahrt, die ein gewisses Limit fordert. Die Präparation ist nicht schlecht, aber nicht ganz gleichmäßig. Es ist eine extreme Herausforderung“, gab er zu bedenken.

Aus seiner Perspektive sei jedoch auch „nicht gut genug Ski gefahren worden, um den Anspruch der Piste gerecht zu werden“. Er argumentierte: „Wenn man eine genaue Analyse macht – und da gibt es genug Experten, dann wird man feststellen, dass es individuelle skifahrerische Fehler waren."

Keine Generalprobe mehr vor Olympia-Abfahrt

Es bleibt zu hoffen, dass Monsen, Vonn und Ortlieb mit dem Schrecken davongekommen sind und bei den Olympischen Spielen starten können. Die olympische Abfahrt wird am 8. Februar ausgetragen. Eine weitere Abfahrts-Generalprobe wird es bis dahin nicht geben.

Bei den Spielen werden dann auch die deutschen Asse Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann antreten, die zum Zeitpunkt des Abbruchs noch oben am Startbereich waren. Die US-Amerikanerin Jacqueline Wiles hatte die schnellste Zeit in den Schnee gesetzt, erhielt aufgrund der frühen Absage aber keine Weltcup-Punkte.

Am Samstag soll in Crans-Montana noch ein Super-G (ab 11 Uhr im LIVETICKER) durchgeführt werden.