Von einem „Match für die Ewigkeit“ schreibt der langjährige Wrestling-Journalist Wade Keller vom Pro Wrestling Torch.
AEW: War das das beste Wrestling-Match der Geschichte?
Das beste Match der Geschichte?
Kollege Bryan Alvarez vom Wrestling Observer nennt es „einen absolut unglaublichen All-Timer“. Sean Ross Sapp von Fightful gar von einem Duell, „das sehr wohl mein liebstes Match aller Zeiten werden könnte“. (NEWS: Alle Neuigkeiten zum Thema AEW)
WWE-Konkurrent AEW und die japanische Partnerliga NJPW haben in der Nacht zum Montag bei dem Pay Per View Forbidden Door in Toronto ein Highlight geliefert, das dafür sorgt, dass Fans und Kritiker sich vor Lob überschlagen: Ein denkwürdiger Showdown zwischen den Ausnahmewrestlern Kenny Omega und Will Ospreay dürfte weit vorn landen in vielen ewigen Rankings der besten Matches der Showkampf-Geschichte. Und es war nur eines von zwei „Dream Matches“ mit am Ende etwas überraschendem Ausgang. (HINTERGRUND: Geht Kenny Omega bald zu WWE?)
Der Kanadier Omega und sein britischer Rivale gingen dafür in rund 40 Minuten auf teils Besorgnis erregende Weise an ihre körperlichen Grenzen. Für Diskussionen sorgte überdies auch eine Bezugnahme Ospreays auf den früheren WWE-Star Chris Benoit - am Tag, an dem sich der Fund seiner von ihm ermordeten Familie jährte.
Bezugnahme auf Chris Benoit sorgt für Kritik
Im Match zwischen Omega und Ospreay ging es um den US Title von NJPW - den Gürtel, den sich Omega zu Beginn des Jahres geholt hatte. Das dramatische erste Match der beiden beim japanischen Jahreshöhepunkt Wrestle Kingdom im Tokyo Dome wurde ebenfalls schon als „Instant Classic“ gefeiert. Nun legten sie noch einmal eine Schippe drauf.
Der 30 Jahre alte Ospreay schlüpfte in der kanadischen Heimat des neun Jahre älteren Omega in die Rolle des blut- und rachedurstigen Oberbösewichts, der alles daran setzte, seinen Nemesis vor eigenem Publikum zu besiegen und ihm die Niederlage in seiner Wahlheimat in gleicher Münze heimzuzahlen.
Das Match griff viele Story-Elemente des ersten Duells wieder auf - und wie einst WWE-Legende Shawn Michaels in seiner Hassfehde mit dem kanadischen Volkshelden Bret Hart trieb Ospreay auch das kanadische Publikum zur Weißglut: Er schnappte sich unter anderem die kanadische Flagge eines Fans, wischte sich mit ihr zuerst - Ronald Koeman lässt grüßen - den Hintern ab und putzte sich dann damit die Nase.
Einen direkten Bezug auf Bret Hart nahm Ospreay auch, als er Omega in den Aufgabegriff Sharpshooter nahm, den früheren Finisher des „Hitman“. Einen Schritt zu weit ging er dann nach dem Geschmack vieler, als er die Aktion übergehen ließ in den Crippler Crossface, den Griff, den Benoit bekannt machte. Und das auch noch auf den Tag genau 16 Jahre, nachdem die Leiche Benoits, seiner Frau Nancy und seines Sohns Daniel gefunden worden war.
Die Mehrzahl der Fans vor Ort verstand die Referenz und startete den Sprechchor „You sick fuck“ (“Du krankes Schwein“) - zum zweiten Mal, nach einem ebenfalls darauf angelegten Moment, in dem Ospreay sich das Blut Omegas von seinem Arm abgeleckt hatte.
Will Ospreay besiegt Kenny Omega nach gefährlicher Aktion
Jenseits des fragwürdigen Schockmoments bestach das athletische, spektakuläre und oft auch spektakulär brutale Match durch ein Storytelling, die die Zuschauer in der ausverkauften Scotiabank Arena am Ende völlig von den Sitzen riss.
Den dramaturgischen Höhepunkt lieferte ein Eingriff von Omegas verhasstem Ex-Manager Don Callis, der Ospreay heimlich einen Schraubenzieher reichte, mit dem Ospreay auf Omegas Auge einstach. Als Ospreay seinen Finisher Stormbreaker folgen ließ, schien der Kampf beendet - und das Publikum rastete völlig aus, als Omega stattdessen mit letzter Kraft sein Bein aufs Seil legte und das Cover damit ungültig machte.
Damit nicht genug: Die beiden setzten noch einen drauf, als Ospreay Omega mit seinem eigenen Finisher demütigen wollte, dem One-Winged Angel, aus dem sich in Omegas Karriere noch nie ein Gegner hatte befreien können. Omega selbst kickte aus, als der Ringrichter gerade bis 1 gezählt hatte - und sorgte damit für völlige Fan-Ekstase.
Ospreay sorgte dann allerdings für den brutalen und gefährlichen Höhepunkt des Kampfs: Er zeigte den unter Wrestling-Fans mythisch aufgeladenen Tiger Driver 91 - eine Aktion, bei der er Omega mit vollem Körpergewicht auf dem Nacken landen ließ. Er zitierte damit (wie auch mit seiner grünen Ringbekleidung) die Japan-Ikone Mitsuharu Misawa - die im Ring ums Leben kam, nachdem sie sich bei einer missglückten Aktion den Hals brach.
Nach einem weiteren Stormbreaker pinnte Ospreay Omega und verließ den Ring als Sieger - unter ehrfurchtsvollem Jubel der Fans, aber auch einigen Diskussionen, ob das Risiko, das er und Omega für ihr Match eingegangen waren, zu hoch war.
Bryan Danielson zwingt Kazuchika Okada zur Aufgabe
Im von Ospreay und Omega letztlich etwas in den Schatten gestellten Hauptkampf gab es ein seit vielen Jahren ersehntes Traumduell: Japans Topstar Kazuchika Okada - der Mann, mit dem Omega die wohl beste Matchserie der Geschichte hinlegte - traf auf den US-Edeltechniker Bryan Danielson.
Der ehemalige Daniel Bryan ließ die Fans noch vor dem Ringgong toben, denn er kam erstmals seit über 10 Jahren wieder zu seinem legendären Theme aus der Zeit vor seinem WWE-Durchbruch zum Ring: „The Final Countdown“ von Europa, für das AEW soeben die Rechte eingekauft hat.
Danielson gewann das Match letztlich auf eine Weise, die unerwartet kam: Der „American Dragon“ zwang den „Rainmaker“ zur Aufgabe, als er die Hebelwirkung seines LeBell Lock in so noch nicht gesehener Weise mit den Beinen verstärkte.
Forbidden Door 2023 - die weiteren News und Highlights:
Der Sieg Danielsons war der umjubelte Abschluss einer Show, die so vollgepackt mit wrestlerischen Highlights war, dass die eigentlichen Topstars von AEW diesmal nur eine Nebenrolle spielten: World Champion MJF brachte sein Match gleich zu Beginn hinter sich und feierte einen mit seinem Diamantring unfair herbeigeführten Sieg über Legende Hiroshi Tanahashi.
Nur auf der Undercard war diesmal auch der einmal mehr mit polarisierter Reaktion empfangene Rückkehrer CM Punk, der Altstar Satoshi Kojima bezwang und damit im Gedenkturnier für Bret Harts 1999 tödlich verunglückten Bruder Owen ins Halbfinale einzog.
Eine erwähnenswerte Story-Entwicklung gab es im Match um den Haupttitel von NJPW: Nachdem AEW-Youngster „Jungle Boy“ Jack Perry dem japanischen Champion SANADA unterlag, schlug der Sohn des verstorbenen Schauspielers Luke Perry frustriert seinen eigenen Partner Hook nieder. Perry scheint damit einen „Heel Turn“ hingelegt zu haben und nun eine Fehde mit dem Sohn von Legende Taz um dessen FTW Title zu beginnen.
Die Ergebnisse von AEW x NJPW Forbidden Door 2023:
AEW World Title Match: MJF (c) besiegt Hiroshi Tanahashi
Owen Hart Memorial Tournament First Round Match: CM Punk besiegt Satoshi Kojima
AEW International Title Match: Orange Cassidy (c) besiegt Daniel Garcia, Katsuyori Shibata, Zack Sabre Jr.
IWGP World Title Match: SANADA (c) besiegt Jack Perry
The Elite, Eddie Kingston & Tomohiro Ishii besiegen The Blackpool Combat Club, Konosuke Takeshita & Shota Umino
AEW World Women‘s Title Match: Toni Storm (c) besiegt Willow Nightingale
IWGP United States Title Match: Will Ospreay besiegt Kenny Omega (c) - TITELWECHSEL!
Sting, Darby Allin & Tetsuya Naito besiegen Chris Jericho, Sammy Guevara & Minoru Suzuki
Bryan Danielson besiegt Kazuchika Okada