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Der hässliche Schatten über einem WWE-Klassiker

Ein überschatteter WWE-Klassiker

Heute vor 34 Jahren stieg das legendäre WWE-Match zwischen Bret Hart und dem British Bulldog im Londoner Wembley-Stadion. Es hatte nach Harts Angaben eine trübe Vorgeschichte.
Bret Hart nach seinem legendären WWE-Match gegen den British Bulldog beim SummerSlam 1992
Bret Hart nach seinem legendären WWE-Match gegen den British Bulldog beim SummerSlam 1992
© WWE
Heute vor 34 Jahren stieg das legendäre WWE-Match zwischen Bret Hart und dem British Bulldog im Londoner Wembley-Stadion. Es hatte nach Harts Angaben eine trübe Vorgeschichte.

Es ist ein Match, das zum Mythos wurde. Wegen der gigantischen und atmosphärischen Kulisse. Aber vor allem auch durch die zeitlose Klasse der Performance, mit dem es der Kulisse gerecht wurde.

Bret „The Hitman“ Hart vs. David „Davey Boy“ Smith alias The British Bulldog, der WWE SummerSlam 1992 vor fast 80.000 Fans im Londoner Wembley-Stadion: Es ist ein Klassiker, der Wrestling-Fans auch 33 Jahre danach in Erinnerung ist.

Bei WWE blicken sie gern zurück auf das Highlight, durch das Lokalmatador Smith Heldenruhm erlangte und das vor allem auch Bret Harts Ruf als großer Erzähler des Rings zementierte.

Inzwischen hat sich jedoch auch ein hässlicher Schatten über das legendäre Match gelegt. Protagonist Hart plauderte Jahre später aus, dass Gegner Smith den großen Abend durch eine Drogennacht beinahe ruiniert hätte – während die Witwe des früh verstorbenen Smith dies als üble Verleumdung zurückweist.

British Bulldog soll vor Match gegen Bret Hart im Drogenrausch gewesen sein

Der damals 35-jährige Hart stand seinerzeit, in der Endphase der ersten Ära Hulk Hogans an der Schwelle zum Durchbruch in die höchsten Sphären – und sah die Chance, dem weiter den Boden zu bereiten, als er von der Nachricht hörte, dass seine Liga eine Megashow auf europäischem Territorium plante.

Hart unterbreitete seinem Boss Vince McMahon den Vorschlag, in Wembley den damals von ihm gehaltenen Intercontinental-Titel an seinen Schwager Smith abzugeben, um dem Publikum bei dessen Heimspiel den größtmöglichen Glücksmoment zu verschaffen. Und ihm und Smith damit einen von dieser Stimmung getragenen Meilenstein.

McMahon stimmte zu, zur Freude Brets. In seiner 2009 veröffentlichten Biografie „Hitman“ beschrieb Hart allerdings, dass Smith ihm schon bei den Vorbereitungen auf das große Match Kopfzerbrechen bereitet hätte.

Wie Hart im Vorfeld des Matches mit zunehmender Sorge registrierte, habe Smith das Training schleifen lassen und sich stattdessen auf Partynächte mit dem 2018 verstorbenen Kollegen Jim „The Anvil“ Neidhart konzentriert, Brets anderem wrestlenden Schwager.

Ständig habe er versucht, Smith telefonisch in seiner Wahlheimat Florida zu erreichen. Ständig habe er jedoch stattdessen seine Schwester Diana erreicht, die ihm mitgeteilt hätte, dass ihr Mann „irgendwo mit Jim auf der Piste ist“.

Wenige Stunden vor dem Abflug hätte Neidhart Hart dann mit folgender Nachricht geschockt: „Davey sei high wie ein Flugdrache gewesen, als er in den Flieger eingestiegen sei, sagte Jim. Er wäre die ganze Nacht wach gewesen und hätte Crack mit ihm geraucht.“ Dasselbe sei in den Wochen zuvor auch viele weitere Male geschehen.

„Er war wieder der hilflose Junge“

Dem ebenso besorgten wie enttäuschten Hitman sei demnach gedämmert, dass es an ihm gelegen hätte, das große Match zu retten – und er stellte sich darauf ein, den derangierten Smith durch das Match zu „tragen“, wie es im Branchenjargon heißt.

Vor Ort in London habe Hart Smith darauf eingestimmt, dass er das Match führen würde und Smith nur ein paar Eckpunkte nicht vergessen solle. „Er hat mir nicht in die Augen schauen können“, erinnerte sich Hart an die Gespräche mit dem über sich selbst beschämten Familienmitglied: „Er war wieder der hilflose Junge, den ich zehn Jahre vorher vor Dynamite gerettet hatte.“

Gemeint war „Dynamite Kid“ Tom Billington, Smiths früherer Tag-Team-Partner, legendär als revolutionärer Vorreiter des modernen Wrestling – aber auch als ganz schlechter Einfluss.

„Bret, I‘m fooked“

Nach ausgiebigen Gesprächen mit Smith habe sich Hart wieder einigermaßen sicher gefühlt, dass das Match gelingen würde – auch wegen der Präsenz von Ringrichter-Veteran Joey Marella (wenig später bei einem Autounfall tragisch verstorben). Der Adoptivsohn von Wrestling-Legende Gorilla Monsoon war erfahren darin, bei der Koordination der Showkämpfe mitzuhelfen.

Nach Harts Darstellung teilte Smith ihm aber nach wenigen Kampfminuten während eines Headlock-Würgegriffs die nächste Hiobsbotschaft mit. „Bret, I‘m fooked“, habe Smith in seinem Manchester-Akzent geflüstert, den die Fans von damals noch in den Ohren haben: „Bret, ich bin gef***t. Ich habe alles vergessen.“

Nicht ohne Stolz führte Bret dann aus, dass er den neben sich stehenden Ringpartner dann eben noch mehr an sich gerissen hätte – mit einem speziell unter diesen Umständen beeindruckenden Ergebnis.

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Nach dem Match vergaß der Bulldog auch das Ende

Trotz allem entwickelte sich ein Topmatch, das ausgefeilt und hochspannend war – unter anderem dadurch, dass sich beide aus den Finishern des jeweils anderen befreiten, was damals noch weit weniger üblich war als heute.

Am Ende besiegte der Bulldog Hart in einer berühmt gewordenen Endsequenz: Bret setzte zu einem Sunset Flip an, einer Aktion, bei der er mit einem Vorwärtssalto über den Gegner springt und an den Beinen zu Boden reißt. Der Bulldog allerdings konterte die Standardaktion mit einem einfachen Mittel: Er senkte sich mit seinem Gewicht zu Boden, setzte sich auf Brets Schultern, hakte die Beine ein und pinnte ihn.

Das oft kopierte Finish hatte sich Hart von einem weniger bekannten Weggefährten abgeschaut: dem 2024 verstorbenen Leo Burke, Rivale in der kanadischen Liga STAMPEDE seines Vaters Stu Hart und bei WWE später Trainer, unter anderem von Adam „Edge“ Copeland und Christian Cage.

Nach dem Kampf war laut Hart als dramaturgische Abrundung eigentlich noch eine Sequenz geplant, in der der Bulldog Hart vor den Augen von Frau Diana die Hand reichen und Bret aus Frust zögern sollte, sie anzunehmen – um es dann unter freudiger Erleichterung der Massen doch zu tun.

Smith hatte nach Harts Darstellung jedoch auch das vergessen. Hart habe bei der Siegesfeier verzweifelt Blickkontakt gesucht, um seinen Schwager an das Drehbuch zu erinnern. Smith habe jedoch so lange in die andere Richtung geschaut, bis Bret ihn dann doch einfach umarmt hätte.

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Viele Jahre lang blieb Harts Darstellung der damaligen Ereignisse unwidersprochen. Im April 2026 überraschte dann allerdings Smiths Witwe Diana mit einer späten Replik auf die Ausführungen ihres Bruders, zu dem sie seit vielen Jahren ein gestörtes Verhältnis hat.

Diana Hart nannte Brets Ausführungen in einem vielsagenden Instagram-Post, in dem sie Bret aus einem Erinnerungsbild an das Match herausstrich „unwahr“ und „verleumderisch“. Der tatsächliche Grund für Smiths angeschlagene Gesundheit zum damaligen Zeitpunkt sei eine gefährliche Gewebeinfektion gewesen, die Smith damals vor der Öffentlichkeit verheimlicht hätte.

Ihrem Bruder warf Diana vor, sich auf Kosten ihres verstorbenen Ehemanns profiliert zu haben und seine eigene Rolle in dem Kampf überhöhen zu wollen. Sie spekulierte auch, dass Brets Erinnerung an die damalige Zeit mutmaßlich von seinem Schlaganfall 2002 stark getrübt sei.

Ob Dianas Version der Geschichte tatsächlich näher an der Wahrheit ist, ist schwer zu ergründen. Ihr eigener Ruf ist belastet, seit sie 2001 ein eigenes, viel kritisiertes Enthüllungsbuch über ihre Familie veröffentlichte, das schwere Verwerfungen auslöste und im Jahr darauf nach einer Verleumdungsklage vom Markt genommen wurde. Die Klage kam ausgerechnet von Martha Hart, der Witwe von Brets 1999 tödlich verunglücktem Bruder Owen.

Tragisch früher Tod Smiths 2002

Trotz aller Kontroversen blieb das SummerSlam-Match als größter Moment des British Bulldog in Erinnerung – was allerdings auch daran liegt, dass es mit seiner Karriere und seinem Leben danach bergab ging.

Während Hart kurz nach dem SummerSlam zum WWE-Champion aufstieg, wurde Smith im selben Jahr gefeuert, als herauskam, dass er Wrestlerkollege Ultimate Warrior beim Kauf illegaler Wachstumshormone half. WWE – damals unter dem Druck eines großen, existenzbedrohenden Steroidskandals – griff durch. Der Bulldog wechselte zu Konkurrent WCW und pendelte danach zwischen den damals größten Ligen hin und her, wobei seine Rolle nach und nach kleiner wurde.

2002 starb Davey Boy Smith mit nur 39 Jahren infolge eines Herzinfarkts, mitverursacht durch Drogen, Steroide und eine jahrelange Schmerzmittelsucht.