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Dominik Kahun und Marco Sturm (M.) winkt eine NHL-Chance
Dominik Kahun und Marco Sturm (M.) winkt eine NHL-Chance © SPORT1-Grafik: Getty Images/Paul Hänel
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München - Seit Montag sind die deutschen Eishockey-Helden wieder in der Heimat. SPORT1 erklärt, wie es mit den Nationalspielern nach dem sensationellen Erfolg nun weiter geht.

Die Olympischen Winterspiele 2018 sind vorbei, das deutsche Team ist seit Montag zurück in der Heimat. Besonders euphorisch empfangen wurde dabei die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft, die mit der Silbermedaille ihr eigenes Märchen geschrieben hat.

Doch viel Zeit, die wundersamen Tage in Südkorea zu verarbeiten und den größten Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte zu genießen, haben die deutschen Kufen-Cracks nicht. SPORT1 erklärt, wie es mit den Nationalspielern nach Olympia weitergeht.

- DEL geht am Mittwoch weiter

Bereits am Mittwoch müssen viele schon wieder in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf dem Eis stehen.

"Es ist viel passiert. Jetzt muss man das Erlebte in eine Schublade packen und sich auf den DEL-Alltag konzentrieren", sagte der Kölner Verteidiger Moritz Müller: "Im Sommer macht man die Schublade noch mal auf und holt die tollen Erinnerungen wieder raus."

Großer Empfang! Eishockey-Helden zurück in der Heimat

Gemeinsam mit Christian Ehrhoff und Felix Schütz muss Müller am Mittwoch mit den Haien bei den Iserlohn Roosters antreten (ab 19.30 Uhr im LIVETICKER). Es geht nicht nur für die Kölner drei Spieltage vor Ende der Hauptrunde um jeden Punkt im Kampf um die Playoff-Plätze. Die Haie können noch Vierter, aber auch noch Zehnter werden. "Wir können es uns im Playoff-Kampf nicht erlauben, auf die drei zu verzichten", sagte Pressesprecher Philippe Rasch SPORT1 am Montag.

Noch wichtiger sind die letzten Punktspiele für Kapitän Marcel Goc und die Mannheimer Adler. Der siebenmalige deutsche Meister könnte die Playoffs sogar noch verpassen. Als langjähriger NHL-Profi ist der Angreifer viele Spiele in wenigen Tagen gewohnt. "Ich geh' dahin und zieh mich um, kein Problem", sagte der 34-Jährige.

Der deutsche Meister EHC Red Bull München spendiert seinen Olympia-Helden dagegen einen Kurzurlaub. "Wir haben die Nachricht bekommen, dass wir erst am Sonntag spielen müssen", berichtete Dominik Kahun. Der 22-Jährige war einer von sieben Münchnern in Pyeongchang. Der Titelverteidiger kann sich diesen Luxus erlauben, er hat Platz eins nach der Hauptrunde schon sicher. 

Auch Jonas Müller, Marcel Noebels und Frank Hördler von den Eisbären Berlin dürfen hoffen. "Es kann gut sein, dass sie noch ein paar Tage trainingsfrei bekommen werden. Das besprechen wir mit den Jungs", teilte der Klub SPORT1 am Montag mit.

Im Duell mit München werden die Berliner auch den Olympia-Teilnehmern der Gäste - so sie denn als Zuschauer mitreisen - kleine Geschenke überreichen.

- Wer beendet seine Karriere?

Der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft steht nach Olympia wohl ein Umbruch bevor. "Wir waren schon länger in Gesprächen mit einigen Jungs", sagte Bundestrainer Marco Sturm: "Am Ende entscheiden die Spieler, und es ist noch nichts entschieden. Vielleicht wird die Truppe bei den nächsten Turnieren nicht mehr in dieser Konstellation auf dem Eis stehen." 

Mögliche Kandidaten für ein Karriereende sind DEL-Rekordtorschütze Patrick Reimer und Kapitän Marcel Goc. "Ich muss mal schauen, was der Körper am Ende der Saison sagt", sagte Reimer (35), Olympia habe "auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht". Der zuletzt mehrfach verletzte Goc (34) will seine Entscheidung von seinem geschundenen Körper abhängig machen. "Mal sehen, wie es meinem Knie geht", sagte er. "Im Moment sieht es gut aus. Das wäre schön."

Fahnenträger Ehrhoff hatte dagegen bereits vor Turnierbeginn erklärt, er wolle weitermachen. Auch eine Teilnahme an den Winterspielen in Peking 2022 sei nicht ausgeschlossen. Der 34 Jahre alte Yannic Seidenberg steht ebenfalls weiter zur Verfügung.

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- Wer hat Chancen auf die NHL?

Aus der Tatsache, dass er irgendwann in der NHL coachen möchte, hat Bundestrainer Sturm nie ein Geheimnis gemacht. Mittelfristig "ist es mein Ziel zurückzugehen. Im Eishockey gibt es nichts Besseres als die NHL", sagte Sturm, der als Spieler 1006 Spiele in der NHL bestritt, der Welt. Durch seinen Erfolg mit dem deutschen Team bei Olympia hat der 39-Jährige nun beste Chancen, dies in Zukunft realisieren zu können. 

Pierre Le Brun, größter Eishockey-Experte in Kanada, schrieb bereits auf Twitter: "Ich frage mich, welche Traineraussichten Marco Sturm nun nach Deutschlands überraschendem Durchlauf hat? Könnte der ihn in der Off-Season zu einem NHL-Job führen?"

Neben Sturm haben auch ein paar Spieler mit ihren starken Leistungen Werbung in eigener Sache betrieben. Bestes Beispiel ist der Münchner Angreifer Dominik Kahun, der mit zwei Toren und drei Vorlagen in Pyeongchang überzeugte. "Er ist ein Weltklassespieler, der in jeder Liga spielen kann", sagte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nach der Finalniederlage: "Er hat ein exzellentes Turnier gespielt, jeder Wechsel ist eine Attraktion."

Der 22-Jährige, der vor vier Jahren nach seiner Juniorenzeit in Kanada beim Draft von keinem Klub ausgewählt worden war, liebäugelt mit einem Wechsel in die NHL und hofft nun auf eine neue Chance. Die anderen Olympia-Helden wie Patrick Reimer, Yannic Seidenberg oder auch Goalie Danny aus den Birken sind dagegen zumeist schon 30 Jahre oder älter und dürften es eher schwer haben. Wenngleich zumindest aus den Birken mit seiner Auszeichnung zum besten Torhüter des Turniers auf dem ein oder anderen Notizblock gelandet sein dürfte.

- WM als nächster Höhepunkt

Auch nach dem Saisonende der DEL Ende April haben die Nationalspieler kaum Zeit zum Verschnaufen. Mit der Weltmeisterschaft in Dänemark steht vom 4. bis 20. Mai das nächste Eishockey-Highlight (LIVE auf SPORT1) auf dem Programm.

Im Eröffnungsspiel trifft die deutsche Mannschaft auf Gastgeber Dänemark, danach folgen in der Vorrunde der Gruppe B Norwegen, Südkorea, Lettland, Finnland und Kanada. Neben den Helden von Olympia werden dort auch wahrscheinlich die deutschen NHL-Spieler in den Kader zurückkehren. Sturm hat also die schwierige Aufgabe, aus den Olympia-Teilnehmern und den NHL-Stars wie Leon Draisaitl, Thomas Greiss und Tom Kühnhackl eine neue Einheit zu formen.

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