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Sandra Kiriasis liegt mit dem Bob-Verband von Jamaika über Kreuz
Sandra Kiriasis liegt mit dem Bob-Verband von Jamaika über Kreuz © dpa Picture Alliance
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Pyeongchang und München - Ihr Rauswurf aus dem Bob-Team von Jamaika bringt die deutsche Olympiasiegerin Sandra Kiriasis in eine dramatische Lage. Inzwischen ist sie gelindert.

Die Schlammschlacht zwischen dem jamaikanischen Bob-Verband und Sandra Kiriasis, der deutschen Olympiasiegerin von 2006, nimmt absurde Ausmaße an.

In einem Interview mit der Welt am Donnerstag berichtet die ausgebootete Trainerin, dass der Streit mit ihrem Ex-Arbeitgeber sie in eine dramatische Situation gebracht hat.

"Habe nur das, was ich anhabe"

"Man wies mich aus dem Olympischen Dorf, mir wurde vom Verband die Akkreditierung entzogen, sodass ich nirgendwo mehr hinkomme, ich derzeit also obdachlos bin und noch nicht weiß, wo ich die nächste Nacht schlafen soll", berichtete Kiriasis.

Besonders bitter: Auch an ihre Sachen komme sie nicht mehr heran. Kiriasis habe "nur das, was ich anhabe" bei sich: "Mein Gepäck brachte der jamaikanische Verband an die Bahn und wurde dort in den Container der Koreaner abgestellt. Ohne Akkreditierung komme ich da aber nicht mehr ran und weiß nicht, was ich machen soll. Vielleicht kann jemand aus dem Deutschen Haus das für mich abholen. Ich bin ahnungslos und völlig verzweifelt."

Die 43-Jährige sei "total müde und kaputt", sie hätte die letzten drei Nächte "keine zehn Stunden geschlafen".

Für die Nacht zum Freitag hat Kiriasis nach SPORT1-Informationen eine Bleibe gefunden, es gibt auch Unterstützung aus der Heimat. 

"Ich habe ihr unsere Hilfe angeboten", sagt Thomas Schwab, Vorstandschef des deutschen Bob- und Schlittenverbands BSD zu SPORT1: "Die Sandra ist eine verdiente Athletin und wir würden sie in so einer Situation natürlich nicht hängenlassen. Sollte sie noch mal eine Unterkunft brauchen, würden wir sicherlich ein Bett für sie finden."

Kiriasis vermutet eine Intrige

Die Freude über ihre Mitarbeit an dem vielbeachteten Auftritt von Jazmine Fenlator und Carrie Russell - 30 Jahre nach den "Cool Runnings" der jamaikanischen Bob-Männer in Calgary 1988 - ist Kiriasis gründlich vergangen.

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Jazmine Fenlator (l.) und Carrie Russell gehen bei Olympia für Jamaika an den Start © Getty Images

Sie hatte das jamaikanische Frauen-Bobteam kurz vor dem Start der olympischen Rennen nach heftigen Differenzen mit dem restlichen Trainerteam verlassen.

Die genaue Ursache des Konflikts kennt Kiriasis selbst nicht ("Ich habe bis jetzt keine Begründung bekommen"), sie vermutet eine Intrige von Neidern: "Ich habe alles organisiert, bin erfolgreich mit den Mädels - das wird mir offenbar missgönnt. Es hat sie offenbar angekotzt, dass die Mädels immer gesagt haben, das haben wir alles der Sandra zu verdanken."

Der jamaikanische Verband selbst äußerten sich widersprüchlich: In einer Mitteilung würdigte er den "unschätzbaren Beitrag", den Kiriasis seit dem kurzfristigen Beginn ihres Engagements im Dezember geleistet hätte. Präsident Christian Stokes allerdings giftete dann aber im Gespräch mit der britischen Agentur Reuters, Kiriasis sei eine "destruktive Kraft" gewesen.

Ultimatum an Jamaika

Gefallen lassen will Kiriasis sich die Behandlung jedenfalls nicht.

"Ich habe ihnen ein Ultimatum gestellt, bis zu dem sie mir 20.000 Euro bezahlen müssen, als Aufwandsentschädigung und als Preis für das, was sie über die Saison hinweg von mir genutzt haben", sagt Kiriasis: "Nur dann dürfen sie auch den Schlitten fahren, ansonsten lasse ich ihn wegholen." Besagten Schlitten hat Kiriasis nach eigenen Angaben im nordrhein-westfälischen Winterberg angemietet.

Als neuer Trainer von Fenlator und Russell fungiert nun übrigens Dudley Stokes, einer der Cool-Runnings-Helden von 1988.

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