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Luge - Winter Olympics Day 2
Felix Loch musste nach der Zieleinfahrt getröstet werden © Getty Images

Felix Loch hatte Gold so gut wie sicher. Doch mit einem schweren Fehler im letzten Lauf vergab er die Chance, in die Fußstapfen seines Mentors Georg Hackl zu treten.

Felix Loch saß fassungslos auf seinem Schlitten, sein Vater Norbert beugte sich zu seinem Sohn hinab und nahm ihn tröstend in den Arm.

Mit einem nicht für möglich gehaltenen Fehler im vierten und letzten Lauf hatte Loch gerade die sicher geglaubte Goldmedaille verspielt - sein grober Patzer in der berüchtigten Kurve neun war zu viel. Während Loch als Fünfter mit den Tränen kämpfte, freute sich Johannes Ludwig über Bronze. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

"Man steht unten und weiß: Er muss noch einmal da unten ankommen und sauber nach unten fahren - das ist ihm nicht gelungen. Es war ein grober Fahrfehler und dann war alles weg", analysierte Loch senior bei SPORT1.

Loch mit drei starken Läufen

"Es ist hier schwierig. Es waren drei gute Läufe und halt einer dabei, der scheiße war. Aber das ist Sport und gehört mit dazu. Man kann nicht immer nur ganz oben stehen, aber es ist natürlich bitter. Ich muss eine Nacht drüber schlafen, dann sieht es denke ich wieder anders aus", sagte Loch selbst nach dem Patzer zu SPORT1.

Freud und Leid lagen am Eiskanal von Pyoengchang indes nah beieinander. Mit Ludwigs Bronzemedaille hatte man im Vorfeld nicht unbedingt rechnen müssen. "Saugeil, Lüdi!", rief Andi Langenhan, der seine letzten Winterspiele auf dem enttäuschenden zehnten Rang beendete. 

Ludwig bekannte bei Eurosport: "Das hätte ich echt nicht gedacht, ich bin sprachlos." Als er wieder Worte fand, ergänzte er: "Es war ein Wechelbad der Gefühle, natürlich tut es mir leid für Felix, aber hat so viel erreicht in seinem Rodelleben. Vielleicht freut er sich auch für mich."

Dabei hatte sich Loch in den drei Läufen zuvor noch wild entschlossen und nervenstark präsentiert, der Hattrick nach Einzel-Gold 2010 und 2014 schien sicher, als er zum letzten Mal in die Rinne ging. Dreimal Einzel-Gold, das war vor ihm nur seinem Mentor Georg Hackl gelungen (Service: Der Olympia-Zeitplan).

"Ich war mir absolut sicher, dass er das macht, dass er es runterbringt", sagte Hackl in der ARD über Loch, "aber Fehler können jedem passieren. Die Kurve neun ist auf dieser Bahn der Scharfrichter. Aber der Felix wird es überleben. Er ist nicht der Typ, der den Kopf in den Sand steckt. Er ist geknickt, wir sind alle geknickt, aber wir werden es überleben. Und jetzt müssen wir das mit einem Weißbier runterspülen."

Zu Ludwig sagte er: "Mich freut es wahnsinnig für ihn, das ist ihm sehr zu gönnen. Danke, dass er für uns die Medaille geholt hat."

Gold geht nach Österreich

Mit vier Goldmedaillen - Loch gewann 2014 auch mit der Teamstaffel - wäre Loch erfolgreichster Olympia-Rodler geworden. Doch Gold ging nach seinem Fehler an den Österreicher David Gleirscher, der sich vor Chris Mazdzer (USA) durchsetzte.

Nichts wurde es mit dem historischen vierten Olympiasieg für "Team D" an den ersten beiden Wettkampftagen, obwohl Loch in drei Läufen die jüngsten Zweifel an seiner Leistungsstärke eindrucksvoll weggewischt hatte. Von allen Favoriten zeigte der Berchtesgadener als einziger keine Nerven - bis er doch noch patzte.

Die anderen Medaillenanwärter waren schon vorher aus dem Rennen. Weltmeister Wolfgang Kindl (Österreich) verspielte seine Gold-Chancen schon am Samstag mit einem Fehler im ersten Durchgang und wurde Neunter. Europameister Semen Pawlitschenko (Russland) war mit völlig holprigen Läufen als 14. chancenlos.

Schon in den vergangenen beiden Jahren war das Denkmal Loch ein wenig ins Wanken geraten, ungewohnt viele Fehler und starke Gegner machten ihm das Leben schwer.

Hackl hatte noch auf die Wende gehofft, Loch sei im Wettkampf stabil wie kaum ein anderer. "Gut rodeln, das können zwar viele, das haben wir zuletzt ja häufig gesehen, aber der unbedingte Wille, über Monate und Jahre den Fokus so scharf zu halten - das hebt ihn von den anderen ab." Diesmal reichte das nicht.

Dabei schien seine verhaltene Taktik mit eher sicheren Läufen aufzugehen. Auf der berüchtigten Bahn in Pyeongchang, so Loch, "geht Harakiri eben nicht". Vor allem aufgrund der schwierigen Kurve neun lauerte in jedem einzelnen Lauf ein Fehler, der das komplette Rennen kosten konnte. "Wer da viermal ungeschoren davon kommt", hatte Loch vorhergesagt, "wird am Ende ganz vorne dabei sein." Er war es nicht.

Hoher Besuch baute den 28-Jährigen nach der verpassten Goldmedaille wieder auf: IOC-Präsident Thomas Bach kam zu ihm in die Kabine.

"Das war sehr emotional und es hat mich auf jeden Fall gefreut, dass er noch reingeschaut hat. Ich denke, er weiß auch ganz genau wie das ist, wenn man eine saftige Niederlage einstecken muss", freute sich Loch.

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