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Greaint Thomas behält auch nach der 17. Etappe das Gelbe Trikot
Greaint Thomas behält auch nach der 17. Etappe das Gelbe Trikot © Getty Images
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München - Nairo Quintana gewinnt den "Bergsprint" in den Pyrenäen. Kurz vor dem Ziel bricht Christopher Froome ein. Der erneute Toursieg rückt in weite Ferne.

Chris Froome atmete tief durch, dann verneigte sich der wohl entthronte Herrscher der Tour de France vor seinem Nachfolger.

"Geraint fährt hier absolut brillant und hat Gelb völlig verdient. Ich drücke die Daumen, dass er das jetzt bis Paris durchbringt", sagte der Titelverteidiger, nachdem er beim höllischen Pyrenäen-Bergsprint die womöglich entscheidende Niederlage gegen seinen Teamkollegen Geraint Thomas kassiert hatte. (DATENCENTER: Gesamtwertung der Tour de France)

Froome war mit der Hoffnung auf seinen historischen fünften Gesamtsieg angetreten. Spätestens seit der 17. Etappe am Mittwoch, als der 33-Jährige beim Sieg des Kolumbianers Nairo Quintana schwächelte und erneut Zeit verlor, ist klar: Der Traum wird aller Voraussicht nach unerfüllt bleiben.

Froome war beim brutalen und spektakulären "Bergsprint" durch die Pyrenäen der klar unterlegene Fahrer der Doppelspitze beim Team Sky. Eine Ära nähert sich dem Ende.

Froome nur noch Dritter

Froome erreichte das Ziel auf dem 2215 Meter hohen Col du Portet 48 Sekunden hinter dem Tagesdritten Thomas. Mehr noch: Der angeschlagene langjährige Dominator der Frankreich-Rundfahrt verlor auch den zweiten Platz in der Gesamtwertung an Tom Dumoulin (Sunweb). (SERVICE: Zeitplan und Etappen der Tour de France)

Thomas führt vier Tage vor Tour-Ende mit 1:59 Minuten vor dem Niederländer Dumoulin. Froome (+2:31) ist Dritter. "Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Ich muss zufrieden sein", sagte Dumoulin.

Thomas attackiert sogar noch selbst

Der schleichende Machtwechsel beim Sky-Team vollzog sich an den steilen Hängen der Pyrenäen endgültig. Als Thomas auf den letzten Metern der 65 km kurzen Etappe sogar noch selbst attackierte, war Froome, als unumstrittener Kapitän ins Rennen gegangen, längst hechelnd zurückgefallen. 

Thomas wollte daraus aber keine Vorentscheidung ableiten. "Ich schreibe ihn nicht ab. Chris ist ein Kämpfer, er wird es bis zum Ende probieren", sagte der Waliser, der über den Sieg in Paris auch deshalb "noch nicht nachdenken" wollte: "Ich nehme es wirklich Tag für Tag." Die härteste Prüfung vor dem Tour-Finale am Sonntag hatte Thomas allerdings bravurös gemeistert. (DATENCENTER: Sprint der Tour de France)

Die Zahlen des Tages waren schwindelerregend: Nur 65 km Strecke, davon 38,3 km bergauf, verteilt auf drei anspruchsvolle Anstiege. Insgesamt mussten die Fahrer auf der kurzen Distanz 3126 Höhenmeter überwinden. Für die Sprinter und alle schwachen Bergfahrer ging es einzig um das Erreichen des Zeitlimits, für die Klassementfahrer war die Etappe vorentscheidend.

Tour de France: Die 17. Etappe im Überblick

Einmaliger Start im Formel-1-Stil

Der Start war einmalig in der Tour-Geschichte - und wird es wohl auch bleiben. Im Formel-1-Stil positionierten sich die Top-20 der Gesamtwertung in einer Startaufstellung an der Spitze, dahinter reihte sich der Rest des Feldes ein.

Chris Froome und seine Kollegen starteten im Formel-1-Stil
Chris Froome und seine Kollegen starteten im Formel-1-Stil © Getty Images

Nachhaltigen Eindruck hinterließ die Idee nicht. Nachdem um 15.15 Uhr die Ampel auf Grün geschaltet hatte und das Rennen freigegeben worden war, etablierte sich im Peloton umgehend die gewohnte Formation mit der Sky-Mannschaft an der Front. (DATENCENTER: Bergwertung der Tour de France)  

Keiner der Favoriten geriet auf den ersten beiden der drei Berge in Schwierigkeiten. Das sollte sich ändern. Hart, härter, Col du Portet: 16 km lang, im Schnitt 8,7 Prozent steil und eine einzige Qual. Am gefürchteten Schlussanstieg, der den höchsten Punkt der Tour 2018 markierte, wurde der Kampf um Gelb eröffnet.

Von den Sieganwärtern testete zunächst Froome die Form der Rivalen, als er vorübergehend mit dem Slowenen Primoz Roglic (LottoNL-Jumbo) davonfuhr. Vor allem Dumoulin, ohne Helfer auf sich allein gestellt und zum Handeln gezwungen, war im Finale taktisch im Nachteil. 

Entscheidung erst auf Schlusskilometern

Während Quintana, der sich am Fuße des Col du Portet abgesetzt hatte, dem Sieg entgegenkletterte, neutralisierte sich die Gruppe um Thomas und Froome lange Zeit. Erst auf den Schlusskilometern fiel die Entscheidung zugunsten von Thomas.

Nach der Schinderei gönnt die Tour den Klassement-Fahrern und ihren Helfern am Donnerstag eine kurze Verschnaufpause. Auf der 18. Etappe nach Pau werden die Sprinter ein letztes Mal vor dem Finale in Paris in den Mittelpunkt gestellt. (SERVICE: Zeitplan und Etappen der Tour de France)

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