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Florian Wellbrock, Schwimm-WM
Florian Wellbrock, Schwimm-WM © Getty Images
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Florian Wellbrock holt am letzten Tag der Schwimm-WM in Gwangju die erste deutsche Becken-Goldmedaille. Über die 1500 Meter Freistil setzt er sich knapp durch.

Als die deutsche Hymne erklang, atmete Florian Wellbrock tief durch, schloss die Augen und schluckte. Auf der Tribüne hatte seine Mutter Anja den Kampf gegen die Tränen schon längst verloren.

Nach dem historischen Gold-Double in Gwangju wollte der neue deutsche Schwimmstar keine großen Emotionen zeigen. Was gerade passiert war, hatte er ohnehin noch nicht richtig verstanden: "Es ist unglaublich, das hat vor mir noch keiner geschafft." 

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Zwölf Tage nach seinem Sieg im Freiwasser gewann Wellbrock auch über 1500m Freistil den WM-Titel - und triumphierte als erster Schwimmer drinnen und draußen. Direkt nach seinem unwiderstehlichen Endspurt und dem Anschlag nach 14:36,54 Minuten hatte der 21-Jährige seine Freude noch laut hinausgeschrien. Er saß auf der Leine, klatschte wuchtig mit den Händen aufs Wasser und riss die Arme hoch.

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"Das ist natürlich eine große Nummer", sagte der Magdeburger, der "auch ein bisschen Genugtuung" verspürte. Denn nach dem bitteren Vorlauf-Aus über 800 m fünf Tage zuvor hatten viele am doppelten Wellbrock gezweifelt.

DSV mit bester Medaillenausbeute seit 2009

Doch der selbstbewusste Europameister hatte "das Buch zugemacht und ein neues geschrieben". In einem der spannendsten Langstreckenfinals schwamm er bis 150m vor Schluss Kopf an Kopf mit dem Ukrainer Michailo Romantschuk und dem italienischen Olympiasieger Gregorio Paltrinieri, dann zog er davon. "Hinten raus musste ich nur der Härteste und der Stärkste sein, das habe ich geschafft", meinte er.

Auf der Tribüne fieberte mit einem "wahrscheinlich genauso hohen Puls" wie nach ihrem eigenen Rennen seine Freundin Sarah Köhler mit - ebenso wie seine Eltern. Mutter Anja litt besonders und konnte kaum hinschauen. "Wahrscheinlich muss ich ihr wieder sagen: 'Pass auf! Guck da hin! Dein Sohn schwimmt, die Karten waren teuer'", hatte Vater Bernd zuvor vermutet.

Köhler hatte mit Silber ebenfalls über 1500m die einzige andere Medaille der deutschen Beckenschwimmer gewonnen. Das Schwimmpaar aus Magdeburg sorgte mit seinem Edelmetall-Doppelpack dafür, dass der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) seine beste Medaillenausbeute seit 2009 verbuchte.

Köhler und Wellbrock Deutschlands Olympia-Hoffnungen

Eine mehr hatte Köhler trotz ihres dritten deutschen Rekords in Gwangju am Samstag über 800m als Vierte knapp verpasst. Dabei hatte die 25-Jährige sogar die sonst so übermächtige Rekordweltmeisterin Katie Ledecky in Reichweite gehabt: "Als ich gesehen habe, wie nah ich an ihr dran war, habe ich gedacht: Mein Gott, du bist auf Platz drei. Es ist ein bisschen schade, dass es nicht für Bronze gereicht hat."

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Auch für Olympia im nächsten Jahr sind Wellbrock und Köhler die größten Hoffnungsträger. "Die anderen Jungs schlafen nicht, die wollen mir eins reindrücken", meinte der Doppel-Weltmeister: "Ich habe gezeigt, dass ich auf großer Bühne schwimmen kann, da machen wir nächsten Jahr das Beste draus."

Vizeeuropameister Philip Heintz und Ex-Europameisterin Franziska Hentke waren nur um Hundertstelsekunden am Podest vorbeigeschrammt. Heintz, der seinen Finalstart am Sonntag über 400 m Lagen wegen einer Hüftverletzung absagen musste, versprach: "Nächstes Jahr reißen wir das Ding."

Teamchef Berkhan zieht positive Bilanz

14 Finalteilnahmen, davon neun bei Einzelstarts, bewertete Teamchef Bernd Berkhahn nach nur fünf vor zwei Jahren als "sehr positiven Trend". Auch die 100-prozentige Olympia-Qualifikation der Staffeln besserte die Bilanz auf. Die Lagenstaffeln der Männer, die im Endlauf Achte wurden, und der Frauen, die knapp das Finale verpassten, lösten die Tokio-Tickets Nummer sechs und sieben für den DSV.

Die internationale Spitze um den neuen Poster-Boy Caeleb Dressel, der mit sechs Gold- und zwei Silbermedaillen zum großen WM-Star avancierte, blieb trotz des zarten Aufschwungs in der Regel weit weg. (Medaillenspiegel der Schwimm-WM)

Platz zwölf im Medaillenspiegel der Beckenschwimmer ist nach Rang 17 in Budapest aber immerhin ein kleiner Schritt nach vorne. 

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