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Sepp Maier wurde 75. Der deutsche Jahrhunderttorwart galt zu seiner großen Zeit beim FC Bayern als Spaßvogel, der Weltmeister von 1974 konnte aber auch grantig werden.

Sepp Maier sitzt immer noch der Schalk im Nacken. "Ich fühle mich nicht mal wie 25", sagt der frühere Weltklassetorwart - und lacht. Solange man gesund sei "und eine Gaudi hat, merkt man das Alter nicht". Dass Maier am 28. Februar seinen 75. Geburtstag feierte, ist dem Weltmeister von 1974 in der Tat nicht anzumerken.

Maier spielt leidenschaftlich Golf, geht nach wie vor in die Berge und reist viel. Ruhestand? "Ich will gar keinen Ruhestand haben. Denn dann wird man alt", sagte der Kultkeeper einmal: "Wenn man nichts mehr plant in seinem Leben, kann man sich gleich eingraben lassen." Und das hat Maier noch lange nicht vor.

Auf großen Trubel an seinem Geburtstag hat Deutschlands Jahrhunderttorwart allerdings keine Lust. Deshalb verbrachte Maier den Tag mit seiner Frau Monika in seinem Feriendomizil Dorf Tirol in Südtirol verbringen und nur im "kleinen Kreis" anstoßen. "Wenn ich in München ein großes Fest feiern würde, wäre die Gästeliste doch arg lang", sagte er dem Bayern-Magazin 51.

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Sepp Maier ist eine Legende. Er ist mit 473 Bundesliga-Einsätzen Rekordspieler des FC Bayern München und absolvierte 95 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft, wurde Welt- und Europameister sowie dreimal in Folge Europacupsieger. Die "Katze von Anzing" war bei Fans und Mitspielern gleichermaßen beliebt.

Hoeneß: "Einer der ganz Großen"

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bezeichnet Maier als das "wahrscheinlich größte Original, das je beim FC Bayern in der Bundesliga gespielt hat. Mit Sepp in der Mannschaft war es keine Sekunde langweilig." Für Präsident Uli Hoeneß ist Maier schlicht "einer der ganz Großen". Es gebe "so viele schöne Geschichten, so viel zum Schmunzeln".

Unvergessen ist etwa Maiers Einlage, als er im Olympiastadion während eines Bundesligaspiels nach einer Ente hechtete. In Ludwig Thomas Lausbubengeschichten nahm er eine Nebenrolle ein. Man dürfe aber, betont Rummenigge, "über dem Gaudiburschen den Weltklassetorwart nicht vergessen".

Ohrfeige für einen Reporter

Auch Maier wollte sich nie auf den Spaßvogel reduzieren lassen. "Ich war auch sehr ernst", sagte er einst, aber es nutze ja nichts, "wenn man nach einem Missgeschick griesgrämig rumläuft. Das harte Torhüter-Leben muss man mit Humor tragen."

Dennoch. "Ich war schon mal grantig zu Reportern. Einen habe ich sogar geohrfeigt. Der hatte ständig unfair über mich berichtet. Eine saubere Watschn war das, rechts und links, zackzack. Danach war der nur noch nett zu mir", erzählte er schmunzelnd.

Maier beschimpft Klinsmann

Den ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann ohrfeigte Maier nicht - richtig sauer war er trotzdem, als Klinsmann 2004 keine Verwendung mehr für den Bundestorwarttrainer hatte. Als "linken Schleimer" bezeichnete ein gekränkter Maier Klinsmann anschließend. Bevor Klinsmann 2008 den FC Bayern als Coach übernahm, machte Maier in München nach 49 Jahren, davon 14 als Torwarttrainer, Schluss. 

Als Torwart musste er mit 35 Jahren aufhören. Vielleicht hätte er auch mit 40 noch im Tor gestanden, wenn nicht dieser 14. Juli 1979 gewesen wäre. Auf der Heimfahrt vom Training verunglückte Maier mit dem Auto auf regennasser Straße.

Schwere Verletzungen nach Autounfall

Was zunächst nur mit "äußerlichen Verletzungen" diagnostiziert worden war, entpuppte sich als Lungenriss, Zwerchfellriss und Leberstauchung. Hoeneß reagierte prompt - in einer Nacht- und Nebelaktion ordnete der damalige Manager die Verlegung von einem Kreiskrankenhaus in eine Universitätsklinik an. "Der Uli hat mir das Leben gerettet", so Maier: "Ohne OP hätte ich den Montag nicht überlebt."

Mit Fußball war danach Schluss. "Jo mei", sagt der Ur-Bayer, der in Metten/Niederbayern geboren wurde, "ich hatte in meiner Karriere auch sehr viel Glück." Maier blieb in über 17 Jahren mit tollkühnen Flugeinlagen im Strafraum, "meinem Wohnzimmer", von schweren Blessuren verschont. Aussetzen musste er nur ein einziges Mal, für drei Spiele, nach einer Innenbandverletzung in der Saison 1965/66: "Danach habe ich durchgespielt, 13 Jahre lang, 442-mal am Stück. Das ist bis heute Bundesligarekord."

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