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Boris Becker und Andre Agassi (r.) bei den French Open 1991
Boris Becker und Andre Agassi (r.) bei den French Open 1991 © Getty Images
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München - Andre Agassi macht in seiner glanzvollen Karriere eine erstaunliche Wandlung durch. Der Mann, den eine deutsche Ikone zurück in die Spur brachte, wird 50 Jahre alt.

"Wenn du keinen Respekt hast, dann hast du keinen Herzschlag, dann hast du keinen Kampfgeist. Und den brauchst du, um überleben zu können."

Worte, die fesseln, die mahnen, die motivieren.

Gesagt von einem Sportler, dem man diese Ernsthaftigkeit gar nicht abnehmen mag, zumindest nicht dem jungen Paradiesvogel.

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So betrat einst Andre Agassi als 16-Jähriger die Tennisbühne: mit zerrissenen Jeans, unangepasst, langhaarig. Von Respekt hielt der Junge aus Las Vegas zunächst nicht viel.

Becker: "Das war mir suspekt"

Das kam vor allem bei seinen Kollegen nicht gut an. "Als du damals im Profi-Tennis auftauchtest, konnte ich mit dir zunächst nicht viel anfangen", schrieb Boris Becker in einem offenen Brief via Bild am Sonntag an Agassi, der am Mittwoch seinen 50. Geburtstag feiert.

Er habe die zerrissenen Jeans und die gefärbten Haare nicht ernst nehmen können, schrieb Becker weiter: "Du hast dein Image gepflegt und agiert, als sei dir wichtiger, wie du bei den anderen ankommst und nicht, wie du wirklich bist. Das war mir suspekt."

Das wiederum war Agassi egal. Mit seinem Power-Tennis stieg er unaufhaltsam zu einem der besten Spieler aller Zeiten auf. Sein Return gilt bei Experten als der beste, den die Welt je gesehen hat.

Mit 17 gewann er sein erstes Turnier, mit 18 triumphierte er erstmals in Deutschland beim Turnier in Stuttgart, mit 20 gewann er an der Seite von Michael Chang den Davis-Cup mit den USA.

Bei den Grand-Slam-Turnieren aber wollte es zunächst nicht richtig klappen. Dreimal stand er im Finale, musste sich aber immer geschlagen geben.

Agassi holt ersten Major-Titel in Wimbledon

Das änderte sich erst, als Agassi 22 war - in Wimbledon. Ausgerechnet! Dieses Turnier, bei dem die Spieler nur in weiß antreten dürfen, war dem bunten Vogel so sehr verhasst, dass er es drei Jahre lang boykottierte.

1992 aber wurde der noble Londoner Stadtteil zum Schauplatz seines bis dato größten Erfolgs. Nach Siegen über Becker und John McEnroe gewann er auch das Finale in einem legendären Fünfsatzkrimi gegen Goran Ivanisevic.

Bis 1996 folgten Siege bei den US Open, den Australian Open und den Olympischen Spielen in Atlanta. Schon 1995 hatte der Sohn eines iranischen Boxers erstmals die Spitze der Weltrangliste erobert.

Nach dem Olympiasieg durchlebte Agassi jedoch die schwerste Zeit seines Berufslebens: Er zog sich häufig Verletzungen zu, konsumierte Chrystal-Meth und wollte nichts mehr mit Tennis zu tun haben. Ja, er hasste den Sport, der ihn berühmt gemacht hatte. In diese Zeit fiel auch die kurze und turbulente Ehe mit Schauspielerin Brooke Shields.

Was damals noch niemand ahnen konnte, wurde nur wenig später Gewissheit. Agassi befreite sich aus dieser tiefen Krise mit Hilfe einer Frau, die in ihrer bodenständigen Art genau das Gegenteil von Hollywood-Diva Shields darstellte: die deutsche Tennis-Ikone Steffi Graf.

Agassi schwärmt von Graf

Beide heiraten 2001 und bekamen kurze Zeit später zwei Kinder, erst Jaden Gil, dann Jaz Elle. "Ich war wie vom Donner gerührt, absolut hingerissen von ihrer bescheidenen Anmut, ihrer natürlichen Schönheit", schrieb Agassi in seiner Autobiografie "Open" über seine große Liebe.

Mit dem privaten Glück fand Agassi auch den sportlichen Erfolg wieder. Schon 1999 feierte er mit seinem ersten Sieg bei den French Open einen historischen Erfolg. Seitdem ist er nur einer von sehr wenigen Spielern, die alle vier Grand-Slam-Turniere und das Tennisturnier bei Olympia gewannen.

Zu der Zeit hatte er sich längst von seinen langen Haaren getrennt, die sowieso nur überwiegend künstlicher Natur waren, wie er später einmal zugab.

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Mit kahlgeschorenem Haupt strebte er dann dem Ende seiner sportlichen Karriere entgegen. Davor aber schuf er noch die Voraussetzungen für das Leben danach. In dem Jahr, in dem er Steffi Graf heiratete, gründete er auch die Andre Agassi College Preparatory Academy in Las Vegas.

Glücksfall für benachteiligte Kinder

Dort werden nun schon seit fast 20 Jahren benachteiligte Kinder in den Klassen eins bis zwölf unterrichtet - von exzellenten Lehrern, mit hochmoderner Ausstattung. Das anfangs erwähnte Zitat von ihm ist eines der Leitsätze, die er den Kindern mit auf den Weg gibt.

"Die Schule ist eine Oase in einer Welt, die von Gewalt und Unruhe geprägt ist. Ein Ort, der den Kids die Ruhe und den Frieden geben soll, den jedes Kind verdient hat", wird Agassi in der Zeitung Die Welt zitiert.

Aus dem rebellischen Exzentriker von einst ist längst ein Mensch geworden, für den das Wohl anderer mindestens genauso viel wert ist wie die eigenen Erfolge als Tennis-Profi.

Respekt, Andre Agassi!

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