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Novak Djokovic macht sich im Jahr 2020 mehr Feinde als Freunde
Novak Djokovic macht sich im Jahr 2020 mehr Feinde als Freunde © Imago
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München - Mit der Gründung einer neuen Spielergewerkschaft sorgt Novak Djokovic für Aufsehen. Die ATP warnt vor Konsequenzen, auch Roger Federer und Rafael Nadal reagieren kritisch.

Mit brachialer Gewalt - gar nicht so wie seine Spielweise auf dem Platz - preschte Tennis-Superstar Novak Djokovic nach vorne. (US Open im LIVETICKER)

Gemeinsam mit dem Kanadier Vasek Pospisil und dem US-Amerikaner John Isner gründete der Serbe die neue Spielergewerkschaft Professional Tennis Players Association (PTPA) und sorgte unmittelbar vor den US Open für enorme Aufregung im Tenniszirkus.

Rafael Nadal schrieb: "Es ist Zeit für Einheit, nicht für Spaltung." Sofort erhielt er Unterstützung von Grand-Slam-Rekordchampion Roger Federer. "Dies sind unsichere und herausfordernde Zeiten. Aber ich glaube daran, dass es sehr wichtig für uns ist, als Spieler zusammenzustehen", schrieb der Schweizer über den geteilten Tweet von Nadal.

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Nadal und Federer sind sich einig

Während sich Nadal und Federer also einig sind, spaltet Djokovic einmal mehr die Tennis-Szene. Der Zeitpunkt ist clever gewählt, schließlich fehlen Federer und Nadal bei den Turnieren in den USA und werden daher nicht ständig bei Pressekonferenzen zu ihrer Meinung gefragt.

Kurios: Als Federer mit Nadals Unterstützung im April noch eine Vereinigung von ATP und WTA vorschlug, schrieb Pospisil, dass sich die ATP damit schon seit Januar beschäftigt. Die Gründung einer eigenen Spielergewerkschaft kommt daher überraschend - auch weil keine einzige Tennis-Spielerin dabei ist.

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Djokovic hatte derweil zuletzt als Präsident des ATP-Spielerrats für Aufsehen gesorgt, als er unbedingt Justin Gimelstob als neuen ATP-Chef installieren wollte, während Federer und Nadal am bisherigen Chef, Chris Kermode, festhalten wollten.

Doch aufgrund einiger Skandale in der Vergangenheit wurde Gimelstobs Kandidatur abgelehnt. Stattdessen übernahm Ex-Profi Andrea Gaudenzi das Amt. Angesichts seines jetzigen Vorstoßes mit der Gründung der PTPA offenbar zum Missfallen von Djokovic.

Djokovic tritt als Präsident von ATP-Spielerrat zurück

Sein Amt im ATP-Spielerrat hat der Serbe laut Medienberichten bereits niedergelegt. Ein unausweichlicher Schritt, der von der ATP auch gefordert wurde,

Diese wandte sich in einem Schreiben, das der New York Times vorliegt, mit klaren Worten an die Spieler. So bezeichnet Gaudenzi die Bildung einer konkurrierenden Spielerorganisation als eine "existenzielle Bedrohung für die ATP" und schreibt, die Gruppe dürfe nicht erwarten, von den Turnieren anerkannt zu werden. Die Spieler sollten die Konsequenzen nicht "auf die leichte Schulter nehmen".

Djokovic-Unterstützer Pospisil verkündete ungeachtet dessen via Twitter kurz darauf die Gründung der PTPA und postete dazu ein Foto, das ihn, Djokovic und viele weitere Spieler mit Interesse an der PTPA-Mitgliedschaft zeigt.

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Es wäre das erste Mal in der Tennis-Geschichte, dass sich Spieler unabhängig organisieren, wie es in den USA etwa in den großen Sportligen der Fall ist. Die Herren-Tour bei den Männern wird von der ATP organisiert, die Damen-Tour von der WTA. Zudem gibt es den Weltverband ITF und die vier Grand-Slam-Turnierveranstalter.

Nadal, Federer und Co. wehren sich mit Schreiben

Die verbliebenen Mitglieder des Spielerrats, Nadal, Federer, Jürgen Melzer, Kevin Anderson, Bruno Soares und Sam Querrey sind mit dem Zeitpunkt und der Art des Vorgehens aber nicht einverstanden und gingen kurz zuvor ebenfalls in die Offensive.

In einer Mitteilung bemängelte der ATP-Rat, dass die neue Vereinigung mehr Fragen aufwerfe als beantworte. So sei unter anderem unklar, wie sich die Vereinigung finanziere oder was sie den Spielern bringen solle.

Weiter hießt es in dem Schreiben: "Wir befürworten die Gründung einer neuen Spielervereinigung nicht. Wir glauben, es ist die falsche Zeit, diesen Weg zu beschreiten. Das untergräbt die Möglichkeiten unseres neuen Managements, ihre Vision des Sports zu verwirklichen."

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Der Hauptvorwurf von Seiten des ATP-Rates ist allerdings das Vorgehen der Gruppe um Djokovic: "Wenn die Interessen aller Spieler repräsentiert werden sollen, warum sind dann viele Spieler gar nicht inbegriffen? Warum wurde der Spielerrat nicht einmal gefragt?"

Zudem teilten sie mit, dass sie nicht generell gegen eine eigene Spieler-Vereinigung sind, die aktuelle Variante aber wenig Vorteile bringt und sogar die (finanzielle) Sicherheit der Spieler aufs Spiel setzt.

Zverev aufgeschlossen gegenüber PTPA

Andy Murray bemängelte vor allem, dass die Damen in den Plänen von Djokovic und Co. komplett außen vor sind. In einem Statement von Pospisil auf Twitter heißt es dazu jedoch, dass man im Dialog mit der Damen-Seite sei und um die Bedeutung des Frauentennis' wisse.

Aufgeschlossen gegenüber der neuen Organisation ist Alexander Zverev. Er hoffe "schon, dass sich ein paar Dinge ändern" und ist deshalb "froh, dass Novak und Vasek sich so beschäftigen", erklärte Zverev: "Weil Novak kann auch sagen: 'Ich bin die Nummer eins der Welt und habe andere Dinge zu tun.'"

Dass dem nicht so ist, dürfte spätestens seit Samstag allen klar sein. Ob diese brachiale Vorgehensweise aber auch zielführend ist, bleibt abzuwarten.

Fakt ist: Der Tennis-Sport steht vor seiner Zerreißprobe - und der Ausgang ist aktuell mehr als ungewiss.

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