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Dominic Thiem (l.) und Nicolas Massu arbeiteten erstmals im Februar miteinander
Dominic Thiem (l.) und Nicolas Massu arbeiteten erstmals im Februar miteinander © Imago
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München - Dominic Thiem greift bei den French Open nach seinem ersten Grand-Slam-Titel. Hinter ihm liegt ein einzigartiger Trainerwechsel, dessen Wirkung umstritten ist.

Trainerwechsel sind im Tennis längst Normalität geworden. Mal trennt sich ein Spieler nach einer längeren Durststrecke von seinem Coach, mal kommt das Ende aus heiterem Himmel.

Bei Dominic Thiem war die Lossagung von seinem Coach alles, nur nicht normal. 17 Jahre lang hatte Günther Bresnik den mittlerweile 25-Jährigen geformt, aus ihm einen Top-5-Spieler und French-Open-Finalisten gemacht. Eine Antithese in der von ständiger Veränderung getriebenen Tenniswelt.

Die Erfolgsgeschichte des Duos war einzigartig, Bresnik brachte sogar ein Buch mit dem Titel "Die Dominic-Thiem-Methode - Erfolg gegen jede Regel" heraus.

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Bresnik trainierte zuvor auch Boris Becker und Henri Leconte, er war neben Thiems Trainer auch sein Manager und organisierte die Termine. (Alle Ergebnisse der French Open)

Funkstille zwischen Thiem und Bresnik

Im April beendete Thiem die erfolgreiche Beziehung überraschend, über das Aus haben die beiden noch immer nicht gesprochen. Zunächst trennte er sich von Bresnik als Coach, anschließend auch als Manager.

"Meine persönliche Freiheit auf und neben dem Platz ist gewiss ein zentraler Punkt hinter diesem Entscheid", erklärte der 25-Jährige der New York Times. Er genieße die harten Trainings und die Spiele wieder, "das war definitiv nicht immer der Fall in den letzten zwei, drei Jahren."

Der ungewöhnliche Schritt hat sich für Thiem scheinbar gelohnt, wie im vergangenen Jahr steht der Rechtshänder im Finale der French Open. Im Halbfinale rang er mit beeindruckender Willensstärke die Nummer eins der Setzliste Novak Djokovic in fünf Sätzen nieder. Das letzte Hindernis auf dem Weg zum Titel heißt Rafael Nadal, der Thiem in seinem ersten Grand-Slam-Finale vor einem Jahr noch klar in drei Sätzen geschlagen hatte.

Spielt Thiem ähnlich stark auf wie gegen den Serben, ist er auch gegen Paris-Dominator Nadal nicht chancenlos (French Open: Rafael Nadal - Novak Djokovic ab 15 Uhr im LIVETICKER).

Thiem setzt auf Massu

Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich Thiem neu aufgestellt. Sein neuer Manager heißt Herwig Straka, der nebenbei Direktor des ATP-Turniers in Wien ist. Die Wahl mag überraschen, jedoch nicht so sehr wie die seines Trainers: Nicolas Massu heißt der neue Coach des Sandplatz-Spezialisten, 2004 Olympiasieger - und zuvor Co-Trainer unter Bresnik.

Dieser hatte den Chilenen in langen Einzelgesprächen darauf vorbereitet, auf was er als Trainer zu achten hatte, wenn Bresnik nicht selbst bei Thiems Spielen vor Ort sein konnte. Mit Co-Trainer Massu errang Thiem im März seinen bislang größten Erfolg, im Finale des Turniers von Indian Wells schlug er Roger Federer. Kurze Zeit später sagte sich der Österreicher von Bresnik los.

Lautstarke und leidenschaftliche Unterstützung

Die Unterschiede zwischen den beiden Übungsleitern sind frappierend: Während Schleifer Bresnik meist mit verschränkten Armen auf dem Trainingsplatz stand und bei Matches stoisch in der Box verharrte, verhält sich Massu gegensätzlich. Der frühere Top-10-Spieler ist ein Nervenbündel, unterstützt seinen Klienten lautstark und leidenschaftlich.

Obwohl diese Leidenschaft und die neue Freude am Spiel Thiem sichtlich gut tun, ist Bresniks Meinung über Massu von Zweifeln durchtrieben. "Ein Trainer ist er für mich nicht. Einen Trainer messe ich daran, was er jemandem beibringen kann", sagte der 58-Jährige vor einigen Tagen der Neuen Zürcher Zeitung.

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"Es reicht nicht, ein Cheerleader zu sein"

Allerdings gibt selbst der langjährige Erfolgscoach zu, dass Thiem "fast perfekt ausgebildet" sei und Verbesserungen höchstens noch im Minimal-Bereich möglich seien. Auch die Botschaft des legendären McEnroe-Trainers Larry Stefanki spricht nicht unbedingt für Thiems Wechsel. "Massu dirigiert einen sehr guten Spieler, aber für einen Trainer reicht es nicht, ein Cheerleader zu sein", kritisierte der 61-Jährige in der L’Équipe.

Vielleicht hat den größten Anteil an Thiems jüngsten Erfolgen deshalb ein Mann, mit dem er gar nichts mehr zu tun haben möchte: Günther Bresnik.

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