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Michael Chang sorgte gegen Ivan Lendl für eine Sensation
Michael Chang sorgte gegen Ivan Lendl für eine Sensation © SPORT1-Montage: Marc Tirl/Imago/Picture Alliance
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München - Vor 30 Jahren sorgt Michael Chang für die wohl größte Sensation bei den French Open, als er Ivan Lendl in die Knie zwingt. Dabei helfen ihm auch Psychotricks.

Als Michael Changs finaler Psychotrick aufgegangen war, ging er in die Knie. Der junge Tennisspieler fasste sich an den Kopf. Chang konnte kaum glauben, welche Sensation ihm bei den French Open soeben gelungen war.

Auf der anderen Seite des Netzes stand ein konsternierter Ivan Lendl. Er hatte das vom Guardian als "David gegen Goliath auf Sand" beschriebene Duell verloren. Sein Kontrahent hatte keine Steinschleuder eingesetzt, dafür Mondbälle, einen Trickaufschlag und eine ungewöhnliche Aufstellung beim Return. "Es war das verrückteste Match, das jemals in Paris, wenn nicht in der ganzen Tennisgeschichte gespielt wurde", sagte Tennislegende John McEnroe später über dieses Achtelfinale.

Eigentlich waren die Vorzeichen an diesem 5. Juni 1989 klar. Zwei Spieler, die unterschiedlicher nicht sein konnten, betraten vor 30 Jahren den Center Court. Auf der einen Seite: Ivan Lendl aus Ostrau in der Tschechoslowakei. Dieser stoische Mann ohne Lächeln. Der mit den großen Schweißbändern. Und den Sägespänen in der Tasche.

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Ihm gegenüber stand ein noch unbekannter Mann. Oder vielmehr: Ein unbekannter Bursche. Michael Chang war bei dem Spiel gerade mal 17 Jahre und drei Monate jung.

Klarer Erfolg über Sampras

Seine Eltern Betty und Joe waren aus Taiwan in die USA emigriert. Der Sohn verließ im Alter von 16 Jahren die High School, um Profi zu werden. Das Duell mit dem großen Lendl bei den French Open hatte er sich mit guten Leistungen in Paris verdient. So gewann Chang die Zweitrunden-Partie mit 6:1, 6:1, 6:1 – gegen einen gewissen Pete Sampras.

Doch Lendl schien für ihn eine Nummer zu groß zu sein. Der damals 29-Jährige war ja auch Weltranglisten-Erster und hatte schon dreimal das Grand-Slam-Turnier in Paris gewonnen. Die ersten beiden Sätze gewann Lendl. Es schien eine schnelle Vorstellung zu werden.

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Doch Chang kämpfte sich zurück. Satz drei ging an den Außenseiter. Nun packte dieser listige Teenager vermehrt seine Mondbälle aus. Chang verpasste der gelben Filzkugel eine unglaubliche Flugkurve. Damit brachte er Lendl aus dem Konzept. Der Favorit produzierte leichte Fehler und fluchte. "Dieser Platz ist absurd", brüllte Lendl, nachdem er wieder einen Ball verschlagen hatte.

Chang machte seinen Gegner durch die unorthodoxen Schläge lächerlich und brachte sich gleichzeitig zurück ins Spiel. Dennoch überwog bei den Zuschauern die Skepsis, dass es mit der Sensation klappen könnte.

Bananen und literweise Wasser

Denn Chang schien körperlich am Ende zu sein. "Ihm wackeln die Knie", erklärte ARD-Kommentator Heribert Faßbender. Chang plagten Krämpfe. Der US-Amerikaner verschlang während der Spielpausen eine Banane nach der anderen, schütterte literweise Wasser in seinen ausgelaugten Körper. Es half: Chang holte dank seiner Willensstärke auch Satz vier.

Die große Zaubershow hatte er sich für den finalen Durchgang aufgespart. Chang führte mit 4:3 und hatte Aufschlag. Er tippte den Ball auf, schaute nach oben und dann packte er einen unglaublichen Trick aus: Chang schlug von unten auf.

Der verdutzte Lendl konnte den Return nur lasch zurück ins Feld spielen. Chang drosch nun den Ball mit der Vorhand auf den Körper seines Kontrahenten. Lendl blieb keine Chance, um zu reagieren. Die Zuschauer johlten ob dieser genialen Finte. "Ich hatte mehr Mühe, den Aufschlag zu halten, als Ivan zu breaken. Ich musste mir etwas einfallen lassen", sagte Chang später in der Neuen Zürcher Zeitung über diesen legendären Ballwechsel.

Beim Aufschlag an die T-Linie

Chang hatte schließlich Gefallen an den Psychospielchen gefunden. Er erkämpfte sich bei Lendls Aufschlag einen Matchball. Chang schlich sich nach vorne, stand auf einmal an der T-Linie. Lendl schaute entgeistert zum Schiedsrichter, versprach sich Hilfe vom Unparteiischen. Doch Chang hatte nicht gegen Regeln verstoßen. Er wollte seinen Gegner lediglich aus dem Konzept bringen. Das gelang.

Lendl produzierte einen Doppelfehler und beendete so ein episches Match. 4 Stunden und 43 Minuten hatte dieses Achtelfinale gedauert. Als das 4:6, 4:6, 6:3, 6:3, 6:3 aus Changs Sicht feststand, gab es auch Jubel in Roland Garros. Die Zuschauer gönnten diesem raffinierten Jungprofi den Sieg.

Dass Chang nach diesem Kraftakt noch weitere Siege in Roland Garros holen würde, durfte bezweifelt werden. Er wirkte fix und fertig. Doch Chang rappelte sich auf, schlug Ronald Agenor aus Haiti im Viertelfinale und Andrej Tschesnokow aus der Sowjetunion im Halbfinale.

Finalerfolg über Stefan Edberg

Im Endspiel wartete der Schwede Stefan Edberg. Wieder sahen die Zuschauer einen Krimi, den Chang in fünf Sätzen mit 6:1, 3:6, 4:6, 6:4, 6:2 gewann. Er holte als jüngster Spieler der Tennis-Geschichte einen Grand-Slam-Titel – den Rekord hält der US-Amerikaner bis heute.

Chang konnte danach kein weiteres der großen vier Turniere gewinnen. Dreimal schaffte er es noch in ein Endspiel. Doch Thomas Muster war 1995 in Paris zu stark. 1996 verlor Chang das Finale der Australian Open gegen Boris Becker und das der US Open gegen Pete Sampras.

Auf der ATP-Tour gewann der Rechtshänder in seiner Karriere zwar insgesamt 34 Turniere. Doch der Erfolg bei den French Open stand über allen. "Diese zwei Wochen in Paris waren ein großer Spaß, die beste Zeit meines Lebens", sagt Chang.

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