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Auch bei den US Open hat Roger Federer seine Spuren hinterlassen und gehört mit fünf Erfolgen zu den Rekordsiegern
Auch bei den US Open hat Roger Federer seine Spuren hinterlassen und gehört mit fünf Erfolgen zu den Rekordsiegern © Getty Images
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Die US Open gehören zu den vier Grand Slam-Turnieren und sind somit immer ein Highlight des Tenniskalenders. SPORT1 zeigt die Sieger seit der Open Era.

Die US Open (offiziell: United States Tennis Championships) sind das zweitälteste Grand Slam-Turnier. Lediglich Wimbledon hat schon einige Jahre früher die ersten Wettbewerbe ausgespielt. Allerdings sind die US Open das einzige Grand Slam-Turnier, das auch während der Weltkriege ausgetragen wurde. Damit fand das Turnier seit seiner Gründung jedes Jahr statt.

Die US Open haben eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In der Anfangszeit fanden die Herrenwettbewerbe unter dem Namen U.S. National Championship von 1881 bis 1914 in Newport (Rhode Island) statt. Heute wird dort das ATP-Turnier von Newport ausgespielt.

Die Damen hingegen spielten ab 1887 im Philadelphia Cricket Club. Erst mit dem Umzug in den West Side Tennis Club in Forest Hills in Queens (New York) wurden die Damen- und Herrenwettbewerbe zusammengelegt. 1978 zog man dann in das USTA Billie Jean King National Tennis Center, wo das Louis Armstrong Stadium als Center Court diente. 1997 zog man in das neu errichtete Arthur Ashe Stadium um.

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Mit 22.547 Sitzplätzen ist das Stadion das mit Abstand größte Tennisstadion der Welt.

Die lange Suche nach dem Belag

Wie bei den Wimbledon Championships wurden auch die US Open zu Beginn auf Rasen ausgetragen. Diese Tradition hielt sich über lange Jahre. Aber 1975 entschieden sich die Verantwortlichen, von Rasen auf Sand zu wechseln. Dieser Belag konnte aber nicht überzeugen, weswegen das Experiment nach drei Jahren wieder beendet wurde.

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Seit 1978 wird auf Hartplatz gespielt. Damit sind die US Open auch das einzige Grand Slam-Turnier, das bereits auf drei verschiedenen Belägen ausgespielt wurde.

Die US Open: Laut und innovativ

Jedes Grand Slam-Turnier hat seine Besonderheiten. Bei den US Open kann man sagen, dass sie für Lautstärke und Innovation stehen.

Durch die immer wieder über die Anlage fliegenden Flugzeuge und die Musik, die während der Seitenwechsel gespielt wird, übertrumpfen die US Open die anderen Grand Slam-Turniere an Klangvolumen um Längen.

Dazu sind die Verantwortlichen des Turniers auch immer wieder offen für Neuerungen. So wird in Flushing Meadows bereits seit 1975 unter Flutlicht gespielt. Dazu gibt es keine Ballkinder im traditionellen Sinne, sondern es werden Jugendliche und junge Erwachsene eingesetzt.

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Als besonderes Highlight sitzt im Arthur Ashe Stadium und dem Louis Armstrong Stadium je eine Person, die den Ball mit einem Richtmikrofon verfolgt. So sollen die Geräusche der Ballwechsel besser für die Zuschauer eingefangen werden.

US-Amerikaner dominieren

Doch bei aller Innovation und Lautstärke, am Ende wollen die Zuschauer Spitzentennis auf den Plätzen sehen - und das ist bei den US Open garantiert.

Die Siegerliste des Turniers liest sich wie das Who is Who der internationalen Tenniswelt. Dabei dominieren in den Rekordlisten vor allem die US-Amerikaner. Aber ein europäischer Superstar ließ es sich nehmen, auch diesem Turnier seinen Stempel aufzudrücken.

SPORT1 stellt die erfolgreichsten US Open-Sieger (vier Titel und mehr) seit Beginn der Open Era im Jahr 1968 vor:

5 Siege: Jimmy Connors - Der erste Dominator

US Open-Siege: 1974, 1976, 1978, 1982, 1983

James Scott (kurz Jimmy) Connors war der prägende Tennisspieler der 1970er und frühen 1980er. Seine 109 Turniersiege sind noch bis heute die gültige Bestmarke. Dazu rangierte er 268 Wochen an der Spitze der Weltrangliste und beendete fünf Jahre in Folge (1974 - 1978) die Saison als Nummer eins.

Zu diesen bereits imposanten Zahlen kommen noch acht Erfolge bei Grand Slam-Turnieren. Sein bevorzugtes Turnier waren die US Open. Fünf der acht Titel holte er bei seinem Heimturnier in Flushing Meadows.

PLATZ 1 - JIMMY CONNORS - 109:
PLATZ 1 - JIMMY CONNORS - 109: © Getty Images

"Ich habe meine DNA hier gelassen. An diesem Platz habe ich mir meinen Ruf verschafft - nein, dieser Ort hat mir meinen Ruf verschafft", beschrieb "Jimbo" einmal sein besonderes Verhältnis zu diesem Turnier.

Dabei ist ausgerechnet sein legendärster Auftritt bei den US Open ohne Titel geblieben. 1991 kämpfte sich der US-Amerikaner mit 39 Jahren nochmal bis in die Vorschlussrunde. Lediglich eine Wild Card aufgrund seiner erfolgreichen Vergangenheit ermöglichte ihm dieses Kunststück.

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Er belohnte die Turnierorganisatoren dafür mit einer der erstaunlichsten Leistungen der Tennisgeschichte. Gegen Patrick McEnroe, den jüngeren Bruder von John, lag er in seinem Auftaktmatch bereits mit 4:6, 6:7 und 0:3 zurück. Drei Breakbälle standen gegen ihn. Aber er drehte das Spiel und zog um 1.35 Uhr nachts in die nächste Runde ein.

Dort trumpfte er mit zwei Drei-Satz-Erfolgen gegen Michel Schapers und Karel Novacek weiter auf. Am 2. September 1991 - dem Labour Day - kam es dann zu einem epischen Duell mit Aaron Krickstein. Während des Tie-Breaks im zweiten Satz beschimpfte Connors den Schiedsrichter nach einer vermeintlichen Fehlentscheidung. "Ich bin 39 Jahre alt und reiße mir hier den Hintern auf und du machst so etwas. Verschwinde aus dem Stuhl!"

Im fünften Satz musste dann erneut der Tie-Break entscheiden und Connors spielte wie entfesselt. Nach 4:41 Stunden verwandelte er den entscheidenden Punkt und das Connors-Märchen ging weiter.

Im Viertelfinale gegen Paul Haarhuis setzte "Jimbo" noch einen drauf und lieferte vielleicht einen der spektakulärsten Ballwechsel aller Zeiten. Erst im Halbfinale verließen ihn dann gegen Jim Courier die Kräfte. Aber die Herzen der Fans hatte er auf ewig gewonnen und auch er selbst wird diese elf Tage nie vergessen. "Dieses Turnier hat mir die elf erinnerungswürdigsten Tage meiner Karriere gegeben. Besser als meine Titel", sagte er im Rückblick.

Dazu ist er der einzige Spieler, der ein und dasselbe Turnier auf drei verschiedenen Belägen gewinnen konnte.

5 Siege: Pete Sampras - Ein Roboter wird menschlich

US Open-Siege: 1990, 1993, 1995, 1996, 2002

Der Sohn griechischer Einwanderer war jahrelang das Nonplusultra im Herrentennis. Seine 286 Wochen als Weltranglistenerster wurden erst von Roger Federer überboten und auch seine 14 Grand Slam-Titel waren lange Zeit unerreicht.

Allerdings tat sich das Publikum lange schwer damit, den US-Amerikaner ins Herz zu schließen. Seine sportlichen Leistungen waren über alle Zweifel erhaben, aber seine emotionslose Spielweise ließ Sampras auf dem Platz oft als Roboter ohne menschliche Regungen erscheinen.

US Open Sampras trophy
US Open Sampras trophy © Getty Images

Dies sollte sich aber bei den US Open 1996 schlagartig ändern. Im Viertelfinale traf Sampras auf Alex Corretja. Vor dem Match galt der topgesetzte Sampras als haushoher Favorit gegen den Spanier. Aber der 22-Jährige verlangte "Pistol Pete" alles ab - und noch mehr.

Nach über vier Stunden konnte sich auch im fünften Satz keiner der Beiden durchsetzen. Daher musste der Tie-Break die ultimative Entscheidung bringen. Ein total erschöpfter Sampras musste sich zwischen den Ballwechseln auf sein Racket stützen. Krämpfe sorgten dafür, dass er sich kaum noch auf den Beinen halten konnte.

Bereits beim Stand von 1:1 im Tie-Break beugte sich der damals 25-Jährige nach vorne und übergab sich direkt auf dem Court. Die Kommentatoren glaubten ihren Augen kaum und bestätigten erst nach der Wiederholung: "Pete muss sich tatsächlich übergeben!"

Der Schiedsrichter forderte den Unglücksraben aber erbarmungslos zum Weitermachen auf. In diesem Moment verliebte sich das Publikum in den bisher so emotionslosen Dominator. Als Sampras zum Aufschlag wankte, begannen die Menschen auf den Rängen zu applaudieren und ihn anzufeuern. Die Menge tobte regelrecht und wollte ihren plötzlichen Liebling bei den folgenden Ballwechseln zum Sieg schreien.

Bei 6:7 wehrte er einen Matchball Corretjas ab und holte sich seinerseits mit einem lediglich 144 km/h schnellen zweiten Aufschlag den zweiten eigenen Matchball. Corretja war von dieser Energieleistung so beeindruckt, dass er das Match per Doppelfehler beendete.

"Es gibt nicht genug Worte in der englischen Sprache, um diesen Moment zu beschreiben", waren die Kommentatoren fassungslos. Sampras selbst wurde direkt danach in die Kabine gebracht und per Infusion mit Flüssigkeit versorgt. Erst zwei Tage später, im Halbfinalmatch gegen Goran Ivanisevic erschien Sampras wieder in der Öffentlichkeit.

Er bezwang den Kroaten und anschließend im Finale Landsmann Michale Chang. Es war der vierte Titel bei den US Open. Aber die größte Leistung war, dass er in diesem Turnier zum ersten Mal menschlich wirkte und sich damit in die Herzen der Fans gespielt hatte.

5 Siege: Roger Federer - Der Seriensieger

US Open-Siege: 2004, 2005, 2006, 2007, 2008

Fünf Siege in Folge! Zwar wartet Roger Federer nun schon seit über elf Jahren auf einen Erfolg bei den US Open, aber seine fünf Titel in Folge sind immer noch einsamer Rekord.

Als er seinen fünften Titel gewann, war er auf dem absoluten Höhepunkt seines Könnens. Niemals zuvor in der Tennisgeschichte hatte man eine solche Dominanz bewundern können. Meistens schauten die Fans schon gar nicht mehr, gegen wen Federer spielte, sondern nur noch, wie hoch er gewonnen hatte.

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Dazu glückte ihm in den Jahren 2004 - 2007 auch noch das historische Double aus Wimbledon- und US Open-Erfolg - natürlich ebenfalls eine historische Bestmarke, die so noch keiner vor ihm geschafft hatte.

Erst 2009 geschah dann das fast schon Unglaubliche. Juan Martin del Potro beendete die unfassbare Siegeserie des Schweizers in Flushing Meadows. Damals hätte keiner gedacht, dass 2008 der möglicherweise letzte Karrieretitel Federers bei den US Open sein könnte.

4 Siege: John McEnroe - Der Tennisflegel

US Open-Siege: 1979, 1980, 1981, 1984

Es war 1979, als ein damals 19-jähriger Flegel die Tenniswelt aufmischte. Im Finale setzte sich McEnroe gegen seinen Freund Vitas Gerulaitis durch und trug sich zum ersten Mal in die Siegerliste eines Grand Slam-Turnieres ein.

Als er im folgenden Jahr als Titelverteidiger nach Flushing zurückkehrte, hatte er davor in einem epischen Match gegen Björn Borg im Wimbledonfionale verloren. 6:8 musste er sich seinem Erzrivalen im entscheidenden fünften Satz geschlagen geben.

Auf dem Court war John McEnroe für seine emotionale und aufbrausende Art bekannt
Auf dem Court war John McEnroe für seine emotionale und aufbrausende Art bekannt © Getty Images

Daher war der junge McEnroe bis in die Haarpspitzen motiviert, sich bei den US Open das Erfolgserlebnis zu holen und seinen Titel zu verteidigen. Aber schon im Halbfinale wäre er fast gescheitert. Gegen einen furios aufspielenden Jimmy Connors musste er erneut über fünf Sätze gehen und konnte erst nach vier Stunden und 17 Minuten die Fäuste in den Himmel strecken.

Daher kam es im Finale zum erneuten Aufeinandertreffen mit Björn Borg und auch hier musste es wieder über fünf Sätze gehen. Bereits zwei Mal musste ein Tie-Break über einen Satzausgang entscheiden und auch im letzten Satz sah alles nach einem Fight bis zum Schluss aus.

3:3 stand es, als McEnroe plötzlich nochmal aufdrehte. Er holte sich das entscheidende Break zum 4:3 und brachte seinen Aufschlag souverän durch. Bei 5:3 konnte der Schwede mit seinem eigenen Service nochmal verkürzen, aber am Ende hatte McEnroe diesmal die besseren Nerven und konnte erfolgreich für die Wimbledon-Niederlage Revanche nehmen.

Damit ist John McEnroe auch der erste Spieler, der seinen Titel bei den US Open in der Open Era verteidigen konnte.

Liste aller Sieger der US Open seit 1968

1968: Arthur Ashe (USA)
1969: Rod Laver (Australien)
1970: Ken Rosewall (Australien)
1971: Stan Smith (USA)
1972: Ilie Nastase (Rumänien)
1973: John Newcombe (Australien)
1974: Jimmy Connors (USA)
1975: Manuel Orantes (Spanien)
1976: Jimmy Connors (USA)
1977: Guillermo Vilas (Argentininen)
1978: Jimmy Connors (USA)
1979: John McEnroe (USA)
1980: John McEnroe (USA)
1981: John McEnroe (USA)
1982: Jimmy Connors (USA)
1983: Jimmy Connors (USA)
1984: John McEnroe (USA)
1985: Ivan Lendl (Tschechoslowakei)
1986: Ivan Lendl (Tschechoslowakei)
1987: Ivan Lendl (Tschechoslowakei)
1988: Mats Wilander (Schweden)
1989: Boris Becker (Deutschland)
1990: Pete Sampras (USA)
1991: Stefan Edberg (Schweden)
1992: Stefan Edberg (Schweden)
1993: Pete Sampras (USA)
1994: Andre Agassi (USA)
1995: Pete Sampras (USA)
1996: Pete Sampras (USA)
1997: Patrick Rafter (Australien)
1998: Patrick Rafter (Australien)
1999: Andre Agassi (USA)
2000: Marat Safin (Russland)
2001: lleyton Hewitt (Australien)
2002: Pete Sampras (USA)
2003: Andy Roddick (USA)
2004: Roger Federer (Schweiz)
2005: Roger Federer (Schweiz)
2006: Roger Federer (Schweiz)
2007: Roger Federer (Schweiz)
2008: Roger Federer (Schweiz)
2009: Juan Martin del Potro (Argentinien)
2010: Rafael Nadal (Spanien)
2011: Novak Djokovic (Serbien)
2012: Andy Murray (Großbritannien)
2013: Rafael Nadal (Spanien)
2014: Marin Cilic (Kroatien)
2015: Novak Djokovic (Serbien)
2016: Stan Wawrinka (Schweiz)
2017: Rafael Nadal (Spanien)
2018: Novak Djokovic (Serbien)

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