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Nick Kyrgios scheiterte in Wimbledon an Rafael Nadal
Nick Kyrgios scheiterte in Wimbledon an Rafael Nadal © Imago
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München - Nick Kyrgios rechnet nach der Wimbledon-Niederlage gegen Rafael Nadal mit dem Schiedsrichter und den Medien ab. Nur bei einer Frage weiß er keine Antwort.

Nick Kyrgios hat sein Image als Bad Boy des Tennis wieder einmal bestätigt.

Nach der knappen 3:6, 6:3, 6:7 (5:7), 6:7 (3:7)-Niederlage gegen Rafael Nadal in Wimbledon gab der Australier am Donnerstag eine denkwürdige Pressekonferenz.

Nachdem Kyrgios den am Netz stehenden Nadal beim Stand von 4:4 im dritten Satz mit einem Ball auf den Körper fast abgeschossen hätte, lieferte er sich nach dem Match mit Medienvertretern auf der Pressekonferenz eine hitzige Diskussion über diese Szene.

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Eine Entschuldigung komme für ihn nicht infrage. "Es interessiert mich nicht, warum sollte ich mich entschuldigen? Ich meine, der Typ hat wie viele Grand Slams und wie viel Geld auf seinem Konto? Ich denke, er kann einen Ball auf die Brust vertragen. Ich werde mich bestimmt nicht entschuldigen."

Kyrgios gab zu, den Ball bewusst auf Nadals Körper gespielt zu haben. "Ja, ich habe direkt auf ihn gezielt. Ich wollte ihn direkt auf der Brust treffen."

Kyrgios legt sich mit Referee an

Bei einer anderen Frage war Kyrgios weniger auskunftsfreudig - als er gefragt wurde, ob er in Topform einen Grand Slam gewinnen könne, sagte der Australier nach langem Überlegen: "Das ist eine schwere Frage, ich weiß es nicht. Ich habe zurzeit keine Antwort auf diese Frage, sorry." Er sei nicht der professionellste Spieler, der jeden Tag trainiere. "Ich muss noch auf das Top-Level kommen. Das hängt davon ab, wie sehr ich es will. Aber nein, im Moment denke ich nicht, dass ich um den Titel bei einem Grand Slam spielen kann."

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Nadal hatte nach dem Match, in dem sein Gegner häufig mit dem Schiedsrichter diskutierte und Aufschläge von unten ins Feld brachte, gesagt: "Wenn er vernünftig spielen will, gehört er zu den besten Spielern der Welt. Er ist ein potenzieller Grand-Slam-Sieger."

Kyrgios hatte den Referee wegen Nadals gewohnt langer Vorbereitungsphase für dessen Aufschläge (Kyrgios sarkastisch: "Nein, er war super schnell") kritisiert. "Der Unparteiische heute war grauenhaft, er war wirklich schrecklich. Ich will aufschlagen und starte meine Routine, dann sagt Rafa 'Stop'. Die Regel ist, dass man sich auf das Tempo des Aufschlägers einstellt. Warum muss ich jedes Mal warten, bis er seinen Rhythmus hat?"

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Abrechnung mit den Medien

Er sei sauer auf den Schiedsrichter gewesen. Dieser habe sehr herrisch und dominant reagiert. "Ich dachte mir 'Oh, er will einen auf Power-Trip machen'. Er fühlt sich offenbar ziemlich wichtig, wenn er da oben auf dem Stuhl sitzt. Er war einfach schrecklich. Ich denke, wie er das Match geleitet hat, war einfach schlecht."

Auch mit den Medien rechnete Kyrgios ab - gleich fünfmal gab er sarkastisch an, die Medien zu lieben. "Genauso, wie ich es liebe, mit den Medien zu sprechen. Ihr seid so nett zu mir, unglaublich. Ihr seid die Besten, ihr macht keine Propaganda. Natürlich nicht, nur Fakten. Ich liebe das."

"Du musst ein langweiliges Leben haben"

Mit einem Journalisten wurde es dann noch persönlich. Dieser hatte - gleich zu Beginn der PK - gefragt, ob Kyrgios' Ausflug in einen Pub am Abend vor seinem Match gegen Nadal seine Siegchancen verringert hätte. Die Antwort des Bad Boys: "Nein. Du schaust viel zu aufgeregt aus, um mir so eine Frage zu stellen. Du musst wirklich ein langweiliges Leben haben."

Der 18-malige Major-Sieger Nadal hatte zuvor in sechs Duellen mit Kyrgios bereits drei Niederlagen kassiert, eine unter anderem 2014 im Achtelfinale von Wimbledon. Beide Spieler sind nicht gerade als Freunde bekannt.

"Es ist doch nur Tennis"

Kyrgios sieht bei sich durchaus Verbesserungspotenzial: "Vielleicht gibt es einige Dinge, die ich besser machen kann. Aber ich mag die Art, wie ich Dinge tue."

Doch der Australier nimmt die Kritik an sich und seiner Berufsausübung gelassen. "Am Ende des Tages ist es doch nur Tennis. Ist es wirklich so wichtig? Für mich ist es nicht so wichtig."

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