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München - Alexander Zverev zeigt bei den Australian Open ein völlig verändertes Gesicht. Trotz des verpassten Finaleinzugs macht das Auftreten des Deutschen Mut.

Der Traum vom Finale geplatzt - die Enttäuschung groß.

Alexander Zverev war die Ernüchterung nach dem verpassten Einzug ins Endspiel bei den Australian Open ins Gesicht geschrieben. Eineinhalb Wochen hatte der Hamburger in Melbourne seinen Traum gelebt, danach wollte er so schnell wie möglich weg aus Australien.

"Mein Team sucht schon nach Flügen", sagte er nach dem Halbfinale gegen Dominic Thiem, das er mit 6:3, 4:6, 6:7 (3:7), 6:7 (4:7) verlor.

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Seinen Auftritt beurteilte er selbstkritisch. "Ich habe einfach nicht mein bestes Tennis gespielt in den wichtigen Momenten. Ich hatte meine Chancen." Aber als es darauf ankam, sei Thiem "einfach mutiger, aggressiver" gewesen. 

In der Tat hatte Zverev 14 Breakchancen, darunter zwei Satzbälle im dritten Durchgang. Aber in den entscheidenden Momenten spielte der Österreicher "einfach besser als ich, auch in den beiden Tiebreaks".

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Zverev verbessert Aufschlagquote

Das Warten auf den ersten Grand-Slam-Finaleinzug eines Deutschen geht also weiter. Zuletzt hatte Rainer Schüttler 2003 ebenfalls in Melbourne im Endspiel gestanden. Aber dennoch: Was nach Zverevs Aus hängen bleibt, sind hauptsächlich positive Erkenntnisse. 

Denn: Der Halbfinal-Einzug war neben seinem Sieg bei den ATP-Finals 2018 der Höhepunkt seiner Karriere. Zur Erinnerung: Mit nur einem einzigen Satzverlust war Zverev in die Runde der letzten Vier vorgestoßen. "Ich habe alle Matches gesehen. Wie er sich in Melbourne präsentiert, ist wirklich ganz, ganz hervorragend", hatte Ex-Profi Patrik Kühnen vor dem Duell mit Thiem im Gespräch mit SPORT1 gesagt.

Beeindruckend dabei auch Zverevs Aufschlagquote: In der Partie gegen Thiem lag der Wert für einen erfolgreichen ersten Service bei 68 Prozent. Lediglich drei Doppelfehler leistete sich der 22-Jährige.

Zum Vergleich: Zum Auftakt des ATP Cups gegen den Australier Alex de Minaur waren es 14 an der Zahl, in seinem zweiten Match gegen Stefanos Tsitsipas ließ ihn sein Aufschlag bei neun Doppelfehlern erneut im Stich. In Summe waren es 31 Doppelfehler in nur drei Matches.

Zverev wirkt nicht nur gereift - der 22-Jährige erscheint auch geläuert: Während er in Brisbane nach seinem Doppelfehler-Festival die eigenen Emotionen einmal mehr nicht im Griff hatte und seinen Vater beschimpfte ("Halt die Klappe, was zum Teufel redest du da"), gab er sich beim ersten Grand Slam des Jahres relaxt.

Zverev fiel mit plötzlicher Ausgeglichenheit und Sicherheit auf - was sich auch im Aufschlag spiegelte.

Zusammenhalt bei Team Zverev

Woher die überraschende Wandlung der deutschen Tennis-Hoffnung rührt?

Die Rechnung ist offenbar simpel: Herrscht im Team Zverev Harmonie und Zusammenhalt, dann läuft es auch auf dem Platz. Vor allem zwei Menschen aus seinem Umfeld nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein: Freundin Brenda, mit der er seit Ende 2019 liiert ist, und Doppel-Spieler Marcelo Melo, den Zverev als seinen "besten Freund" bezeichnet.

Zverevs Vater ist ebenso von großer Bedeutung, nach wie vor sein erster Ansprechpartner, Trainer und Mentor. Das enge Verhältnis wurde in der Vergangenheit von vielen Tennis-Experten, wie auch Boris Becker, immer wieder kritisiert. Letztlich ist im Hause Zverev aber wohl keine Zusammenarbeit so fruchtbar wie die zwischen Vater und Sohn.

Dass er in seinem aktuellen Trainerteam um den Papa die beste Besetzung sieht, betonte die deutsche Nummer eins nicht zuletzt auch nach dem Sieg gegen Stan Wawrinka im Viertelfinale.

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Nach turbulenten Wochen und Monaten inklusive Rechtsstreit mit seinem Ex-Manager Patricio Apey hat Zverev außerhalb des Platzes mittlerweile genau das Umfeld, das ihm auf dem Court absolute Höchstleistungen ermöglicht.

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Zverev verordnet sich hartes Training

In Melbourne zahlte sich auch das harte Training aus, das er nach dem "schrecklichen" ATP Cup absolviert hatte. Zverev hatte sich teils siebenstündiges tägliches Training verordnet, auch um Defizite in der Saisonvorbereitung auszugleichen. "Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mehr Kontrolle auf dem Platz habe", sagt er.

Der Plan scheint aufzugehen, auch wenn es fürs Finale Down Under nicht ganz reichte. Die Tage in Melbourne dürften trotzdem Mut machen - auf den großen Wurf wird er vermutlich nicht mehr lange warten müssen.

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