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Bei den Australian Open startet die Qualifikation trotz mieser Bedingungen. Spielerinnen wie Svitolina reagieren sauer. Eine Slowenin muss sogar aufgeben.

"Happy Slam" ist der Spitzname der Australian Open - doch "happy" Spieler und Spielerinnen sind kurz vor dem Start des ersten Grand Slams des Jahres nicht zu sehen, stattdessen skandalöse Szenen.

Denn trotz der durch die Buschbrände äußerst schwierigen Bedingungen wurde mit der Qualifikation für das Hauptfeld begonnen - mit teils verheerenden Folgen.

Die Spielerinnen bekamen aufgrund der Luftqualität in Melbourne schlecht Luft, sowohl Profi, Ballkinder als auch Fans husteten ungewöhnlich häufig. Einige Zuschauer hatten sogar Atemschutzmasken aufgezogen.

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Jakupovic: "Ich hatte echt Angst"

So musste Davila Jakupovic ihr Match gegen die Schweizerin Stefanie Vögele beim Stand von 6:4, 5:6 aufgeben. Zuvor war die Slowenin nach einem starken Hustenanfall auf die Knie gesunken.

"Ich bin wütend und traurig. Ich denke, es war nicht fair, denn es war nicht gesund für uns. Ich dachte nicht, dass wir heute nicht spielen würde. Aber wir hatten keine große Wahl. Wenn wir nicht auf den Court gehen, werden wir vielleicht bestraft", sagte Jakupovic.

Ein Zuschauer mit Atemmaske bei den Australian Open
Ein Zuschauer mit Atemschutzmaske bei den Australian Open © Getty Images

Jakupovic legte nach: "Es war wirklich schlimm. Ich habe noch nie so etwas erlebt und ich hatte echt Angst. Ich hatte Angst, dass ich zusammenbrechen würde. Deshalb ging ich zu Boden. Ich konnte nicht mehr laufen. Auf dem Boden war es leichter, Luft zu kriegen."

Dass die Sorgen der Slowenin nicht unbegründet sind, stellte der Lungenspezialist Dr. Elmar Storck klar. Er warnte ausdrücklich vor den Langzeitfolgen für die Profis: "Je nach Veranlagung kann eine hohe sportliche Belastung im Freien bei diesen Bedingungen zu chronischen Symptomen und Erkrankungen führen", sagte der Mediziner aus Pulheim dem SID, "es kann der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich würde dort nicht spielen."

Minella und Svitolina schockiert

Die Luxemburgerin Mandy Minella, Nummer 140 der Welt, hatte kein Verständnis für die Austragung der Matches.

"Ich bin schockiert, dass die Qualifikation bei den Australian Open begonnen hat. Was ist mit der Gesundheit der Leute, die da draußen arbeiten müssen?", twitterte Minella. Das gelte besonders für die Balljungen und -mädchen.

Ein Ballkind ist sogar bereits kollabiert und wurde von den Spielern mit Getränken versorgt.

Auch die ukrainische Topspielerin Elina Svitolina zeigte sich schockiert von den Bedingungen: "Warum müssen wir darauf warten, dass etwas Schlimmes passiert, bis gehandelt wird?"

Noch deutlicher wurde die Belgierin Kirsten Flipkens: "@Australian Open: Tennis ist ein SPIEL!! Gesundheit steht IMMER an erster Stelle! Warum in aller Welt lasst ihr Spieler/Schiedsrichter/Ballkinder in diesen Bedingungen leiden?! WARUM??? Spieler geben wegen Atemproblemen auf. Ich bin sprachlos."

Bouchard mit großen Problemen

Wegen schlechter Luft war das Training bei den Australian Open zeitweise unterbrochen worden und die Qualifikation wurde mit etwas Verspätung gestartet.

Wirklich geholfen hat das jedoch nicht. Zahlreiche Spieler und Spielerinnen hatten große Probleme mit der Luft, unter anderem ließen sich Eugenie Bouchard und Bernard Tomic wegen Atemproblemen behandeln.

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Der Chef der Gesundheitsbehörde in Melbourne, Brett Sutton, sprach nach Angaben des Telegraph sogar über die "schlechteste Luftqualität der Welt", die über Nacht durch die kühleren Temperaturen entstanden sei.

Sharapova-Match wird abgebrochen

Im Melbourne-Stadtteil Kooyong wurde derweil ein Exhibition-Match von Maria Sharapova gegen die Deutsche Laura Siegemund aufgrund der schlechten Luftqualität beim Stand von 6:7 (4:7), 5:5 abgebrochen, nachdem sich beide Spielerinnen darauf verständigt hatten.

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Die Stadt Melbourne riet seinen Bewohnern aufgrund der Luftqualität sogar nicht vor die Tür zu treten. "Halten Sie Fenster und Türen geschlossen, lassen Sie ihre Haustiere drinnen", schrieb die Stadt bei Twitter.

Dass in Melbourne trotzdem gespielt wird, verwundert Gilles Simon aber nicht: "Wenn du Ärzte findest, die Tennis spielen bei 45 Grad als nicht gefährlich einstufen, findest du auch einen Experten, der die Luftqualität als ausreichend einstuft", twitterte der französische Profi.

Verschiebung der Australian Open ausgeschlossen

Bei den schweren Buschfeuern sind seit Ende September mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Eine Verschiebung der Australian Open haben die Organisatoren bislang ausgeschlossen.

"Wir erwarten keine Verzögerungen, und wir haben zusätzliche Maßnahmen getroffen, um sicherzustellen, dass die Australian Open wie geplant ablaufen können", hatte Tennis-Australia-Chef Craig Tiley zuletzt gesagt.

Das australische "Bureau of Meteorology" teilte mit, dass noch bis Mittwochnachmittag viel Rauch über Melbourne liegen werde.

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