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Die Verlegung der French Open gefährdet den Laver-Cup von Roger Federer
Die Verlegung der French Open gefährdet den Laver-Cup von Roger Federer © Getty Images
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Die French Open sollen in diesem Jahr erst im Herbst stattfinden. Die Verlegung ist offenbar ein Alleingang und sorgt vor allem in der Schweiz für heftige Kritik.

Diese Nachricht ließ aufhorchen: Die Veranstalter der French Open haben wegen der Ausbreitung des Coronavirus das berühmteste Sandplatzturnier im Tennis in den Herbst verlegt.

Statt im Frühjahr soll vom 20. September bis zum 4. Oktober in Paris gespielt werden - nur eine Woche nach dem Finale bei den US Open. So sieht es jedenfalls der Plan der ITF vor, der Verband veranstaltet die vier Grand-Slam-Turniere eines Jahres. 

Doch eine Absprache mit den anderen beiden großen Verbänden ATP und WTA hat es offensichtlich vorher nicht gegeben. Denn weder die Männer-Tour ATP noch die WTA berichteten am Abend von dieser Verlegung. Ein Info-Tweet der ATP wurde schnell wieder gelöscht.

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Die Zurückhaltung ist verständlich, da die French Open in eine Zeit gelegt wurden, in der laut ursprünglichem Terminkalender diverse andere Turniere stattfinden sollen - bei Männern und Frauen.

French Open und Laver-Cup zeitgleich?

Was zusätzlich für Verärgerung sorgt, ist die Tatsache, dass der immer populärer werdende Laver-Cup - der Vergleich zwischen den besten Tennis-Spielern Europas und dem Rest der Welt - just in die zwei Wochen der French Open fällt.

Roger Federer, der Initiator dieses Kontinentalvergleichs, der vom 25. bis 27. September stattfinden soll, hat sich noch nicht zu der Verlegung des Pariser Turniers geäußert. Doch auf seinem Twitter-Account werden bereits die Tickets für die Veranstaltung in Boston beworben, dies es seit 6. März zu kaufen gibt.

Die Presse in seiner Schweizer Heimat kritisiert die Entscheidung hart. Der Tagesspiegel beispielsweise sieht in der Verlegung einen "Frontalangriff auf das Event" von Federer.

Spieler reagieren mit Kritik

Harsche Kritik hagelte es auch von den Spielern. "Das ist der Wahnsinn. Keine Kommunikation mit den Spielern oder der ATP. Wir haben nichts zu sagen in diesem Sport", beschwerte sich Vasek Pospisil, Mitglied des Spielerrats, via Twitter.

"Das ist krank", legte Pospisil in der New York Times nach und nannte die Entscheidung der Veranstalter in Paris "egoistisch", sie spielten ein "power play", und das sei "ziemlich arrogant".

"Excusez moi???", twitterte die Japanerin Naomi Osaka, Siegerin der Australian Open 2018 und US Open 2019.

Ursprünglich waren die French Open vom 24. Mai bis 7. Juni geplant. Frankreich ist stark von der Corona-Pandemie betroffen, mit Stand Dienstagnachmittag waren dort bereits 148 Menschen der Erkrankung COVID-19 erlegen.

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Tickets für French Open sollen Gültigkeit behalten

"Es ist eine schwierige, aber mutige Entscheidung, die wir in dieser außergewöhnlichen und sich weiter entwickelnden Zeit seit diesem Wochenende getroffen haben. Wir handeln verantwortungsbewusst, wir müssen im Kampf um die Gesundheit aller solidarisch zusammenstehen", sagte Bernard Giudicelli, Präsident des französischen Tennisverbandes FFT.

Niemand könne in der aktuellen Situation vorhersagen, wie die Gesundheitssituation Mitte Mai sei, daher sei eine Vorbereitung auf den ursprünglich geplanten Termin nicht möglich, hieß es weiter. Die bereits verkauften Tickets sollen ihre Gültigkeit behalten.

Pause bis 07. Juni - Wimbledon wird vorerst nicht verschoben

Die Veranstalter des Rasenturniers von Wimbledon halten vorerst an ihrem Termin vom 29. Juni bis 12. Juli fest. Die Situation werde permanent beobachtet und neu eingeschätzt, hieß es in einem Statement vom Dienstag. 

Am Mittwoch veränderte sich das Bild jedoch ein Stück weit - zu Ungunsten der Pariser. Die ATP und die WTA verlängerten in einem gemeinsamen Beschluss ihre Spielpausen bis zum 7. Juni, damit entfallen auch die BMW Open in München.

Die aktuellen Zeiten "erfordern von allen Mitgliedern der Tennisgemeinschaft eine stärkere Zusammenarbeit als je zuvor", hieß es in dem Statement. Auch die Veranstalter von Wimbledon, der Australian Open, der US Open und die ITF teilten die Auffassung. Nicht erwähnt wurden: die Ausrichter der French Open. 

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