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München - Hasan Salihamidzic bestätigt, dass der FC Bayern bereit ist, für Callum Hudson-Odoi eine Menge Geld auf den Tisch zu legen. Aber warum eigentlich?

Knapp fünf Meter vor der Mittellinie bekam er in der eigenen Hälfte den Ball - und zündete den Turbo.

Enge Ballführung. Sprint an vier Liverpooler Spielern vorbei. Tunnel gegen den bemitleidenswerten Innenverteidiger. Den Torwart und einen auf der Linie grätschenden Abwehrmann ins Leere laufen lassen. Eiskalt eingeschoben.

Als Callum Hudson-Odoi im November 2017 für Chelseas U23 gegen die Reds derart brillierte, fühlten sich nicht wenige im Klub an Eden Hazard erinnert.

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Den Mann, der das große Vorbild der englischen Nachwuchshoffnung und seit geraumer Zeit das sportliche Aushängeschild des Klubs ist. Dessen Zukunft bei den Blues aber offen ist. Hazard ist begehrt, genau wie Hudson-Odoi.

FC Bayern will Hudson-Odoi "unbedingt"

"Er ist ein sehr interessanter Spieler, den wir unbedingt verpflichtet wollen", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic im Trainingslager des FC Bayern in Doha. "Er hat die Qualitäten, die zu unserem Spiel passen. Er ist dribbelstark und hat einen starken Zug zum Tor. Er hat großes Potenzial."

Umgerechnet 39 Millionen Euro sollen die Münchner für den 18-Jährigen bieten. Das ist mehr, als sie damals für Renato Sanches zahlten - und beinahe so viel wie Corentin Tolisso kostete. Und der ist mit 41,5 Millionen Euro Ablöse bis heute der teuerste Einkauf in der bayerischen Vereinsgeschichte.

Doch wer ist dieser Hudson-Odoi eigentlich - und warum ist er Bayern so viel wert?

Noch kein Durchbruch bei den Profis

Die nackten Zahlen dieser Spielzeit lassen einen nur wenig beeindruckt zurück. Auf acht Pflichtspieleinsätze kommt der Junioren-Nationalspieler bislang. Er durfte nur dann ran, wenn Trainer Maurizio Sarri in den Pokal-Wettbewerben seine Stars schonte. In der Premier League fielen lediglich 42 Minuten Einsatzzeit ab.

Gemessen daran muten fast 40 Millionen Euro beinahe obszön an. Doch in Zeiten der zahlreichen Wunderkinder dieser Welt, zahlen die Klubs auf dem nach wie vor überhitzten Markt auch und beinahe in erster Linie für das Potenzial des jeweiligen Spielers.

Und davon, das bescheinigen ihm nahezu alle Wegbegleiter, besitzt der 1,77 Meter große Rechtsfuß eine ganze Menge.

Weggefährten schwärmen von Hudson-Odoi

"Hudson-Odoi ist ein Spieler, der die Chance verdient, zu zeigen, dass er in dieser Mannschaft für zehn oder 15 Jahre spielen kann", lobte der damalige Trainer Antonio Conte, der ihm im Dezember 2017 sein Profi-Debüt ermöglichte. Der aktuelle Co-Trainer Gianfranco Zola pries ihn vor einigen Monaten als "die Zukunft dieses Klubs".

Das sieht auch der ehemalige Chelsea-Stürmer Tony Cascarino so - und rät den Blues dazu, ihn mit aller Macht zu halten.

Es gebe nicht viele Akteure, "die ihre Gegenspieler so ausspielen und so brillante Flanken schlagen", sagte der Ire der Times. "Sie müssen ihn überzeugen, einen neuen langfristigen Vertrag zu unterschreiben. Sein Wert und seine Fähigkeiten werden wachsen."

Scouts beschreiben ihn als technisch beschlagen, passsicher, dynamisch im Dribbling und offensiv flexibel einsetzbar. Anders als beispielsweise Kingsley Coman kann er auch hinter den Spitzen im Zentrum agieren.

Hudson-Odoi ein Chelsea-Eigengewächs

Seit er acht Jahre alt ist, spielt Hudson-Odoi für Chelsea. Er wurde im Südwesten Londons im Stadtteil Merton geboren, mit dem Auto ist man in 15 Minuten an der Stamford Bridge.

"Ich bin ein großer Chelsea-Fan. Wenn Du für den Verein spielst, den Du unterstützt, ist das ein tolles Gefühl", schwärmte er einst. Sein Weg zum Profi war früh vorgezeichnet. Vater Bismark war Profi in seiner Heimat Ghana bei den Hearts of Oak in Accra.

Bruder Bradley, ebenfalls in Ghana geboren, verbrachte seine Jugend in der Nachwuchsakademie des FC Fulham, schaffte allerdings nie den Durchbruch und spielt heute im Alter von 30 Jahren beim unterklassigen Klub Wealdstone FC.

Sein kleiner Bruder hat ihm längst den Rang abgelaufen. Seit der U16 durchläuft Callum sämtliche Jugendmannschaften Englands, 2017 gehörte er gemeinsam mit Dortmunds Jadon Sancho jenem Kader an, der in beeindruckender Manier den Titel bei der U17-WM gewann. Im Finale steuerte er zwei Assists zum 5:2-Erfolg gegen Spanien bei.

Callum Hudson-Odoi im Trikot der englischen Junioren-Nationalmannschaft
Callum Hudson-Odoi im Trikot der englischen Junioren-Nationalmannschaft © Imago

Hudson-Odoi besitzt das Siegergen

Ohnehin ist Hudson-Odoi ein echter Titelsammler. U17-Weltmeister, zwei FA-Cup-Siege und englischer Meister mit der U18 des Chelsea Football Club. Pokalsieger mit den Profis 2018.

Er besitzt sie also jene Siegermentalität, die sie beim auf Titel programmierten FC Bayern so sehr schätzen.

Und die neben seinen sportlichen Qualitäten ein weiterer Grund dafür sein dürfte, dass die Münchner bereit sind, für einen Spieler seines Alters in neue finanzielle Sphären vorzustoßen.

Sollte Hudson-Odoi eine ähnliche Entwicklung nehmen wie sein Vorbild Hazard, wäre er jeden einzelnen Cent wert.

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