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München - Atlético Madrids Geschäftsführer plaudert den offenbar fixen Wechsel von Antoine Griezmann zum FC Barcelona aus. Was wie ein Versehen klingt, offenbart jedoch Kalkül.

Am Mittwoch hatte Gil Marín schließlich genug.

Nach dem wochenlangen Hickhack um Antoine Griezmann verkündete der Geschäftsführer von Atlético Madrid: "Ich weiß, wo Griezmann spielen wird: beim FC Barcelona. Es ist seit März bekannt."

Noch am Dienstag hatte Griezmann selbst für neuerliche Verwirrung gesorgt und dem Theater die Krone aufgesetzt. Mal hieß es, er kenne seinen neuen Arbeitgeber, nun erklärte er, er wisse noch nicht, ob er in Spanien bleibe.

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Warum dann diese Hinhaltetaktik, wenn doch bereits alles geklärt scheint?

Provokation in Richtung Barcelona?

Ein Grund dafür dürfte in der in Spanien verpflichtenden Ausstiegsklausel des Weltmeisters liegen. Die aktuellen 200 Millionen Euro reduzieren sich zum 1. Juli auf 120 Millionen. Daher wird Barcelona vor diesem Datum auch nichts verkünden, um sich keinen Ärger mit der spanischen Liga oder der FIFA einzuhandeln.

Dazu würden auch die neuesten Aussagen Griezmanns passen. "In zwei Wochen wissen wir mehr", erklärte er nach dem 4:0-Sieg mit der französischen Nationalmannschaft gegen Andorra.

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Das Vorpreschen Maríns könnte also eine Provokation in Richtung der Katalanen sein, um diese dazu zu bringen, einen Transfer zu früh zu bestätigen und am Ende doch 200 Millionen zahlen zu müssen. Doch die Katalanen werden sich davon wohl kaum beeindrucken lassen und bis Juli warten, bevor sie etwas verkünden.

Marín tritt gegen Griezmann nach

Auch ein weiterer, viel banalerer Grund könnte hinter der (zu) frühen Verkündung des Griezmann-Wechsels stehen: Gekränkte Eitelkeit. Das würde auch das Nachtreten Maríns erklären. "Es gibt Spieler, die sich größer fühlen als die Mannschaft", erklärte er und kritisierte damit seinen scheidenden Superstar öffentlich.

Atlético gefiel offenbar das sich zunehmende öffentliche Inszenieren des Franzosen nicht. Laut Cadena Ser soll Griezmann für seine Abschiedsverkündung im Mai einen ähnlich gelagerten Dokumentarfilm wie ein Jahr zuvor geplant haben.

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Die Madrilenen sollen jedoch ein Veto eingelegt und ihn dazu angehalten haben, ein neutral-nüchternes Video auf den hauseigenen Kanälen zu veröffentlichen. Zumal die Produktionsfirma des damaligen Videos keinem anderen als Barcas Gerard Piqué gehört.

Barcelona-Traum wird endlich wahr

Mit einigen Jahren Verspätung wird Griezmann nun also doch bei dem Verein ankommen, zu dem es ihn immer hingezogen hat. Bereits im Sommer 2017 soll Griezmann unmittelbar vor einem Wechsel zum aktuellen spanischen Meister gestanden haben.

Doch der französische Angreifer entschied sich für einen Verbleib. Er wollte die Rojiblancos, die aufgrund einer Transfersperre keine Spieler verpflichten durften, nicht im Stich lassen. Als Belohnung gab es einen neuen Vertrag inklusive saftiger Gehaltserhöhung.

Bis zum 1. Juli 2018 betrug die Ausstiegsklausel 100 Millionen Euro, ab besagtem Datum verdoppelte sie sich. Es galt als sicher, dass Barcelona im Sommer 2018 zuschlagen und die Klausel kurz vor der Erhöhung aktivieren würde.

Am 14. Juni 2018, rund einem Monat nach Atléticos Europa-League-Sieg und kurz vor dem WM-Start, verkündete Griezmann mit großem Tamtam seine Entscheidung. In einem 30-minütigen Dokumentarfilm mit dem Namen "La Décision", in Anlehnung an Basketball-Superstar LeBron James, erklärte er seinen Verbleib in der spanischen Hauptstadt.

Abschiedsverkündung per Video

Ein Grund für die Entscheidung dürfte auch die Aussicht gewesen sein, mit Atlético 2019 ein mögliches Champions-League-Finale im Wanda Metropolitano, dem neugebauten eigenen Stadion, spielen zu können.

Doch die Tatsache, dass Anfang dieses Jahres mit Lucas Hernández, Diego Godín und Juanfran drei seiner Freunde nach und nach ihren Abschied verkündeten, dürfte in Griezmann neuerliche Abschiedsgedanken genährt haben.

Spanischen Medien zufolge habe er sich deshalb - bereits vor dem Ausscheiden im Achtelfinale der Champions League - Barcelona angeboten. Er wollte die bereits ein Jahr zuvor ausgehandelten Gehaltsparameter akzeptieren.

Mitte Mai folgte dann die Abschiedsverkündung - per Videobotschaft natürlich. Einen neuen Verein nannte Griezmann nicht, dennoch waren sich die meisten Gazetten einig: Barcelona heißt der neue Arbeitgeber.

Seitdem verstrickte sich Griezmann in Widersprüche, die Marín mit der Verkündung des offenbar schon lange feststehenden Wechsel nun beenden sollte. Den Abgang bei dem Verein, der ihn zum Weltstar machte, hat sich Griezmann sicher anders vorgestellt.

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