Lesedauer: 7 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Die Transfersummen haben in den vergangenen Jahren astronomisches Ausmaß erreicht. SPORT1 erzählt die Geschichte der Rekordtransfers um Cruyff, Ronaldo, Neymar & Co.

Der 3. August 2017 sprengte alles bisher Dagewesene.

Paris Saint-Germain zog die Ausstiegsklausel von Superstar Neymar und verpflichtete den Brasilianer vom FC Barcelona für die Fabelsumme vom 222 Millionen Euro. Und die Katalanen konnten nichts dagegen tun.

Denn Ausstiegsklauseln sind im spanischen Fußball vorgeschrieben. Die Katalanen einigten sich deshalb bei der Verpflichtung des Brasilianers im Jahr 2013 vom FC Santos auf die genannte Summe. Dass jemand diese Klausel ziehen könnte, daran hatten die Verantwortlichen von Barca wohl nicht einmal im Traum gedacht.

Anzeige

Johan Cruyff setzt ersten Meilenstein

Schließlich wurde erst kurz nach der Neymar-Verpflichtung der damalige Transferrekord auf 101 Millionen Euro geschraubt - so viel zahlte Real Madrid an die Tottenham Hotspur für die Dienste von Gareth Bale.

34 Jahre zuvor stellte der Transfer von Johan Cruyff einen Meilenstein in der Fußballwelt dar. Der damals 26 Jahre alte Niederländer wechselte im Jahr 1973 von Ajax Amsterdam zu Barcelona. Die Katalanen zahlten damals laut transfermarkt.de umgerechnet zwei Millionen Euro an die Niederländer.

Jetzt aktuelle Fanartikel der internationalen Top-Klubs bestellen - hier geht's zum Shop! | ANZEIGE

In der heutigen Währung gerechnet war es der erste Millionentransfer der Fußball-Geschichte. Dass keine 40 Jahre später das Hundertfache für einen Spieler bezahlt werden könnte, hätte wohl niemand jemals für möglich gehalten.

Meistgelesene Artikel

Zumal die Summe, die für Cruyff bezahlt wurde, sechs Jahre lang Bestand hatte. 1979 bedeuteten die umgerechnet drei Millionen Euro Ablöse für den Schotten Andy Gray (von Aston Villa zu den Wolverhampton Wanderers) einen neuen Transferrekord. Dieser wurde drei Jahre später allerdings von Diego Maradona bei dessen Wechsel von den Boca Juniors zu Barca pulverisiert.

Maradona sorgt für Quantensprung

Umgerechnet acht Millionen Euro bedeuteten damals einen Quantensprung. Eine Steigerung der Bestmarke von 166 Prozent (von drei auf acht Millionen) ist auch heute, 37 Jahre danach, unerreicht. Der Transfer des späteren argentinischen Weltmeisters ließ erstmals erahnen, wo die Reise hingehen könnte.

Doch zunächst war die Bestmarke von Maradona das Nonplusultra. 1988 übersprang der Ungar Lajos Détári mit seinem umgerechnet 8,7 Millionen Euro schweren Wechsel von Eintracht Frankfurt zu Olympiakos Piräus die Maradona-Hürde, zwei Jahre später setzte Aldair (von Benfica zur Roma) mit umgerechnet neun Millionen Euro Ablöse noch einen drauf. Es war das erste und bis heutige einzige Mal, dass ein Verteidiger den Rekord für die teuerste Ablösesumme hielt. Zumeist sind es Stürmer, für die das meiste Geld auf den Tisch gelegt wird.

DAZN gratis testen und internationale Fußball-Highlights live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

In den 1990er-Jahren ging es dann Schlag auf Schlag, es hagelte einen Transferrekord nach dem anderen. 1992 wechselte der Italiener Gianluca Vialli für umgerechnet 16,5 Millionen Euro von Sampdoria Genua zu Juventus, vier Jahre später setzte der Wechsel von Englands Superstar Alan Shearer eine neue Bestmarke. Umgerechnet 21 Millionen Euro zahlte Newcastle United für Shearer an die Blackburn Rovers.

Shearers Rekord war der Startschuss für eine Serie von Ablösebestmarken. Nur ein Jahr später mutierte der damals 20 Jahre alte Brasilianer Ronaldo mit seinem 28-Millionen-Euro-Wechsel von Barca zu Inter Mailand zum teuersten Spieler. Bis heute ist er der jüngste Fußballer, der den Rekord innehatte, wenn auch nur für ein Jahr. Denn rund um die Jahrtausendwende fiel die Marke jährlich.

Im Jahr 2000 war es Real Madrid, das Luis Figo für umgerechnet 60 Millionen vom direkten Konkurrenten aus Barcelona loseiste und als erster Verein über 50 Millionen Euro für einen Spieler ausgab. 2001 setzten die Königlichen mit dem Transfer von Zinédine Zidane noch einen drauf. Umgerechnet 77,5 Millionen überwiesen die Madrilenen für den Welt- und Europameister an Juventus.

Jetzt die Spielewelt von SPORT1 entdecken - hier entlang!

Es war der vorläufige Höhepunkt des Transferwahnsinns, bei dem die Königlichen eine Hauptrolle spielten. Die Zidane-Summe sei eine für die Ewigkeit, waren sich viele Experten sicher. Immerhin acht Jahre hatte sie Bestand, solange hielt kein anderer Transferrekord.

Zidane gerade noch in den Top 20

Welches wahnsinnige Ausmaß die Transfersummen in jüngster Vergangenheit angenommen haben, zeigt folgende Statistik: Bis 2009 hielt Zidane die Bestmarke für den teuersten Transfer aller Zeiten, zehn Jahre später rangiert der Weltmeister von 1998 und heutige Real-Trainer mit Mühe und Not in den Top 20. Vermutlich wird er sogar noch in der aktuellen Transferperiode verdrängt.

Mit der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo für 94 Millionen Euro von Manchester United hob Real seine eigens aufgestellte Bestmarke an. Vier Jahre später legte sein Teamkollege Gareth Bale noch einen drauf und knackte als erster Spieler die 100-Millionen-Marke. Um vier Millionen Euro überboten wurde die Bale-Summe von Paul Pogba, für den Manchester United 2016 105 Millionen Euro an Juventus zahlte. Diese Summe hatte knapp ein Jahr Bestand, bis eben zu jenem 3. August 2017, als der Ablöse-Wahnsinn in völlig neue Dimensionen vorstieß.

Doch nicht nur in der Spitze sorgte der Neymar-Wechsel für neue Maßstäbe, auch in der Breite sind die Beträge, die für Spieler gezahlt werden, in den vergangenen Jahren explodiert. Der 19 (!) Jahre alte Portugiese Joao Félix, der jüngst von Benfica Lissabon zu Atlético Madrid wechselte, war der neunte Spieler, für den eine dreistellige Millionenablöse gezahlt wurde. Bis auf Bale wurden all diese Transfers in den vergangenen drei Jahren getätigt.

Lienen kritisiert Transfer-Wahnsinn

Für den langjährigen Bundesliga-Trainer Ewald Lienen hat der Neymar-Transfer dem Fußball nachhaltig geschadet. "Die Ablösesumme ist schlicht und ergreifend obszön. Damit sind doch alle Relationen gesprengt worden, jeder dritte Spieler kostet jetzt 40 bis 80 Millionen Euro", sagte der Technische Direktor des FC St. Pauli der Rheinischen Post.

Doch die Pariser als allein "Schuldige" für den Transferwahnsinn hinzustellen, wäre zu einfach. Sicher sind es auch Investoren wie PSG-Eigentümer Qatar Sports Investment, die zu einem großen Teil verantwortlich für die horrenden Summen sind, die heutzutage gezahlt werden. Doch einen Großteil der Verantwortung trägt die Premier League - genauer gesagt: der im Jahr 2016 in Kraft getretene TV-Vertrag. Dadurch sind englische Klubs finanziell enorm im Vorteil und treiben die Ablösesummen in die Höhe.

Dass der aktuelle Transferrekord noch lange anhalten wird, ist nicht nur deshalb unwahrscheinlich. Sollte der kolportierte Wechsel von Neymar zurück zu Barcelona Realität werden, könnte der Brasilianer seinen eigenen Rekord noch einmal überbieten. Denn anders als in Spanien sind Ausstiegsklauseln in Frankreich verboten. Das bedeutet: Paris ist, im Gegensatz zu Barcelona vor zwei Jahren, nicht machtlos und kann den Preis diktieren. Günstiger wird Neymar dadurch nicht.

Im Gegenteil: Die Ablöse könnte alles Dagewesene sprengen. Wieder einmal.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image