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München - Darum macht der Thiago-Wechsel sowohl den Spieler als auch den FC Bayern und Liverpool glücklich. Der SPORT1-Kommentar von Bayern-Reporter Stefan Kumberger.

Natürlich verlieren sie beim Rekordmeister einen Mittelfeldmann mit Weltklasse. Thiago steht für das schöne Spiel, für Übersicht, Lockerheit und das gewisse Etwas. Er ist ein Spieler, für den die Fans ins Stadion gehen.

Doch gerade in Zeiten von Corona haben die Bayern den perfekten Zeitpunkt erwischt, den Spanier ziehen zu lassen und jüngere Spieler in die Pflicht zu nehmen. Die geschätzte Ablösesumme von 30 Millionen Euro mag mancher als zu niedrig empfinden, aber Thiago will eben eine neue Herausforderung und wäre im nächsten Sommer ohnehin von Bord gegangen – dann allerdings ablösefrei. Kaufmännisch haben die Bayern-Bosse also mit Weitsicht gehandelt und einem verdienten Spieler nicht seine persönliche Karriereplanung verbaut.

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Emotional betrachtet ist dieser Transfer ebenfalls der richtige Schritt. 2013 hatte Pep Guardiola den Edel-Techniker ("Thiago oder nix!") nach München gelotst – der Champions-League-Titel war das erklärte Ziel. Dass daraus lange Zeit nichts wurde, ist bekannt. Viele machten das Ausbleiben des ganz großen Erfolgs auch an Thiago fest. "Zu viel Schönspielerei, zu wenig Kampf" lauteten die Vorwürfe, denn in Deutschland sehnt man sich trotz aller Bewunderung für die Fußball-Künstler immer auch ein stückweit nach Anführern, die bissig in die Zweikämpfe gehen und das Publikum auf diese Weise mitreißen. Thiago reagierte darauf meistens mit Schweigen oder Achselzucken.

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Nun geht Thiago als Triple-Sieger und mit erhobenem Haupt. Anders als bei David Alaba gibt es keine Schlammschlacht. Man geht im Guten und ohne großen Knall auseinander. Beide Seiten wissen, was Sie aneinander hatten und spüren zugleich, dass die gemeinsame Zeit ein Ende finden sollte. Schließlich bilden Leon Goretzka und Joshua Kimmich mittlerweile das Herzstück des Bayern-Mittelfelds und Thiago scheint verzichtbar. Außerdem dürfte der Spanier in Liverpool mehr verdienen, als man ihm in München noch zugestanden hätte.

Ohne den Gewinn der Champions League wäre Thiago als "Unvollendeter" nach England gegangen. So aber sind alle drei Seiten glücklich: Thiago, der FC Liverpool - und nicht zuletzt die Bayern.

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