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München - Hansi Flick setzt sich mit der Forderung nach neuem Personal durch. Das Zeichen, das der Klub damit an den Nachwuchs sendet, ist so eindeutig wie frustrierend.

Gut elf Wochen sind es noch bis zur Winterpause.

Elf Wochen, in denen die Spieler des FC Bayern 18 Partien bestreiten werden, und dabei sind die kräftezehrenden Länderspiele für die Nationalspieler im Herbst noch gar nicht mitgerechnet.

Es sind diese Zahlen, kombiniert mit der schrumpfenden Größe des Kaders, die Hansi Flick dazu veranlasst haben, Alarm zu schlagen.

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"Wenn wir Spieler dieser Klasse verlieren - Thiago, Philippe Coutinho, Ivan Perisic -, dann müssen wir diese Qualität ersetzen. Das wird nächste Saison, wenn wir über Monate alle drei Tage ein Spiel haben, elementar", hatte der Bayern-Coach schon während des Final-Turniers in der Champions League Mitte August gefordert.

Flicks Drängen beim FC Bayern wird erhört

Mittlerweile hat das angesprochene Trio tatsächlich München verlassen. Flicks Drängen blieb aber auch nicht ungehört.

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Kurz vor dem Ende der Transferperiode haben die Bayern in Person ihres verantwortlichen Sport-Vorstandes Hasan Salihamidzic dann doch noch zugeschlagen, und das gleich viermal!

Doch die Transferoffensive des Bosniers sorgt nicht nur für Lob, sie wirft auch Fragen auf.

Welches Signal sendet die Verpflichtung von Douglas Costa, Marc Roca, Bouna Sarr und Eric Maxim Choupo-Moting an die jungen Spieler des FC Bayern?

Und wie wird Uli Hoeneß auf die Last-Minute-Transfers reagieren, nachdem der Ehrenvorsitzende des FC Bayern erst vor drei Wochen im CHECK24 Doppelpass von einer Offensive auf dem Spielermarkt abgeraten hatte?

Hoeneß: "Es fehlt gar keiner"

"Es fehlt gar keiner", hatte Hoeneß auf entsprechende Forderungen von Flick auf SPORT1 reagiert. "Wir haben drei, vier gute junge Spieler. Wenn wir immer nur etablierte Spieler holen, bekommen die überhaupt keine Chance."

Genau das aber ist nun eingetreten. Mit Costa (30), Choupo-Moting (31) und Sarr (28) gehören drei der vier Neuen schon der älteren Generation an, nur Roca entspricht mit seinen 23 Jahren zumindest noch halbwegs der Gattung der jungen Spieler.

Im Gegenzug haben die Münchner mit Michael Cuisance (21, Olympique Marseile) Adrian Fein (21, PSV Eindhoven), Oliver Batista-Meier (19, SC Heerenveen), Lars Lukas Mai (20, Darmstadt 98), sowie Christian Früchtl (20) und Sarpreet Singh (21 / beide zum 1. FC Nürnberg), gleich ein halbes Dutzend viel versprechende Talente leihweise bei einem anderen Klub geparkt. 

Dabei hatte Flick selbst ja hinlänglich bewiesen, wie gut er Nachwuchsspieler in die Profi-Mannschaft integrieren kann.

Auf der linken Abwehrseite ist Alphonso Davies mit seinen gerade erst 19 Jahren nicht mehr wegzudenken.

Der erst 17-Jährige Jamal Musiala bekam in sämtlichen drei Ligaspielen der laufenden Saison seine Chance und wurde gegen Schalke 04 sogar zum jüngsten Bundesliga-Torschützen der Bayern-Historie.

Chris Richards (20) durfte zuletzt gegen die Berliner Hertha sogar von Beginn an ran und machte seine Sache auf der rechten Verteidiger-Position bis zur Auswechslung nach 65 Minuten mehr als ordentlich.

Wie geht es mit Zirkzee weiter?

Ihm aber wird es in Zukunft wohl genauso ergehen wie Joshua Zirkzee. Denn die Bayern setzen nicht nur Richards mit Sarr einen Neuzugang vor die Nase, sondern sie dürften auch die Einsatzminuten des niederländischen Stürmers auf ein Minimum reduzieren.

Denn Zirkzee muss nun nicht nur darauf hoffen, dass Superstar Robert Lewandowski die eine oder andere kreative Pause bekommt. Er muss sich in dem Fall auch noch gegen Choupo-Moting behaupten.

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Dass er darauf eigentlich keine Lust hat, hat er gerade erst bei Fox Sports betont. "Ich brauche Spielminuten und zusammen mit Bayern müssen wir schauen, was zu tun ist. Wenn das bedeutet, dass ich ausgeliehen werde, dann werden wir das machen", sagte der 19-Jährige.

Noch aber geht für den Teenager keine Tür auf - weder beim 1. FC Köln, der offenbar vor zwei Monaten mal angefragt hatte, nun aber im Angriff woanders fündig geworden ist, noch bei seinem Jugendverein Feyenoord, wo ihm Sportchef Frank Arnesen eine Absage erteilte.

So droht ihm das gleiche Schicksal wie den anderen vielversprechenden Bayern-Talenten. Auf der Jagd des Klubs nach immer mehr Erfolgen droht dem eigenen Nachwuchs einmal mehr der Gang auf die Bank - oder zu anderen Vereinen. Spätestens im Winter.

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