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Jan Frodeno ist auch bei der WM auf Hawaii einer der Favoriten
Jan Frodeno ist auch bei der WM auf Hawaii einer der Favoriten © Getty Images
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Frankfurt am Main - Jan Frodeno krönt sich bei der Ironman-EM zum Champion. Nach dem Triumph nimmt er bei SPORT1 das nächste Ziel ins Visier. Sebastian Kienle hat dagegen Pech.

Erschöpfung und Erleichterung spiegelten sich im Gesicht von Jan Frodeno wider, als er die qualvolle Hitzeschlacht rund um Frankfurt beendete.

Mit letzter Kraft wankte der alte und neue Ironman-Europameister auf dem Römerberg über die Ziellinie, riss beide Arme in die Höhe und fiel auf den glühend heißen Boden – 7:56:02 Stunden voller Strapazen lagen hinter ihm.

"Die harten Momente machen das Rennen hinterher umso schöner. Ich bin sehr glücklich", sagte der Sieger von Frankfurt später im SPORT1-Interview. "Ich bin froh, dass es heute gut lief, weiß aber, dass es in Hawaii noch einmal ein ganz anderes Rennen wird."

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Bis zur WM im Herbst dauert es noch einige Monate, am Sonntag zählte allein der Triumph in Frankfurt. Frodenos härtester Konkurrent, Sebastian Kienle, wurde nur Zweiter - und war doch neben dem Sieger ein großer Gewinner, hatte er doch ärgsten Widrigkeiten getrotzt. 

Kienle fährt mit Scherbe im Fuß Rad

Nach 3,86 km Schwimmen, 185,5 km Radfahren und 42,195 km Laufen lag der Superstar der Szene 3:58 Minuten vor dem dreimaligen Frankfurt-Sieger Kienle.

"Er ist ein richtiger Racer, der alles aus sich rausholt, um aufzuschließen. Er wartet nicht auf Fehler von anderen, sondern legt es aufs Duell an. Es ist schön, gegen die Größten anzutreten", sagte Frodeno im Gespräch mit SPORT1.

Die Entscheidung am Sonntag fiel bei Temperaturen von knapp 40 Grad während des Marathons am Mainufer erst 25 km vor dem Ziel. Dort konnte Kienle, auch beeinträchtigt von einer Schnittwunde am Fuß, die er sich nach dem Schwimmen durch den Tritt in eine Scherbe zugezogen hatte, das Tempo von Frodeno nicht mehr mitgehen.

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Er verlor Sekunde um Sekunde – und Frodeno letztlich aus den Augen. "In meinem Kopf hätte man Eier kochen können", sagte Kienle wegen der Hitze. Die Scherbe hatte er sich schon nach dem Schwimmen in seinem Fuß verfangen, während der gesamten Radstrecke steckte sie in seiner Ferse.

"Ich konnte kaum rennen und es hat stark geblutet. Damit hätte ich keinen Marathon laufen können", sagte Kienle im Ziel, doch nach Absprache während des Radfahrens wurde ihm das Objekt beim Wechsel in die Laufschuhe von einem Mediziner entfernt.

Frodeno will Titel in Hawaii

Frodeno bewies dabei großen Sportsgeist und verweilte länger als nötig in der Wechselzone, um sich nach Kienles Zustand zu erkundigen. "Ich habe teilweise ein Rennen gegen Jan gemacht und zwischendurch gegen mich und die Klimaerwärmung", resümierte Kienle.

Frodeno katapultierte sich durch den Triumph automatisch in die Favoritenposition für das wichtigste Rennen der Saison: die WM auf Hawaii am 12. Oktober. Dort hatten seit 2014 Kienle sowie die zweimaligen Champions Frodeno und Patrick Lange die Titel stets unter sich ausgemacht. "Ich teile das Ziel, dort zu gewinnen", meinte Frodeno hinterher.

"Manchmal fragt man sich, warum man das alles macht. Ich bin happy und erschöpft", sagte Frodeno, der auf dem Rad eine Schrecksekunde überstehen musste. Bei Tempo 80 hatte sich der gebürtige Kölner verbremst, er konnte deshalb die folgende Kurve nicht mehr präzise ansteuern und musste den Ausweg über das angrenzende Feld nehmen.

Frodeno passiert Malheur

Dabei verlor er seine Trinkflasche und konnte lange Zeit keine wertvollen Mineralien zu sich nehmen – angesichts der hohen Temperaturen keine ideale Situation.

Der Triathlon-Olympiasieger von 2008 blieb allerdings konzentriert, zog weiter seinen Masterplan durch: Bloß keine Schwäche zeigen, den erschwommenen Vorsprung verteidigen und den Kampf der drei Protagonisten, deren Beziehung er als "gesunde Rivalität" bezeichnet, von vorne diktieren.

Auf dem Rad gelang ihm das aber nur mit viel Anstrengung. Der bärenstarke Kienle trat auf den letzten Kilometern der zweiten Teildisziplin nämlich nochmal kräftig in die Pedale, das Duo ging praktisch zeitgleich in die Wechselzone und von dort aus wieder auf die Strecke.

Ironman-Weltmeister Lange chancenlos

Zu diesem Zeitpunkt hatte Lange den Kontakt zur Spitze längst verloren. Betrug der Rückstand zur Hälfte der Radstrecke schon mehr als sieben Minuten, vergrößerte er sich bis zum Start des Marathons auch wegen eines zwischenzeitlichen Raddefekts auf eine halbe Stunde.

Selbst für den laufstarken Nordhessen, der im vergangenen Jahr als erster Mensch den Hawaii-Ironman unter acht Stunden beendet hatte, eine viel zu große Hypothek. Auch wegen Magenproblemen belegte Lange am Ende nur den elften Rang (+51:46 Minuten).

"Eine Überrundung hatte ich Patrick Lange echt nicht gewünscht, gerade bei seinem Heimrennen. Aber das gehört zum Sport dazu", resümierte Frodeno bei SPORT1. "Ich bin aber froh, dass er es durchgezogen hat, das zeigt auch Charakter. Ich ziehe meinen Hut vor ihm."

True kollabiert kurz vor Ziel

Franz Roeschke machte in Frankfurt als Dritter den deutschen Dreifachsieg perfekt.

Bei den Frauen gewann die US-Amerikanerin Skye Moench auf dramatische Art und Weise, nachdem ihre Landsfrau Sarah True in Führung liegend einen Kilometer vor dem Ziel kollabiert war. Auch Daniela Bleymehl musste das Rennen vorzeitig beenden.

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