Rockets im Sinkflug: Harden und Co. suchen Form
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München - Vor der Saison blasen die Houston Rockets zum Angriff auf Serien-Meister Golden State. Doch der Saisonstart wird zum Desaster. Die Gründe.

Die Houston Rockets wollten in der NBA den nächsten Großangriff auf die Golden State Warriors starten. Doch aktuell herrscht bei den Rockets Ernüchterung - Houston, wir haben ein Problem.

Sechs Spiele sind absolviert, für die Rockets setzte es bereits fünf Niederlagen - drei davon mit mehr als 15 Punkten Unterschied. Es sind dementsprechend nicht nur die Pleiten an sich, die viele Fans sprachlos macht. Es ist die Art und Weise, wie aktuell verloren wird.

Auch Coach Mike D'Antoni ist inzwischen ratlos: "Wir spielen gerade einfach nur Müll. Ich habe aber auch keine großen Antworten darauf. Wir werden sehen, und wir werden kämpfen", sagte der Trainer des Jahres 2017 nach der letzten Klatsche gegen die Portland Trail Blazers.

Harden fehlt schmerzlich

Ein ums andere Mal wird das Team, insbesondere die Defense, entblößt. In den Duellen mit den Pelicans und Clippers kassierten die Rockets mehr als 130 Zähler – in der gesamten letzten Saison passierte dies nicht ein einziges Mal. Gegen Portland hakte es dann, ohne den am Oberschenkel verletzten Superstar James Harden, auch offensiv.

Die desaströsen Quoten: 32,3 Prozent Feldwürfe (31 von 96), 23,3 Prozent von der Dreierlinie (10 von 43) und dramatisch schlechte 56,6 Prozent von der Freiwurflinie (13 von 23).

Abgänge haben Team geschwächt

Dass die Fragezeichen so früh so groß sein würden, hätte im Sommer wohl niemand gedacht.

In der letzten Saison dominierte Houston die Regular Season und schloss sie mit der besten Bilanz ab. In den Playoffs scheiterten die Rockets erst im Conference Finale knapp mit 3:4 am späteren Meister Golden State - auch wegen einer bitteren Verletzung von Chris Paul.

Doch in der Offseason verließen mit Trevor Ariza und Luc Mbah a Moute zwei wichtige Rollenspieler das Team – mit den beiden ist auch die defensive Stabilität verloren gegangen. Zudem hat Assistenz-Trainer und Defensiv-Guru Jeff Bzdelik Mitte September seinen Rücktritt bekannt gegeben.

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"Wir müssen noch einmal ganz von vorne anfangen und herausfinden, was für dieses Team die beste Lösung ist", sagte Point Guard Paul nach der bitteren 113:133-Niederlage gegen die Clippers.

D'Antoni: "Verteidigung war grauenvoll"

Und auch bei D'Antoni klang im Interview nach der Partie schon eine gewisse Portion Ratlosigkeit durch, die sich nach der Portland-Pleite nur noch verstärkte: "Wir haben keinerlei Kontinuität. Wir finden nicht heraus, wie wir spielen müssen. Irgendwann brechen dann alle Dämme und wir müssen nur noch kämpfen. Unsere Verteidigung war grauenvoll", resignierte der 67-Jährige.

"Wir haben uns selbst in ein Loch eingegraben, nun müssen wir uns auch selbst wieder ausgraben."

Mit der Verpflichtung von Forward Carmelo Anthony wurde den Superstars Harden und Paul ein weiterer Topscorer zur Seite gestellt.

Anthony fällt Eingewöhnung schwer

Dass dem 34-Jährigen die Eingewöhnung in neue Teams nicht besonders leicht fällt, sah man bereits bei seinem Engagement bei Oklahoma City an der Seite von Russell Westbrook und Paul George.

Bei den Rockets ist Melo aktuell ebenfalls noch eher ein Fremdkörper. Offensiv schien er sich er sich in den Spielen gegen Utah (22 Punkte) und die Clippers (24 Punkte) zwar zurecht gefunden zu haben. Gegen die Trail Blazers war der Oldie dann mit acht Punkten aber wieder ein Schatten seiner selbst. Defensiv ist er im Vergleich zu Ariza und Mbah a Moute ohnehin eine klare Schwächung.

Und auch bei den anderen beiden Anführern läuft es derzeit nicht rund. Im zweiten Saisonspiel gegen die Los Angeles Lakers – dem einzigen Sieg – geriet Chris Paul mit Lakers-Guard Rajon Rondo aneinander.

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Paul für zwei Spiele gesperrt

Rondo schlug den Rockets-Star und soll ihn bespuckt haben, Paul wiederum steckte Rondo den Finger ins Auge und ließ seine Faust ebenfalls fliegen. Rondo wurde für drei Spiele gesperrt, Paul für zwei. In den beiden Spielen wurde "CP3" von seinen Teamkollegen schmerzlich vermisst. Doch auch seine Rückkehr gegen die Clippers brachte nicht die erhoffte Trendwende: er traf nur drei von 13 Würfen und leistete sich fünf Ballverluste, gegen Portland waren es sechs von 19 und vier Turnovers.

Auch die kommenden Wochen versprechen für die Rockets keine Besserung. Vorjahres-MVP Harden, mit 28,5 Punkten und neun Assists im Schnitt bis zu seiner Verletzung relativ stabil, fällt vorerst weiter aus. Dass in Houston ein leichter Anflug von Panik zu spüren ist, machen spätestens die Tradegerüchte vom Freitag deutlich.

Vier Erstrundenpicks für Butler?

Für Timberwolves-Profi Jimmy Butler, der allseits als guter Verteidiger bekannt ist, sollen die Rockets ganze vier Erstrundenpicks locker machen wollen.

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Ein All-in-Move, den eine NBA-Legende nur allzu gut kennt: Paul Pierce. 2013 hatten die Brooklyn Nets zugestimmt, unter anderem vier Spieler und drei ungeschützte Erstrundenpicks an die Celtics abzugeben, um dafür Kevin Garnett und "The Truth" zu bekommen.

Der Deal stellte sich im Anschluss als einer der miserabelsten in der Geschichte der Nets heraus. Sie hatten ihre Zukunft verspielt. In keiner der letzten drei Spielzeiten gewann Brooklyn mehr als 30 Partien.

Pierce könnte Butler-Trade nachvollziehen

Auf einen möglichen Butler-Trade angesprochen, sagte Pierce bei USA Today: "Spontan würde ich davon abraten. Aber: wenn das der Trade ist, der es möglich machen könnte, die Warriors zu schlagen – wenn man zu Chris Paul und James Harden auch noch Jimmy Butler hinzufügen könnte, dann kannst du dich darauf einlassen. Du gehst dann aber All-in."

Doch selbst wenn Jimmy Butler in Zukunft das Trikot der Rockets tragen sollte, schweben die Warriors derzeit in ganz anderen Sphären - wie das Dreier-Rekordspektakel von Klay Thompson zuletzt gegen die Chicago Bulls wieder einmal bewies. Für die Rockets dürfte es eher darum gehen, ganz langsam den Schwung der alten Saison wiederzufinden.

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